28.04.2026 09:34
Comedy-Serie "Highter & Wolkig"
epd Möchtegern und Nichtsnutz, beide Mitte 20, treffen sich auf dem Amt. Der eine will hoch hinaus, kommt aber nicht vom Fleck, der andere will den Rest seines Lebens kiffend in der sozialen Hängematte verbringen. Korbi und Wolke sind Stammkunden von Frau Felske. Was sie von ihnen hält, ist offensichtlich, doch die Etiketten verpasst sie ihnen erst später, als sie sich wider Erwarten mit dem Duo verbündet. "Arbeitsmarkt-Amöben" und "Zukunfts-Zombies", das bringt es auf den Punkt.
Dabei ist Korbi im Grunde eine tragische Figur: Sein Vater straft ihn mit Verachtung, weil er regelmäßig mit seinen allerdings recht absurden Start-up-Ideen scheitert. Mit Mitleid darf er trotzdem nicht rechnen: Der Typ ist ein unsympathischer Schnösel, der sich für was Besseres hält, weil er ein bisschen studiert hat und ständig mit Anglizismen um sich wirft, die vermutlich aus einem Youtube-Seminar für Nachwuchs-Manager stammen. Wolke dagegen ist eigentlich ganz nett, kümmert sich liebevoll um seine demente Oma und träumt sonst in den Tag hinein.
Dass sich diese zwei geborenen Verlierer zusammentun, ist fast zwangsläufig witzig. Die beiden leben irgendwo in der bayerischen Provinz. Frau Felske (Milena Dreissig), Sachbearbeiterin im Bürgeramt, lässt sie zu Schicksalsgefährten werden: Dem einen verweigert sie den Zuschuss für eine weitere Existenzgründung, dem anderen macht sie klar, dass der Bezug von Arbeitslosengeld eine gewisse Arbeitswilligkeit voraussetzt. Als Korbi (Nick Romeo Reimann) erfährt, welche Summe sich Wolke (Willi Sellmann) seinen täglichen Joint-Konsum kosten lässt, hat er umgehend eine Idee für ein gemeinsames Projekt: ein Cannabis-Café! Wolke wendet zwar ein, Arbeiten sei nicht so seins, aber die Aussicht auf Haschisch aus eigenem Anbau und daher bis zum Abwinken überzeugt ihn dann doch.
Aus diesem Grundeinfall haben Caro Ellert, Max Osswald und Christian Knie eine amüsante und ziemlich abwechslungsreiche Serie gemacht, die zum Glück auch kurz gehalten ist: "Highter & Wolkig" dauert insgesamt nur rund 90 Minuten. Die Heiterkeit resultiert weniger aus dem Kontrast zwischen dem selbsternannten Entrepeneur und seinem tiefenentspannten Kompagnon, als vor allem aus der Hartnäckigkeit, mit der sie die bürokratischen Hürden angehen. Außerdem kommt es im Verlauf der Suche nach einer Anbaufläche, einer geeigneten Lokalität sowie fünf weiteren für die Vereinsgründung nötigen Mitgliedern zu einigen schrägen Begegnungen.
Der Produktions-Aufwand hielt sich sichtlich in Grenzen, es wäre auch übertrieben, der Serie ein Feuerwerk an Gags und Pointen zu attestieren, aber sie macht nicht zuletzt wegen der prominent besetzten Gastrollen Spaß: Veronica Ferres spielt eine Maklerin, die für die vermeintlich kostbaren Kindermöbel einer ehemaligen Kita lächerlich hohe Ablösen verlangt. Jan Henrik Stahlberg spielt Korbis Vater, der die Hirngespinste seines Sohnes ebenso lästig findet wie die Schnecken in seinen Beeten, sich aber von Wolke überzeugen lässt, dass Schnecken in anderen Kulturen für Wohlstand stehen. Am witzigsten ist Jochen Schropp als Zauberkünstler ohne Talent.
Viel Vergnügen bereiten auch die überraschenden Handlungswendungen und kleinen Exkurse: Frau Felske muss ihren Arbeitsplatz einer Künstlichen Intelligenz überlassen, deshalb kommt es schließlich zur Kollaboration mit Korbi und Wolke, der die KI mit einem unlösbaren Rätsel aus "Star Trek" ins digitale Nirwana befördern will. Natürlich ist er auch prädestiniert für den Posten des Suchtpräventionsbeauftragten. Dass er offenbar im falschen Kurs gelandet ist, dämmert ihm jedoch erst, als sich die Teilnehmerinnen über Menstruationsprobleme unterhalten.
Etwas nervig ist hingegen die Umsetzung. Die Mockumentary-Gestaltung im "Stromberg"-Stil inklusive zwischengeschalteter Interviewausschnitte und gelegentlicher Seitenblicke in die Kamera ist okay, auch wenn an keiner Stelle erklärt wird, warum die beiden Antihelden von einem Filmteam begleitet werden. Unnötig ist dagegen die vermeintlich "reportagige" Kameraführung (Ahmed El Nagar) mit ihren ständigen Ruckel-Zooms. Darstellerisch ist diese für RTL eher ungewöhnliche Serie dagegen uneingeschränkt sehenswert. Heimlicher Star ist das angebliche Assistenztier von Frau Felske, ein unter allerlei Zipperlein leidender Leguan namens Peter.
infobox: "Highter & Wolkig", sechsteilige Comedy-Serie, Regie: Christian Knie, Buch: Caro Ellert, Max Osswald, Kamera: Ahmed El Nagar, Produktion: Nordpolaris (RTL+, seit 20.4.26)
Zuerst veröffentlicht 28.04.2026 11:34
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KRTL, Serie, Comedy, Knie, Ellert, Osswald, Gangloff
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