Medienanstalten: Smart-Speaker bedrohen die Radiobranche - epd medien

21.05.2026 11:00

Smart-Speaker setzen die Radiosender in Deutschland laut einer Studie der Medienanstalten unter Druck. Laut Medienaufsicht profitieren die Plattformen von der Nutzung, während bei den Sendern nur wenig von den Umsätzen ankommt. Bis 2030 drohten deshalb Verluste in dreistelliger Millionenhöhe.

Smart-Speaker wie der Amazon Echo Dot erfreuen sich wachsender Beliebtheit

Berlin (epd). Die zunehmende Verbreitung von Smart-Speakern gefährdet nach Einschätzung der Medienaufsicht die wirtschaftliche Basis der Radiosender in Deutschland. Die Sender könnten kaum von der Nutzung ihrer Inhalte über Smart-Speaker profitieren, da die großen Anbieter nicht nur die Auffindbarkeit, sondern auch große Teile der Wertschöpfungskette kontrollierten, erklärten die Medienanstalten am Donnerstag in Berlin unter Berufung auf eine neue Studie.

Während die Radiosender mit ihren Inhalten rund 21 Prozent zum Umsatz der Smart-Speaker-Plattformen beitrügen, flössen lediglich 3 Prozent der Umsätze an sie zurück, hieß es. "Wird die Marktdominanz der Big-Tech-Anbieter weiter ausgebaut, könnte Radioanbietern bis 2030 ein Verlust von mehreren hundert Millionen Euro drohen", warnen die Medienanstalten. Die drei größten Smart-Speaker-Plattformen sind Amazon Alexa, Google Assistant und Siri/Apple HomeKit.

Nutzungsdaten zur Verfügung stellen

"Bislang verwerten die Plattformen sämtliche Nutzungsdaten vor allem für ihre eigenen Zwecke - und entziehen den Radiosendern damit die Möglichkeit, die Reichweite ihrer Inhalte durch Werbung zu refinanzieren", erklärte die Direktorin der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), Eva-Maria Sommer. Sie forderte, dass die Plattformen den Radiosendern die erhobenen Nutzerdaten zur Verfügung stellen.

"Ob wir auch künftig regionale und in Deutschland produzierte Audioinhalte hören werden, hängt auch davon ab, dass die Hörenden überhaupt Zugang zu Radioinhalten erhalten", sagte der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und Koordinator des Fachausschusses Infrastruktur und Innovation der Medienanstalten, Wolfgang Kreißig. "Eine privilegierte Auffindbarkeit insbesondere von lokalen und regionalen Radiosendern über Sprachassistenten kann das Risiko reduzieren, dass unser vielfältiger Audiomarkt von internationalen Konzernen monopolisiert wird."

Möglichkeiten der Regulierung bereits vorhanden

Regulierungsinstrumente existierten bereits, betonen die Medienanstalten. So sichere Paragraf 84 des Medienstaatsvertrags die Auffindbarkeit auf Benutzeroberflächen. Smart-Speaker würden bislang jedoch nicht als solche eingestuft. Artikel 6 des Digital Markets Acts (DMA) adressiere zudem Selbstpräferenzierung, greife jedoch nicht, solange die EU-Kommission relevante Sprachassistenten nicht als sogenannte Core-Platform-Services beurteile.

Nach Angaben der Medienanstalten sind in rund zwölf Millionen deutschen Haushalten derzeit rund 50 Millionen Smart-Speaker in Betrieb. 83 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer hören demnach darüber Musik. 39 Prozent berichten, wegen Smart-Speakern mehr Radio zu hören.

nbl



Zuerst veröffentlicht 21.05.2026 13:00

Schlagworte: Medien, Hörfunk, Aufsicht

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