20.04.2026 07:45
ZDF-Krimi "Im Grunde Mord - Blutsbande"
epd Im Februar startete das ZDF mit dem Auftaktfilm "Wolfsblut" die Reihe "Der Garmisch-Krimi", im März lancierte der Sender - in Ergänzung zum Dauerbrenner "Die Toten vom Bodensee" - die in Überlingen spielende Krimiserie "Mordufer". Und im April sind die Mainzer Programmplaner auf der Suche nach einem noch nicht von Ermittlern besetzten Fleckchen Erde im Teutoburger Wald fündig geworden. Vorhang auf für "Im Grunde Mord - Blutsbande", angesiedelt vor der imposanten Kulisse der Externsteine.
Mit der Umsetzung hat die hauseigene Produktionsfirma Network Movie Profis beauftragt. Drehbuchautor Stefan Rogall hat für den "Tödlichen Dienst-Tag" des kommerziellen Wettbewerbers RTL+ die Reihe "Alpentod - Ein Bergland-Krimi" geschrieben, zu den Credits von Regisseur Bruno Grass gehören unter anderem die "Wendland"-Reihe und "Nord Nord Mord" (beide ZDF). In diesem Sinne wird abgeliefert. Kaum ist die Kamera von oben in den Wald eingeschwebt, stürzt auch schon ein junger Mann von der berühmten Felsformation in die Tiefe: der Obdachlose Ole Wellenkamp, offenbar ohne noch lebende Angehörige und Perspektive.
Ein Suizid? Nein, denn die Leiche weist auch eine Stichwunde auf. Die zuständige Kommissarin eilt vom Kanufahren an den Fundort. Und für das obligate Ermittler-Duo hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: kein flirtendes Mann-Frau-Gespann, sondern Geschwister!
Genregerecht kabbeln können sich Paula und Leon Schäfer (Hanna Plaß, Jakob Benkhofer) aber trotzdem, das Konfliktpotenzial zwischen der Tochter und dem Sohn des pensionierten Detmolder Kriminalrats Holger Schäfer (Rainer Reiners) ist enorm. Während sie erst vor Kurzem als Elternzeitvertretung aus Hamburg in die Heimat zurückgekehrt ist, kümmert er sich seit Jahren um den dementen, im Heim lebenden Vater. Zudem ist sie nun die Chefin und lässt ihn das bei der Aufgabenverteilung spüren. Und dann zieht sie auch noch umstandslos wieder zu ihm ins Elternhaus.
Flehentlich hält Staatsanwältin Britta Everslage (Ann-Kathrin Kramer) die Dauerstreitenden zu "konstruktiver Polizeiarbeit" an. Die Juristin scheint Paula und Leon auch privat verbunden zu sein; was genau sie mit dem Tod der Mutter der beiden zu tun hatte, die starb, als die Kinder noch klein waren, wird sich sicher in der nächsten Folge weisen.
Die familiären Verstrickungen auf Ermittlerseite sind jedenfalls spannender als die zahlreichen übrigen Plotwendungen. Die drehen sich um Überfälle obskurer Tiermasken-Träger, es gibt einen Anschlag auf die Frauenarztpraxis von Brittas Lebenspartnerin Yvonne (Julika Jenkins), die bekanntermaßen Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Im abgestellten Auto des mutmaßlichen Mordopfers finden sich große Mengen Düngemittel - zum Bombenbauen? Ein Verfassungsschützer raunt von "politisch motivierten Sabotageakten in Ostwestfalen-Lippe" und einer rechten Gruppierung namens "Ahnenerbe".
Verdächtig scheinen der Dachdecker Ulf Tigges (Sebastian Schwarz) und der Unternehmer Torsten Brokämper (Bernhard Schir), der seinem Sohn Matteo so lange jovial auf Hals und Schulter schlägt, bis dieser ihm beim Grillen eine Gabel in den Handrücken rammt. Ach ja, und dann sind da noch die Restaurantbetreiber Jens und Kerstin Lorenz (Patrick Joswig, Helene Grass) und ihre schwangere Tochter Annika (Philine Schmölzer), die zur Tatzeit bei den Externsteinen war.
Der Overkill beim Krimi-Output der beitragsfinanzierten Sender spiegelt sich hier in der Vielzahl der ausgelegten Erzählstränge. Der Effekt beim Zuschauer ist eine gewisse Ermüdung, über die auch die regionalen Schauwerte nicht hinweghelfen (selbstverständlich wird auch das Hermannsdenkmal gebührend in Szene gesetzt). Fast schon satirisch mutet vor diesem Hintergrund das begeisterte Begleitwort des Produzenten Bernd von Fehrn an. "Und das charmante Add-on: Wir bespielen nicht nur in der Täter-Opfer-Welt den facettenreichen Kosmos der Beziehungen, auch auf der Ermittler*innenseite haben wir es bei 'Im Grunde Mord' mit dem herrlichen Beziehungs-Ensemble einer quasi Patchwork-Familie zu tun", textet er und verspricht einen "- im wahrsten Wortsinne - Bilderbuchkrimi".
Wie wäre es mal wieder mit einem themenoffenen Fernsehfilm ohne vorher festgelegte Ingredienzen und Baukasten-Titel? Keine Chance! Bereits am 2. Mai feiert im ZDF die neue Reihe "Havelland-Krimi - Hinter der Fassade" Premiere.
infobox: "Im Grunde Mord - Blutsbande", Krimi, Regie: Bruno Grass, Buch: Stefan Rogall, Kamera: Nicolay Gutscher, Produktion: Network Movie (ZDF-Mediathek, seit 11.4.26, ZDF, 20.4.26, 20.15-21.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 20.04.2026 09:45
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Grass, Rogall, Luley
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