Studie der Medienanstalten zeigt Risiken des "Family-Influencings" - epd medien

15.04.2026 13:54

Erstmals gibt eine Studie Aufschluss über das Phänomen des sogenannten Family-Influencings. Demnach werden in vielen Beiträgen Kinder- und Persönlichkeitsrechte verletzt. Die Medienanstalten fordern klare Regeln.

Influencer dokumentieren per Handy-Kamera ihr Familienleben

Bremen/Hannover (epd). Eine Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung im Auftrag mehrerer Landesmedienanstalten zeigt erstmals das Ausmaß und die Risiken des sogenannten Family-Influencings in Deutschland. Rund ein Drittel der Eltern, die einen werbewirksamen Account auf Social-Media-Plattformen führen, zeigt Kinder in ihren Posts klar erkennbar, wie die Landesmedienanstalt Niedersachsen am Mittwoch in Hannover mitteilte. Beiträge, in denen sehr junge Kinder im Alter zwischen null und drei Jahren auftauchten, erhielten besonders viele Likes und Interaktionen, hieß es.

Sogenanntes Family-Influencing, bei dem Eltern Bilder oder Videos ihrer Kinder auf Social-Media-Plattformen veröffentlichen, sei zu einem lukrativen Geschäftsmodell geworden. Von diesem Geschäft profitierten die Influencerinnen und Influencer selbst, die Werbewirtschaft und die Plattformen. Die Kinder, die zumeist als Werbeträger für unterschiedlichste Produkte fungierten, zahlten dafür einen hohen Preis. Ihre Privatsphäre und ihr persönlicher Schutzraum innerhalb der Familie würden aufgegeben.

Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Besonders kritisch seien Beiträge, in denen Kinder in emotionalen oder intimen Situationen zu sehen seien, beispielsweise auf dem Wickeltisch oder bei einem Wutanfall. Je nach Darstellung tangierten Postings den Angaben zufolge Bereiche des Datenschutzes, des Kinderarbeitsschutzes und der Persönlichkeitsrechte.

Für die Studie "Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen" wurden rund 10.000 Einzelpostings von 359 deutschsprachigen Profilen auf Instagram, Youtube und Tiktok untersucht. Sie erreichen den Angaben zufolge zusammen mehr als 109 Millionen Follower. Autoren der Studie sind Stephan Dreyer und Claudia Lampert (Senior Researcher am Leibniz-Institut für Medienforschung), Kira Thiel (Junior Researcher am Institut) und die studentische Mitarbeiterin Aysu Altun.

Die beteiligten Landesmedienanstalten in Bremen, Berlin-Brandenburg, Hamburg/Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben auf Grundlage der Studie Handlungsempfehlungen entwickelt. So sollten etwa Influencer auf die erkennbare Darstellung ihrer Kinder in sozialen Medien verzichten oder zumindest deren Gesichter verpixeln. Kinder sollten niemals in verletzlichen, intimen oder peinlichen Situationen gezeigt werden.

Plattformen sollen Verstöße strenger ahnden

Plattformen sollten eigene Regeln zur Darstellung von Kindern in Social-Media-Beiträgen entwickeln und Verstöße konsequent verfolgen, regen die Medienanstalten zudem an. Überdies sollten Werbetreibende Unternehmen und Agenturen die Einhaltung kindeswohlorientierter Mindeststandards zur Voraussetzung der Zusammenarbeit mit Family-Influencern machen. Den Aufsichtsbehörden - etwa Gewerbe-, Arbeits-, Datenschutz-, Medien- und Jugendschutzaufsicht - empfehlen die Medienanstalten die Entwicklung klarer Leitlinien und Informationsmaterialien. Zudem dringen sie auf die Einrichtung leicht zugänglicher Meldestellen.

Die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, Cornelia Holsten, plädiert dafür, dass die werbetreibende Wirtschaft und die Agenturen in den Verträgen mit den Family-Influencern Kinderschutzklauseln einarbeiten. "Das kann sehr schnell umgesetzt werden", sagte die Juristin dem epd.

Auch die Gesetzgeber sollten handeln. So könnte etwa das Jugendarbeitsschutzgesetz die Regeln auf das Family-Influencing erweitern, die derzeit für Kinder bei der Mitarbeit an Werbespots, Filmen oder Serien gelten. Die Länder könnten zudem den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag um Aufsichtsmöglichkeiten für kommerzialisierte Darstellungen von Kindern erweitern, so Holsten.

lnb



Zuerst veröffentlicht 15.04.2026 10:00 Letzte Änderung: 15.04.2026 15:54

Schlagworte: Medien, Kinder, Familien, NEU

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