13.05.2026 07:42
Köln/Hamburg (epd). Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) finanziert vollständig die Moderationstätigkeiten bei den ARD-"Tagesthemen", die sein ausgeschiedener Programmdirektor Jörg Schönenborn künftig übernimmt. Der 61-Jährige bleibe WDR-Mitarbeiter, am bestehenden Vertrag ändere sich nichts, erklärte der Sender auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Es sei "ein übliches Vorgehen in der ARD", dass eine Landesrundfunkanstalt Leistungen im Senderverbund übernehme. Das entspreche dem Selbstverständnis der Gemeinschaft.
Im März hatte die ARD mitgeteilt, dass Schönenborn zu seinen bisherigen übergreifenden Aufgaben im Senderverbund weitere übernimmt, darunter die Moderation der "Tagesthemen". Seine Direktorentätigkeit beim WDR beendete der 61-Jährige dafür: Seit Anfang Mai ist er nicht mehr Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung. Sein im Jahr 2023 verlängerter Vertrag läuft nun unverändert bis April 2029 weiter. Schönenborn erhielt 2024 eine Vergütung in Höhe von 248.000 Euro plus Sachbezüge.
In der ARD wird Schönenborn wie bisher Ergebnisse und Analysen bei allen Wahlen präsentieren. Er gehört weiterhin zum Moderationsteam des "ARD-Presseclubs" im Ersten am Sonntagmittag. Außerdem soll er über digitale Angebote den Austausch mit dem Publikum ausbauen.
Ab Mitte des Jahres wird Schönenborn dann auch zum Moderationsteam der "Tagesthemen" gehören, neben den beiden Hauptmoderatoren Ingo Zamperoni und Jessy Wellmer. Wann genau er die "Tagesthemen" zum ersten Mal präsentiert, ist noch nicht bekannt. Vorgesehen sei, dass er künftig pro Jahr rund 90 Sendungen moderiere, erklärte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) auf Anfrage. Im Moderationsteam blieben auch Julia-Niharika Sen und Susanne Stichler. Beim NDR ist die Gemeinschaftseinrichtung ARD-Aktuell angesiedelt, die unter anderem die "Tagesthemen" produziert.
Nach dem Ausscheiden Schönenborns aus dem Direktorenamt hat der WDR die Position zur Nachbesetzung ausgeschrieben. Demnach soll die Stelle "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" besetzt werden. Die Leitung der Programmdirektion Information, Fiktion und Unterhaltung übernahm kommissarisch der bisherige Stellvertreter Ingmar Cario.
Für das Nachbesetzungsverfahren habe der WDR die Personalberatungsfirma ifp eingeschaltet, bestätigte der Sender auf Nachfrage. Das in Köln ansässige Unternehmen hatte 2024 bereits eine neue Leitung für das Grimme-Institut gesucht.
Als WDR-Direktor zog Jörg Schönenborn auch bei mehreren WDR-Beteiligungen in Aufsichtsräte ein, darunter bei der Produktionsgruppe Bavaria Film und beim Grimme-Institut. So ist Schönenborn seit 2025 Aufsichtsratsvorsitzender der Bavaria Film GmbH, an der der WDR über seine Werbetochter mit einem Drittel beteiligt ist.
Diesen Posten werde Schönenborn bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres am 31. Januar 2027 innehaben, teilte der WDR dem epd mit. Bereits 2024 übernahm Schönenborn den Aufsichtsratsvorsitz der Bavaria Fiction GmbH. Laut dem WDR bleibt Schönenborn hier weiter Aufsichtsratsmitglied, im Vorsitz sei er bis Mai gewählt. Üblicherweise wechsele dann der Vorsitz zu einem Vertreter von ZDF Studios. Die Vermarktungstochter des ZDF hält 49 Prozent an der Bavaria Fiction. 51 Prozent gehören der Bavaria Film über eine Tochterfirma.
Außerdem bleibt dem WDR zufolge Schönenborn noch bis Juli Aufsichtsratsvorsitzender des Grimme-Instituts, an dem der WDR mit zehn Prozent beteiligt ist. 2015 übernahm er diese Position. Mit Beginn der neuen Periode werde dann Dominik Mercks, stellvertretender WDR-Programmdirektor NRW, Wissen und Kultur, den Sender im Grimme-Aufsichtsrat vertreten.
Bei der Film- und Medienstiftung NRW scheide Schönenborn im Juni mit Ablauf der aktuellen Periode aus dem Aufsichtsrat aus. Bis dahin bleibe er stellvertretender Vorsitzender. Aus dem Aufsichtsrat der ARD-Filmtochter Degeto scheide er in Kürze aus, so der WDR weiter.
Da Schönenborns bisheriger Direktorenvertrag unverändert weiterläuft, bleibt für ihn auch eine Regelung zu Nebeneinkünften in Kraft. Wie der WDR auf Nachfrage erklärte, darf Schönenborn Einnahmen aus Tätigkeiten bei Tochter- und Beteiligungsgesellschaften nur bis zu einer Höhe von jährlich 6.000 Euro behalten. Darüber hinausgehende Beträge seien auch künftig an den Sender abzuführen.
vnn
Zuerst veröffentlicht 13.05.2026 09:42
Schlagworte: Medien, Personalien
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