27.05.2026 10:17
Berlin (epd). Der Verein Sanktionsfrei hat beim ZDF-Fernsehrat Programmbeschwerde gegen eine Dokumentation über Bürgergeld-Empfänger eingereicht. Die Sendung "Am Puls mit Sarah Tacke - System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?" verstößt aus Sicht des Vereins "in mehreren Punkten gegen die Anforderungen an sachliche, ausgewogene und diskriminierungsfreie Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk", wie die Organisation am Mittwoch in Berlin kritisierte.
Die Programmbeschwerde wurde gemäß der ZDF-Satzung beim Fernsehrat eingereicht. Der Verein Sanktionsfrei unterstützt Bürgergeld-Empfänger bei Sanktionen.
Die am 14. Mai ausgestrahlte Dokumentation zeichne ein verzerrtes Bild von Bürgergeldbeziehenden und arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch oder sozialwissenschaftlich einzuordnen, beklagte der Verein. Dadurch entstehe der Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet und leicht möglich, obwohl offizielle Zahlen ein deutlich differenzierteres Bild zeigten. Bürgergeld können erwerbsfähige Menschen beantragen, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben und nicht über eigenes Einkommen verfügen, um ihren Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln zu bestreiten.
Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, sagte: "Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen." Stattdessen würden in der Sendung immer wieder suggestive Zuspitzungen verwendet, die Vorurteile gegenüber armutsbetroffenen Menschen verstärken könnten.
Sozialverbände, Armutsforscher, Betroffenenvertretungen oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum oder gar nicht zu Wort. Perspektiven, die die strukturellen Ursachen von Armut und Erwerbslosigkeit beleuchten, blieben weitgehend außen vor.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
ema
Zuerst veröffentlicht 27.05.2026 12:17
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Verbände, Arbeitslosigkeit
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