16.04.2026 07:20
Thriller-Serie "Phoenix - Change or Die"
epd Die Protestaktionen der "Letzten Generation" sind längst passé, die Klimastreiks von "Fridays for Future" haben ihren Zenit ebenfalls überschritten. Stattdessen stellen Politiker weltweit ihre selbst gesetzten Klimaziele wieder infrage, in den Kriegen im Iran und in der Ukraine verlieren Hunderttausende Menschen ihr Leben und bei Angriffen auf Öldepots und Gasfelder werden Treibhausemissionen in gigantischem Umfang freigesetzt. Mitten in diesen Backlash platzt die französisch-deutsche Thrillerserie "Phoenix - Change or Die" mit einem Szenario, das wie eine trotzige Erinnerung daran wirkt, dass die Klimakrise trotzdem noch da ist: Sechs junge europäische Öko-Aktivisten haben genug von Konzernen, die rücksichtslos die Umwelt ausbeuten - und kidnappen die Kinder von vier Firmenlenkern, um diese zum Umdenken zu zwingen.
Kopf der nach dem mythologischen Feuervogel benannten Gruppe ist der Agrarbiologe Mathias (Léo Legrand), dem zu Beginn an einer Pariser Elitehochschule das Diplom als Jahrgangsbester ausgehändigt wird, das er jedoch nach einer kämpferischen Rede vor den anwesenden Honoratioren und Eltern zerreißt. "Gespür für ein gutes Spektakel und Mumm" bescheinigt ihm daraufhin sein alter Lieblings-Professor Jean Humbel (François Berléand), nicht ohne dem jungen Mann noch ein Zitat der US-amerikanischen Anthropologin Margaret Mead mit auf den Lebensweg zu geben: "Zweifelt nie daran, dass eine Gruppe von wenigen umsichtigen und engagierten Menschen die Macht hat, die Welt zu verändern. Tatsächlich ist sie nur so jemals verändert worden." Mathias nimmt es sich zu Herzen.
Während die CEOs der vier größten europäischen Unternehmen einen Wirtschaftsgipfel in der französischen Alpenstadt Annecy initiiert haben, um ein vermeintlich innovatives Gletscher-Rettungsprojekt namens "Ice back" vorzustellen, will die multinationale Phoenix-Revoluzzer-Gruppe die Gelegenheit nutzen, das Ganze als PR-Stunt zu entlarven. Um ihre Kinder freizukaufen, sollen die Bosse der "schmutzigen Vier" zwölf Milliarden Euro an die Climate Shield Foundation des Professors Humbel spenden. Doch bei den Entführungen geht einiges schief.
Aktivist James (Will Attenborough) etwa hat eigentlich die Aufgabe, den Sohn eines britischen Chef-Bankers zu kidnappen. Weil aber statt der Zielperson nur die sechsjährige Schwester zum Reitausflug erscheint, befindet sich bald ungeplanterweise ein Kind unter den Geiseln. Mathias wiederum bringt nach einem Zwischenfall noch einen zusätzlichen Gefangenen mit ins Hauptquartier, den er im Keller einsperrt und den anderen verschweigt. Als seine Schwester und Co-Anführerin Éloïse (Marie Colomb) hinter den Alleingang kommt, bricht handfester Streit zwischen den beiden aus.
In einer fordernden Dramaturgie mit zahlreichen Zeitebenen- und Schauplatzwechseln treibt Regisseur Franck Brett nun zum einen die Geschehnisse in Annecy voran, wobei ein sich in der Region ausbreitender Waldbrand die Dramatik verstärkt. Zum anderen enthüllt er Stück für Stück die Beziehungs- und Entstehungsgeschichte des Phoenix-Sextetts. Eine gelungene Rückblende ("Madrid, 19 Monate vor den Entführungen") zeigt, wie sich die Spanierin Alma (Catalina del Rosario) bei einem entgleisten Talkshow-Streit mit einem chauvinistischen Politiker radikalisiert.
Als besonders schillernd erweist sich die Liebesbeziehung zwischen der blauhaarigen Bilderbuch-Aktivistin Nina (Alva Schäfer) und der deutschen CEO-Tochter Lyne Frankenheimer (Pauline Pollmann), die ihre Geiselrolle nur spielt. Auf der Gegenseite der Vorstandsvorsitzenden, die um die richtige Reaktion ringen, hat Benno Fürmann einen markanten Auftritt als Lynes skrupelloser Vater Hans.
Zu den Stärken der im Rahmen der europäischen "New8"-Produktionsallianz realisierten Miniserie gehört, wie ernsthaft sie die Gewissenskonflikte der Aktivisten verhandelt: Welche Mittel heiligt der gute Zweck? Smart sind auch die Entlarvung der Greenwashing-Strategien großer Konzerne und der zeitgemäße Einsatz von Social Media und viralen Videos. Naiv-pädagogisch wird es allerdings, wenn die Geiselnehmer in dem verlassenen Ferienlager in den Bergen allen Ernstes anfangen, Ihren Gefangenen an Schultafeln und -bänken Unterricht über die Erderwärmung zu erteilen. Insgesamt hält "Phoenix - Change or Die" die Spannung ausreichend hoch, um über sechs 45-minütige Folgen zu fesseln. Beim Festival de la Fiction in La Rochelle gab es dafür 2025 den Preis in der Kategorie Suspense.
infobox: "Phoenix - Change or Die", sechsteilige Thrillerserie, Regie: Franck Brett, Buch: Matthieu Bernard, Louis Aubert, Kamera: Magali Silvestre de Sacy, Produktion: Les Films du Cygne, Storia Television (ZDF-Mediathek/France Télévisions/BNNVARA/SVT/VRT/DR/NRK/YLE/RUV, seit 10.4.26, ZDFneo, ab 19.4.26 sonntags, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 16.04.2026 09:20
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Serie, Brett, Bernard, Aubert, Luley
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