17.05.2026 09:10
ZDF-Krimi "Mama ist die Best(i)e"
epd Als Gloria Almeda (Adele Neuhauser) nach einer Dekade aus dem Gefängnis entlassen wird, wartet auf sie nur die Kommissarin, die die Mordermittlungen gegen sie geleitet hat. Weder Familie noch Freunde haben sie hinter Gittern je besucht. So verbittert die ehemalige Societylady Almeda nun auch wirkt, so seltsam mutet das Verhalten von Ermittlerin Regula Fritsch (Aglaia Szyszkowitsch) an. Sie hat die Akte erfolgreich ad acta legen können. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Gloria für die Ermordung ihres Ehemanns Victor (Bernhard Schir) verantwortlich war, indem sie einen Berufsmörder engagiert hatte. Einen Dilettanten zumal, der sich bei der Explosion des Pavillons, in dem sich nicht nur Victor, sondern auch seine Geliebte Désirée (Miriam Fussenegger) aufhielt, mit in die Luft sprengte.
Arbeitet die Kommissarin nun als Resozialisierungshelferin? Warum der Fahrservice, warum diese Strecke, auf der Glorias Ex-Beste-Freundin Bernadette Pfeifer (Elena Uhling) gleichzeitig ausfährt? Schon zum Auftakt der zweiteiligen Krimi- und Charaktergroteske "Mama ist die Best(i)e" setzen Uli Brée (Drehbuch, "Vorstadtweiber") und Ute Wieland (Regie) effizient aufs Zuschauer ködern. Einsteigen, anschnallen, los geht's. In den folgenden 180 Minuten wird nicht nur ein erbitterter Rachefeldzug durchgeführt, sondern es wird unsere Wahrnehmung mal beschleunigt werden und wieder abgebremst, bis zu einer Handlungsauflösung, die zahm erscheinen mag.
Auf zwei Zeitebenen, Jetztzeit und Rückblenden, geht es um die Rekonstruktion eines Tyrannenmords, samt einer mit Lust an der Destruktion erzählten Familienaufstellung. Um die zahlreichen Absonderlichkeiten der Charaktere, aus denen sich das Haus Almeda bildet, wobei Szenerien, Interaktionen und Dialoge bisweilen an die "Addam's Family" erinnern und die Dynamik an Edgar Allan Poes "Untergang des Hauses Usher". Der Zweiteiler wird uns Lektionen in Mütterlichkeit und in Selbsterkenntnis schenken, Spitzfindigkeiten moralischen Handelns und Nachhilfe in Loyalität, versehen mit einem guten Schuss schwarzen Humors.
Nicht bloß 10 Jahre Einsamkeit hat Gloria, zu Unrecht einsitzend, im Gefängnis erlebt, sondern einen Erkenntnisprozess durchlaufen. Zunächst, so enthüllen die Rückblenden, war sie im Knast ganz unten in der Hackordnung. Bis die Mitinsassinnen Henny (Lara Mandoki) und Maria (Edita Malovcic) sie lehrten, mit einer neuen Art von Fassade zu operieren: mit dem Mythos der Gattenmörderin.
Nun, vorzeitig entlassen, legt Polizistin Fritsch ihr vor den Augen der geschockten Familie eine Fußfessel an. Dies bedeutet für Gloria Rache unter erschwerten Bedingungen, meint man. Doch die gierige Sippe ist ja schon da, hat sich eingenistet. Sohn Severin (Manuel Rubey), der den Möchtegern-Schöngeist gibt, Tochter Leonie (Fanny Krausz), berüchtigte Geldverbrennerin, Severins Gattin Stella (Stefanie Stappenbeck), die hinter den Kulissen mit Leonie zusammen lebt, und Severins und Stellas Teenagertochter Gretchen (Annika Wonner), die nicht mehr spricht, was alle für normal halten.
Mehr und mehr erfahren wir von Glorias früherer Shoppingsucht, ihrer Verantwortungslosigkeit, ihrer Abwesenheit und ihrem Zeitvertreib mit Bernadette - und Bernadettes Mann Tono (Roland Koch). Diese Szenen, in denen Elena Uhlig und Adele Neuhauser zusammen dem Affen Zucker geben, sind wunderbar überkandidelte (Gesellschafts-)Porträts aus dem "Eat the Rich"-Genre.
Überhaupt spielen Uhlig und Neuhauser ein solches ganz divenmäßig herrlich, aber auch in den mehr bösartigen Tönen mit schönen Abschattierungen. Neuhauser darf sich darüber hinaus komplett wandeln - im Look, in der Attitüde, hin zu einer Art demütigen Dignität und Abscheu vor ihrem früheren Selbst.
Auch das Ensemble, ddases bisweilen mit der Karikatur etwas weit treiben muss, wie Victors Bruder Gaston (Andreas Lust), mit seinen Phobien und seiner Schamlosigkeit, ist höchst vergnüglich anzuschauen. Denn die Verbrecher sind immer die anderen, und in der Dysfunktionalität dieser Reichensippe sammeln sich insgesamt mindestens 100 Jahre Einsamkeit. Zum Schluss fasst Uli Brées Drehbuch Neuhausers Gloria an der eigenen Nase und löst alles Verstörende in perspektivisches Wohlgefallen auf. Ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten perfekt unterhaltsamen Entwicklungsgeschichte.
infobox: "Mama ist die Best(i)e", zweiteiliger Krimi, Regie: Ute Wieland, Buch: Uli Brée, Kamera: Tobias von dem Borne, Produktion: Mona Film und Tivoli Film (ZDF-Mediathek, seit 10.5.26, ZDF, 18.5.26, 20.15-21.45 Uhr und 22.15-23.45 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 17.05.2026 11:10
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Krimi, Neuhauser, hupertz, Makowski, ema
zur Startseite von epd medien