Wie die Zeit vergeht - epd medien

19.04.2026 09:30

Für RTL hat die Produktionsfirma UFA das Kartenspiel "Hitster" als Fernsehshow adaptiert. Moderiert wird die Show, in der prominente Kandidaten erraten müssen, wann welcher Popsong erschienen ist, von Elton.

In der ersten Ausgabe der Vorabendshow "Hitster" waren (von links) Rick Kavanian, Sandy Mölling, Yvonne Catterfeld und Hans Sigl bei Moderator Elton (Mitte) zu Gast

epd Nur wenige Wochen nachdem RTL mit "Wer weiß wie wann was war?" eine Quizshow mit popkulturellem Rückspiegel gelungen ist, folgt nun das nächste nostalgische Format: In "Hitster - Die Gameshow der größten Hits" gilt es, Songs chronologisch nach ihrem Erscheinungsjahr zu sortieren. Freunden von Gesellschaftsspielen dürfte das spaßige Konzept bereits bekannt sein: 2022 erschien "Hitster" als crossmediales Kartenspiel, bei dem Songs mithilfe von Spielkarten mit QR-Codes abgespielt und in eine stetig weiterwachsende Zeitleiste einsortiert werden sollten.

Eine erste Feuertaufe im Fernsehen absolvierte "Hitster", als das Ratespiel 2023 in der ProSieben-Show "Schlag den Star" erprobt wurde. Im Eins-gegen-Eins-Duell an einem Holztisch auf der schlichten Nebenbühne des Studios zerbrachen sich Michael Mittermeier und Olaf Schubert den Kopf über die Erscheinungsjahre etlicher Popsongs. Als Moderator damals zur Stelle: Elton.

Momente der eigenen Biografie

Eben dieser Elton hat nun auch die Moderation der ersten "Hitster"-Staffel bei RTL übernommen, das Kartenspiel ist zur eigenständigen Vorabend-Gameshow mit eigenem Titelsong, eigenem Studioset und eigenem Regelwerk herangewachsen. Die deutsche TV-Umsetzung ist die erste, die aus dem Format der Produktionsfimen Fremantle Netherlands und Newbe sowie des Brettspielverlags Jumbo Group entstanden ist. Eine niederländische Variante der Show, die wie die deutsche in Hilversum bei Amsterdam gedreht worden ist, ist bereits angekündigt.

Gespannt dürfte also verfolgt werden, wie "Hitster" hierzulande als TV-Show ankommt. Die Einstiegsshow am 12. April wurde vom Publikum gut angenommen: RTL zeigte sich sehr zufrieden mit einem Marktanteil von 13,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, in dieser Zielgruppe verfolgten im Schnitt 467.000 Personen die Show. Beim Gesamtpublikum kam die Sendung mit im Schnitt 1,43 Millionen Zuschauern auf einen Marktanteil von 6,8 Prozent.

Der Spielmodus, bei dem zwei Prominentenduos gegeneinander antreten, setzt auf etablierte Sehgewohnheiten. Wie schon beim ebenfalls von der UFA Show & Factual produzierten Vorabendquiz "Wer weiß denn sowas?" lässt auch "Hitster" den Promis Zeit zum Besprechen und Beraten. Das Grübeln darüber, ob "Sexbomb" vor oder nach 1996 erschienen ist, offenbart manchmal interessante Einblicke in die Überlegungen der Kandidaten, die sich zum Beispiel an Momenten der eigenen Biografie oder an Großereignissen wie der Fußball-WM entlanghangeln.

Angenehm kurzes Format

Oft aber sind die Gespräche der Promis wenig aufschlussreich, zum Beispiel, wenn Jungschauspieler Julius Weckauf und seine Mitspielerin Andrea Kiewel wegen ihres beachtlichen Altersunterschieds kaum ins Gespräch über die einzusortierenden Lieder kommen.

Vieles wurde jedoch auf Anhieb richtig umgesetzt, um in dem mit knapp 60 Minuten angenehm kurz geratenen Format keine Eintönigkeit aufkommen zu lassen: Die angespielten Songs werden mal um Musikvideos ergänzt, mal als Tanzchoreographie der "Hitster Dance Group" dargeboten, mal vom Interpreten selbst als Live-Act gesungen. Dass dies nicht immer wie in der Premierenfolge mit einem Vollplayback-Auftritt geschehen muss, beweist Max Giesinger dankenswerterweise schon in der zweiten Ausgabe. Weitere Runden, in denen ein Song rückwärts gespielt wird oder nur anhand seines Intros erkannt werden soll, bringen ebenfalls Abwechslung in die Show.

Ansehnlicher Start

Sowohl die Funktionsweise der Joker ("Token"), mit denen die Kandidaten dem Gegnerteam einen Song wegschnappen können, als auch das Grundprinzip des Spiels sind für die Fernsehadaption vereinfacht worden. Eine Möglichkeit, den Token strategisch vielseitiger einzusetzen, fehlt ebenso wie die Möglichkeit, durch Nennung von Songtitel und Interpret Bonuspunkte zu erspielen. Das ist zwar für eingefleischte "Hitster"-Fans schade, sorgt aber für eine angenehme Niedrigschwelligkeit beim Mitraten vor dem Fernseher.

Hat eines der beiden Promiteams zehn Jahreszahlen auf seinem Zeitstrahl gesammelt, gelangt es ins Finale, wo es - dem aus den sozialen Medien bekannten Blind Ranking ähnlich - einen Song nach dem anderen diesen zehn Jahreszahlen zuordnen soll. Dieser flotte Finalmodus bringt zum Ende hin das nötige Tempo in die Show, die mit Blick auf all die Jahreszahlen der Popgeschichte mehr als einmal die Frage aufwirft, wie schnell doch die Zeit vergeht.

Elton ist als Moderator wie gewohnt nicht wirklich mitreißend, stört aber auch nicht, die Spieler sind unterschiedlich talentiert. Mit dem vereinfachten Spielkonzept im schicken Studio mit zweistöckigen Zuschauerrängen und einem von der Decke hängenden würfelförmigen Bildschirm ist dem Kartenspiel ein solider, durchaus ansehnlicher Start als Fernsehformat geglückt. Den Brettspielverlag wird das sicherlich freuen.

infobox: "Hitster - Die Gameshow der größten Hits", sechsteilige Gameshow mit Elton, Regie: Matthias Schwab, Buch: Tilo Behn, Produktion: UFA Show & Factual, Fremantle Netherlands, Newbe (RTL+, seit 5.4.26, RTL, seit 12.4.26 jeweils sonntags 19.05-20.15 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 19.04.2026 11:30

Lukas Respondek

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KRTL, Show, .

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