06.05.2026 09:20
Comedy-Serie "My Ex" mit Palina Rojinski
epd Es gibt vermutlich eine Menge Menschen, die Ivy (Palina Rojinski) heftig um ihr Leben beneiden würden: guter Job, Freundeskreis, schöne Wohnung. Sorgen sind weit und breit nicht in Sicht. Nur mit der Liebe hat Ivy irgendwie kein glückliches Händchen. Ausgerechnet in einem Planetarium beendet sie ihre aktuelle Beziehung zu Chris (August Wittgenstein), dessen smarte Unverbindlichkeit sie nervt. Die Sterne spielen also von Anfang an mit, allerdings weniger als Gegenstand astronomischer als vielmehr astrologischer Betrachtungen.
Dann kommen auch noch Tarot-Karten ins Spiel, die Ivy nach einem durchzechten Junggesellinnenabschied konsultiert. Und die sagen, dass sie die Liebe ihres Lebens binnen drei Monaten gefunden haben muss, sonst würde sie einsam alt und grau werden. RomComs werden ja weniger wegen emanzipatorisch-feministischer Ansätze geliebt, sondern folgen gemeinhin der These, dass auf jeden Topf irgendwie ein Deckel gehöre.
Weil das Orakel besagt, dass die große Liebe jemand aus Ivys Vergangenheit ist, kramt sie also buchstäblich ihre Beziehungskiste hervor, in der die Relikte verflossener Lieben aufbewahrt sind, und klappert nun von Folge zu Folge die Ex-Partner ab, deren Namen auch die Titel der einzelnen Folgen sind: Paul, Nico, Rafael etc. Paul ist aber leider immer noch das Muttersöhnchen von damals, Nico hat es vom verkrachten Kneipenbarden zum Rapstar geschafft und serviert Ivy eiskalt auf offener Bühne ab, Leo lebt inzwischen offen schwul, und mit fortschreitender Zeit und Suche wird Ivy zunehmend nervös, als würde quasi das Verfallsdatum drohen.
Man muss schon großer Fan dieses Genres sein, um sich von den insgesamt viereinhalb Stunden forcierter Partnersuche begeistern zu lassen, zumal der Auftakt so quietschbunt, schrill und aufgedreht daherkommt, dass man erst mal ein bisschen zusammenzuckt.
Insbesondere Ivys Freundinnen, die eine nach der anderen heiraten, agieren so überzogen wie ecstasybeseelte Teenager. Überhaupt fragt man sich, ob die Fortysomethings von heute wirklich immer noch so ungeheuer intensiv mit dem Sortieren ihres Liebeslebens beschäftigt sind und wann sie denn erwachsen werden. Automatisch kommt einem ein hübscher Komödientitel von 1998 in den Sinn: "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit".
Ivy wohnt in einem kunterbunten Haus, in dem auch Philipp (Helgi Schmidt), ihr bester Freund aus Kindertagen mit seiner langjährigen Freundin Flo (Caro Cult) leben. In deren Wohnung hat sich allerdings auch Philipps ziemlich durchgeknallter Bruder Jobst (Max Schimmelpfennig) einquartiert. Philipp, Flo und Jobst begleiten und kommentieren Ivys Partnersuche, allerdings kriselt es auch in dieser eher unfreiwilligen WG: Flo ist fremdgegangen, Philipp trennt sich von ihr. Spätestens jetzt dürfte auch den Begriffsstutzigsten klar sein, wohin der Hase läuft, dass also Ivy und Philipp zusammengehören. Zwar funkt immer wieder der Ex Chris dazwischen, mit dem sich Ivy das Sorgerecht für einen Hund teilt, aber das ändert nichts an der Zwangsläufigkeit des Finales.
Dennoch stellt sich die Frage, warum der Stoff (basierend auf der israelischen Serie "Mythological Ex" von Sigal Avin) auf sechs 45-Minuten-Folgen ausgewalzt wurde: Einen Fernsehfilm durchschnittlicher Länge hätte man sich gut vorstellen können. Immerhin aber schaut man Palina Rojinski gern zu, die sich mit viel Verve und Gefühl ihrer Rolle widmet. Auch die Rückblenden auf die jeweiligen Beziehungen sind durchaus unterhaltsam, und die Schrillheit der ersten Folgen nimmt mit fortschreitender Handlung ab.
Hinzu kommen durchaus amüsante Episodenrollen, etwa Benno Fürmann als inzwischen ergrauter langhaariger Ex-Lover. Wohltuende Ruhepole sind Helgi Schmidt als Philipp, der als Naturwissenschaftler nichts mit dem ganzen Astrologiezauber anfangen kann, und Jörg Schüttauf als Ivys bodenständiger Vater: Beide sind nicht nur sympathisch, sondern bringen auch jene Erdung mit, die man sonst ein wenig vermisst.
infobox: "My Ex", sechsteilige Romantic-Comedy-Serie, Regie: Tarek Roehlinger, Buch: Elena Hell, Marcus Pfeiffer, Kamera: Anne Bolick, Produktion: Keshet Fiction Germany (ZDF-Mediathek, seit 27.4.26, ZDFneo, ab 6.5.26, jeweils mittwochs, 21.45-23.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 06.05.2026 11:20
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Comedy, Serie, Roehlinger, Hell, Pfeiffer, Steglich
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