11.05.2026 07:45
ZDF-Krimi "Danowski - Neunauge"
epd Kann man etwas eine "Reihe" nennen, wovon es 2019 die letzte (und zugleich erste) Folge gab? Es wären keine weiteren Folgen geplant, sagte das ZDF seinerzeit. Nun gibt es nach mehr als einem halben Jahrzehnt plötzlich doch noch eine. Und wieder soll es keine Fortsetzung geben?
Unter anderem haben Regie und Kamera gewechselt. Die Autorin, die aus der Buchvorlage von Till Raether ein fernsehgerechtes Drehbuch gemacht hat, nennt sich aber immer noch Anna Tebbe (tatsächlich handelt es sich immer noch um Annette Reeker). Die Hauptrolle hat auch wieder Milan Peschel. Er gibt in dem ZDF-Krimi "Danowski - Neunauge" den hypersensiblen Hamburger LKA-Ermittler Adam Danowski - und der ist ein Typ, der in Erinnerung bleibt.
Eigenbrötler Danowski ist sozial herausgefordert, dafür fallen ihm Dinge auf, die andere übersehen. Was ist das für eine komische Narbe, die die mumifizierten Mordopfer haben, die in verstaubten Lagerräumen von Schulen gefunden werden? Der Biss eines Neunauges, eines fischähnlichen Wirbeltiers, das es schon in der Urzeit gab. Ist aber letztlich egal - so wird es der Fortgang des Filmes noch zeigen. Wie schon bei Danowskis erstem Fall ist der Plot an sich nicht sonderlich der Rede wert. Wichtiger sind hier die Figuren (vor allem Danowski), Stimmung und Atmosphäre. Kam beim letzten Fall Kollege "Finzi" (Andreas Döhler) groß heraus, spielt dieses Mal Kollegin Meta die größere Rolle (damals Emily Cox, jetzt Isabell Pollak).
Statt "Altmeister" Markus Imboden führte nun mit dem 1981 geborenen Jonas Grosch jemand aus einer anderen Generation Regie. Und zwar auf eine Art und Weise, die irgendwie an einen heruntergefallenen Teller erinnert: Scherbe für Scherbe wird gründlich angeguckt. Am Schluss hat der Zuschauer den Teller, Szene für Szene, wieder zusammengepuzzelt. So richtig spannend ist diese Beschäftigung nicht, eher beruhigend. Wie puzzeln halt.
Der schrullige Antiheld Danowski lebt inzwischen dort, wo er im ersten TV-Fall noch nicht hinwollte, die Hamburger Mieten aber erschwinglicher sind - südlich der Elbe. Weiterhin führt er, große Ausnahme unter den TV-Kommissaren, immer noch ein glückliches Familienleben. Trotz oder auch wegen seiner übergroßen Sensibilität. Wie dem auch sei: endlich mal keiner dieser waidwunden, einsamen Wölfe.
Eine merkwürdige Besetzung ist Sebastian Bezzel als Martin Gaitner: Er spielt einen eitlen, smarten Profiler aus München, der eigens an die Elbe gerufen wird, um die Mordserie aufzuklären. Bezzel ein smarter Profiler? Man sollte meinen, dass ein Schauspieler, der sich seit 2013 als eine Art Semmelknödel-Kommissar ("Winterkartoffelknödel", "Grießnockerlaffäre", "Kaiserschmarrndrama") hervorgetan hat, in der Branche für so eine Rolle als "verbrannt" gilt. Doch irgendwer sah das wohl anders, also gibt er den Profiler humoresk wie sonst den ARD-Dorfpolizisten Franz Eberhofer - leider nicht unbedingt die passende Humorfarbe für "Danowski".
Es ist und bleibt sehr seltsam, wie das ZDF mit Till Raethers Buchvorlagen umgegangen ist (es gibt inzwischen sieben "Danowski"-Romane). Hatte man nach der ersten TV-Folge noch gesagt: Diese Reihe sollte unbedingt weitergehen, würde man nach der zweiten nicht mehr ganz so vehement dafür plädieren. Wünschen würde man es sich dennoch - schon allein wegen Milan Peschel.
infobox: "Danowski - Neunauge", Krimi, Regie: Jonas Grosch, Buch: Anna Tebbe nach dem Roman "Neunauge" von Till Raether, Kamera: Fabian Spuck, Produktion: Studio Zentral (ZDF-Mediathek, seit 2.5.26, ZDF, 11.5.26, 20.15-21.45 Uhr )
Zuerst veröffentlicht 11.05.2026 09:45 Letzte Änderung: 11.05.2026 11:12
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Danowski, Peschel, Kaiser, kai, ema, NEU
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