30.04.2026 04:00
Berlin (epd). Die weltweite Situation der Presse hat sich nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" (RSF) erneut verschlechtert. Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte der Rangliste der Pressefreiheit fielen mehr als die Hälfte aller Länder in die beiden schlechtesten Kategorien "schwierig" und "sehr ernst", erklärte die Journalistenvereinigung am Donnerstag in Berlin. Auch die Pressefreiheit in Deutschland bleibt unter Druck: Die Bundesrepublik stieg um drei Plätze nach unten ab und liegt nun auf Platz 14.
"Dass Deutschland erneut Plätze verliert, ist auch Ausdruck eines aufgeheizten Klimas", erklärte Christian Mihr, RSF-Geschäftsführer für Politik und Strategie. Bei der Berichterstattung über rechtsextreme Milieus oder den Krieg in Gaza berichteten viele Journalistinnen und Journalisten "von starkem Druck, hitzigen Debatten und der Sorge, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden". Die Lage in Deutschland sei damit insgesamt nur "zufriedenstellend".
Mit Blick auf die weltweite Situation sprach Mihr von einem "dramatischen Befund". Nur noch einer von 100 Menschen weltweit könne sich durch eine vielfältige, gesunde Medienlandschaft informieren.
Zum zehnten Mal in Folge belegt Norwegen den ersten Platz der Rangliste. Eritrea im Nordosten Afrikas ist zum dritten Mal in Folge Schlusslicht. In Syrien verbesserte sich die Situation nach dem Sturz des Assad-Regimes im Vergleich aller Länder am deutlichsten, das Land kletterte von Rang 177 auf 141. Am stärksten rutschte das westafrikanische Niger ab, um 37 Plätze auf Rang 120. Dieser Absturz stehe sinnbildlich für die sich verschlechternde Situation der Pressefreiheit in der gesamten Sahel-Region, erklärte RSF.
Die USA fielen um sieben Plätze auf Rang 64. Unter US-Präsident Donald Trump hätten Angriffe auf Medien und Pressevertreter "mittlerweile System", erklärte RSF. In Argentinien (Platz 98, minus 11 Ränge) und El Salvador (Platz 143, minus 8 Plätze) seien mit Javier Milei und Nayib Bukele zwei Präsidenten an der Macht, die zu den lautstärksten Unterstützern Trumps in Lateinamerika zählen und ihre Pressefeindlichkeit "offen zur Schau stellen".
Israel rutsche vor allem wegen des Gaza-Kriegs um vier Plätze auf Rang 116 ab. Seit Oktober 2023 tötete die israelische Armee nach RSF-Angaben in Gaza mehr als 220 Journalisten, darunter mindestens 70 bei der Ausübung ihrer Arbeit. Die Palästinensischen Gebiete fielen um vier Plätze auf Rang 163. Auch in Ländern wie dem Sudan (Platz 161, minus 5 Ränge), Irak (Platz 162, minus 7 Ränge) oder Jemen (Platz 164, minus 10 Ränge) seien die Auswirkungen von bewaffneten Konflikten spürbar.
Besonders die rechtlichen Rahmenbedingungen hätten sich für Medienschaffende weltweit verschlechtert, kritisierte RSF. Journalismus werde immer häufiger kriminalisiert. Auch in demokratischen Ländern werde das Recht der Bürger auf Information zunehmend beschnitten.
Die RSF-Rangliste der Pressefreiheit vergleicht die Situation für Journalisten und Medien in 180 Ländern und Territorien. Sie stützt sich auf die Indikatoren Sicherheit, politischer Kontext, rechtlicher Rahmen sowie wirtschaftliches und soziokulturelles Umfeld.
nbl
Zuerst veröffentlicht 30.04.2026 06:00
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