20.04.2026 13:23
Berlin/Luxemburg (epd). Deutschsprachige Verlegerverbände fordern klare und umsetzbare Rahmenbedingungen für den Umgang von Plattformen und Künstlicher Intelligenz (KI) mit journalistischen Inhalten. "Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie", sagte Michelle Cloos, Generaldirektorin vom "Tageblatt Luxemburg" und Vorstandsvorsitzende des Verlagshauses Editpress. Wie der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) am Montag mitteilte, rufen die Verlegerverbände in der "Erklärung von Luxemburg" die Politik dazu auf, die Medienvielfalt zu schützen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Damit die demokratische Öffentlichkeit nicht zunehmend unter den Einfluss globaler Plattformen und von KI-Anbietern gerate, müssten die Voraussetzungen für unabhängigen Journalismus gestärkt werden, erklärte der BDZV. Die Verlage fordern Transparenz über Algorithmen, Quellen und Ranking-Logiken, durchsetzbare Rechte der Medienhäuser an ihren Inhalten, eine verpflichtende Vergütung für die Nutzung journalistischer Inhalte, diskriminierungsfreie Auffindbarkeit journalistischer Inhalte und klare Grenzen für KI-generierte Inhalte marktbeherrschender Plattformen.
In der Erklärung weisen die Verlage auch darauf hin, dass der digitale Werbemarkt verzerrt sei. Ein Großteil der Erlöse fließe zu wenigen Plattformen, das entziehe dem Journalismus die wirtschaftliche Grundlage. Ein funktionierender Werbemarkt sei eine Voraussetzung für demokratische Öffentlichkeit. Die Verlage fordern, dass sie die Daten, die sie mit ihren Angeboten gewinnen, weiter rechtssicher für Werbung und Analysen sowie für die Werbung neuer Nutzerinnen und Nutzer nutzen können. Bei den digitalen "Gatekeepern" fordern sie die Einführung quantitativer Werbegrenzen und die verpflichtende Beteiligung der Plattformen an der Finanzierung journalistischer Angebote.
Die Erklärung fordert zugleich den Erhalt der Einschränkungen für Werbung beim Rundfunk und "klare Grenzen für marktverdrängende digitale Aktivitäten der öffentlichen Hand und öffentlich-rechtlicher Inhalte-Anbieter".
Die Medienhäuser warnen außerdem davor, dass das Recht auf Vergessen dazu führen könnte, dass Geschichte umgeschrieben wird. "Gerade bei Themen von öffentlichem Interesse ist es unerlässlich, dass journalistische Archive vollständig und unverändert erhalten bleiben", schreiben sie in der Erklärung.
Unterschrieben wurde die "Erklärung von Luxemburg" neben Cloos auch vom Vorstandsvorsitzenden des BDZV, Jörg Eggers, dem Präsidenten des Verbands Schweizer Medien, Andrea Masüger, dem Präsidenten des Präsidiums des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Maximilian Dasch und dem Geschäftsführer des Medienhauses Athesia Tyrolia Druck, Michl Ebner.
dir
Zuerst veröffentlicht 20.04.2026 15:23 Letzte Änderung: 20.04.2026 17:36 (Korrekturen)
Schlagworte: Medien, Presse, Verlage, Verbände, Plattformen, KI, Roether, NEU
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