Publix-Intendantin Exner: Ressourcen-Einsatz für KI hinterfragen - epd medien

19.05.2026 09:01

Die Beschäftigung mit KI-Anwendungsmöglichkeiten bindet aktuell viel Zeit in Redaktionen. Maria Exner vom gemeinnützigen Medienhaus Publix fordert Journalistinnen und Journalisten auf, dies stärker zu hinterfragen.

Maria Exner

Frankfurt a.M./Marl (epd). Die Intendantin des gemeinnützigen Medienhauses Publix, Maria Exner, appelliert an Redaktionen, den hohen Ressourcen-Einsatz für KI-Anwendungen zu hinterfragen. Im Journalismus sei derzeit "kein Übermaß an Kräften" vorhanden, sagte die frühere Chefin des "Zeit-Magazins" in der am Dienstag veröffentlichten Folge des Medien-Podcasts "Läuft". Man müsse daher überlegen: "Warum geht jetzt so viel Power in das Experimentieren mit bestimmten KI-Tools im redaktionellen Arbeitsprozess?"

Der aktuelle Hype um Künstliche Intelligenz (KI) führe dazu, dass sich alle Medien intensiv damit befassten, sagte Exner, die mit dem Thema aktuell auch auf der Medien- und Digitalkonferenz re:publica in Berlin zu Gast ist. Das Ziel sei häufig, Arbeitsprozesse "billiger, effizienter, schneller zu machen". Jedoch müsse hinterfragt werden, ob dies "im Sinne der Gemeinwohlorientierung eigentlich ein lohnenswertes Ziel" sei.

Aufwändige Datensätze

Die Hoffnung, dass KI den Redaktionen technische Aufgaben abnehme und so mehr Raum für besseren Journalismus schaffe, sieht Exner kritisch. Journalistinnen und Journalisten müssten Datensätze mit viel Aufwand aufbereiten, damit KI überhaupt sinnvoll damit arbeiten könne. Aus dem, was die Wissenschaft bis jetzt sehe, könne nicht gefolgert werden, "dass wirklich menschliche Arbeitskraft frei würde, um zum Beispiel mehr Recherche zu machen", gab Exner zu bedenken.

Die Publix-Intendantin mahnte mehr "Förderimpulse" für eine gut funktionierende Medienlandschaft an, etwa aus der Politik. Zusätzliche Gelder könnten sicherstellen, dass die redaktionelle Arbeit trotz des notwendigen Experimentierens mit KI abgesichert bleibe. Die Suche nach der richtigen KI-Strategie müsse mit Ruhe stattfinden und dürfe nicht von der Angst getrieben sein, den Anschluss zu verpassen.

Rund 30 Organisationen

Im Publix-Gebäude in Berlin arbeiten nach Exners Worten rund 30 Organisationen. Neben Correctiv und "Reporter ohne Grenzen" gehören dazu beispielsweise auch Redakteure des Kollektivs "Investigate Europe". Das Publix-Haus wurde im Herbst 2024 eröffnet, finanziert wird das Projekt von der Schöpflin Stiftung.

Der Podcast "Läuft" ist eine Koproduktion des Fachdienstes epd medien und des Grimme-Instituts in Marl.

rid



Zuerst veröffentlicht 19.05.2026 11:01 Letzte Änderung: 19.05.2026 11:51 (Frühere Funktionsbezeichnung geändert: Maria Exner war Chefin des "Zeit-Magazins", nicht: Vize-Chefin)

Schlagworte: Medien, Journalismus, NEU

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