29.04.2026 11:37
Berlin (epd). Die Bundesstiftung Aufarbeitung kritisiert eine Gleichsetzung heutiger Medien mit den Medien in der DDR. Die Stiftung warne davor, einzelne journalistische Fehler oder berechtigte Kritik an Berichterstattung zum Anlass zu nehmen, Medien insgesamt ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen, erklärte Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky am Mittwoch in Berlin. Anlass ist der Internationale Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.
Derzeit richte sich Kritik immer pauschaler gegen die Presse und öffentlich-rechtliche Angebote. Deren Berichterstattung werde nicht selten mit jener der DDR-Medien gleichgesetzt, kritisierte Kaminsky. Ein solcher Vergleich verwische historische Unterschiede und verkenne die Funktionsweise freier Berichterstattung grundlegend.
"Die Geschichte der DDR führt vor Augen, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn Medien nicht kontrollieren, sondern kontrolliert und zensiert werden", sagte Kaminsky. Die damaligen Medien seien Teil des SED-Herrschaftssystems gewesen. Wer sich informieren wollte, sei auf westliche Medien angewiesen gewesen.
Freier und glaubwürdiger Journalismus sei deshalb keine Nebensache der Demokratie, sondern eine ihrer unverzichtbaren Voraussetzungen, betonte Kaminsky. Freie Medien stünden deshalb in besonderer Verantwortung: "Sie müssen sorgfältig arbeiten, ihre Maßstäbe offenlegen und Kritik ernst nehmen."
Umgekehrt gelte aber auch: "Kritik an konkreter Berichterstattung ist notwendig, Berichterstattung jedoch pauschal in Zweifel zu ziehen und ihr Glaubwürdigkeit abzusprechen, untergräbt die Grundlagen öffentlicher Verständigung."
Meldung aus dem epd-Basisdienst
lob
Zuerst veröffentlicht 29.04.2026 13:37
Schlagworte: Medien, Pressefreiheit
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