15.05.2026 09:26
ZDF-Komödie "Merz gegen März: Geständnisse"
epd Eine Scheidung oder Trennung bedeutet noch lange nicht, dass sich damit auch die Familienbande in Luft auflösen. Geschiedene Paare bleiben, so sie Kinder haben, immer noch Eltern, sind selbst immer noch Söhne und Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, wenn auch nun mit dem Präfix Ex. Und diese Kinder und Eltern haben immer noch eigene Beziehungen und Probleme.
Auch das Ex-Ehepaar Anne und Erik Merz (Annette Frier, Christoph Maria Herbst) muss das nach seiner Scheidung, die sich in drei Serien-Staffeln von 2019 bis 2021 vollzog, zur Kenntnis nehmen: nämlich in zwei Fortsetzungen in Spielfilmlänge ("Hochzeiten" 2023, "Geheimnisse" 2024). Dass die Serie trotz gegenteiliger Ankündigung des ZDF dann doch schließlich fortgesetzt wurde, ist wohl weniger dem überwiegenden Lob der Kritiker als vielmehr der großen Zuneigung des Publikums zu verdanken: Das Erfolgstrio aus Drehbuchautor und Produzent Ralf Husmann sowie Herbst und Frier plus die großartige Besetzung von Nebenrollen, unter andere mit Carmen-Maja Antoni, Bernd Stegemann und Nikolaus Benda hatte offenbar viele begeistert.
Allerdings wurde das Familiengeflecht mit fortschreitender Spielfilm-Handlung größer, etwa durch die Hochzeit von Sohn Leon mit Soraya. Hier setzt die neue Folge "Geständnisse" an. Denn trotz erweiterter Familie stellt Erik Merz fest, dass er zwar beruflich sehr erfolgreich ist, aber privat doch sehr einsam.
Ein unverhoffter Ehrenpreis bietet Erik nicht nur die Möglichkeit, nach beruflichen Aufstiegschancen die Fühler auszustrecken, sondern auch, zur Preisverleihung um die Begleitung seiner längst neu liierten Ex-Frau und seines Sohnes zu bitten. Auch (Ex-)Schwiegervater Ludwig (Michael Wittenborn) soll mit - schließlich hatte der einstige Firmenchef damals den Erik als Ehemann seiner Tochter Anne in die Firma aufgenommen und gefördert. Allerdings lebt Ludwig inzwischen mit fortschreitender Demenz im Heim, braucht also eine Betreuung. Ehefrau Maria (Claudia Rieschel) käme in Frage, aber die hat einen Neustart mit einer Frau gewagt, traut sich jedoch nicht, dies der Familie mitzuteilen.
Doch der "kleine Familienkreis" zur Preisverleihung ufert aus, bis schließlich die gesamte Bagage im Hotel eintrudelt: der ewig unreife Leon mit seiner ungleich erwachseneren, zielstrebigen Frau Soraya (Philip Noah Schwarz und Süheyla Ünlü), die sich in einem veritablen Ehekrach befinden, Ludwig und Maria samt Marias neuer Lebensgefährtin Silvia (Alexandra von Schwerin). Auf eigene Faust sind auch noch Eriks Eltern Renate und Günter (Carmen-Maja Antoni, Bernd Stegemann) angereist, die auf ihre alten Tage ebenfalls Zoff haben, weil Günter viel lieber gegrillt hätte und Kommunikation ohnehin nicht zu seiner Stärke gehört.
Zu allem Überfluss erscheint dann auch noch Annes "neuer Anfasser" Jonas (Nikolaus Benda) auf der Bildfläche, der es an pubertärem Habitus durchaus mit Leon aufnehmen könnte. Anne und Jonas wollten eigentlich einen Kredit für eine gemeinsame Eventagentur, doch sie zweifelt immer mehr - nicht nur am Vorhaben, sondern auch an der neuen Beziehung.
Es kommt, wie es kommen muss: zu einem heillosen Chaos, das mit der verpatzten Zimmerreservierung beginnt und sich in einem grandios orchestrierten Crescendo immer weiter steigert. Weil sich alle hilfesuchend immer wieder an Erik oder Anne oder beide wenden, flüchten die beiden vor der hartnäckigen Verfolgung durch ihre streitenden, heulenden und fluchenden Verwandten in einer geradezu slapstickartigen Szene im Spa sogar in neue, anonyme Identitäten und damit in die Sauna. Und amüsieren sich dabei nicht nur großartig, sondern teilen auch die Vertrautheit jener Paare, die lange zusammen waren und trotz Trennung so etwas wie ein Paar alter Latschen sind - etwas vom Leben lädiert, aber immer noch irgendwie verbunden.
Kaum jemand hierzulande beherrscht diese komödiantische Orchestrierung so gut wie Autor und Produzent Ralf Husmann: in perfektem Tempo, mit erfrischenden Gags, bissigem Wortwitz und pointierten Dialogen, mit dem leichtfüßigen Wechsel von der komischen zur leise-melancholischen Tonlage - etwa, wenn Anne sagt: "Schon erstaunlich, wie wenig Zeit zwischen zu jung und zu alt ist."
Dass es immer wieder ein großes Vergnügen ist, Annette Frier und Christoph Maria Herbst bei ihren Kabbeleien zuzusehen, muss man nicht weiter ausführen. Aber hier glänzen eben auch die Nebenfiguren, jeder von ihnen wird Raum gegeben: Da kann sich Carmen-Maja Antoni als Renate in Federboas und Pailletten schmeißen, Maria immer zum unpassendsten Zeitpunkt ihr Outing versuchen oder der Hotelmanager am Empfang um Fassung ringen angesichts des Merzschen Mikrokosmos.
Großartig auch Johanna Gastdorf als Eventmanagerin, die ihre Truppen wie ein General barsch, mit eiserner Hand und trockenem Witz dirigiert. Dramaturgisch sind all diese Miniaturen sehr organisch eingebaut und tragen maßgeblich zum Gelingen des überaus kurzweiligen und liebenswerten Ganzen bei. Die nächste Folge, für August geplant, lässt auf die Fortsetzung des vorsichtigen zweiten Versuchs zwischen Anne und Erik hoffen, der Titel: "Neuanfänge".
infobox: "Merz gegen Merz: Geständnisse", Komödie, Regie: Felix Stienz, Buch: Ralf Husmann, Annekathrin Lang, Kamera: Brendan Uffelmann, Produktion: MadeFor Film (ZDF-Mediathek, seit 14.5.26, ZDF, 21.5.26, 20.15-22.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 15.05.2026 11:26
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Steglich
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