Digitalverband warnt vor Schaden für Demokratie durch Desinformation - epd medien

28.05.2026 09:00

Zwei Drittel der Menschen haben Probleme zu erkennen, ob Informationen, auf die sie im Internet stoßen, zuverlässig sind. Der Digitalverband Bitkom warnt davor, dass Fake News der Demokratie schaden.

Fake News begegnen vielen Menschen im Zusammenhang mit aktuellen Nachrichtenthemen

Berlin (epd). Der Digitalverband Bitkom warnt vor der Verunsicherung durch sogenannte Fake News, also falsche oder irreführende Informationen. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder sagte am Donnerstag: "Desinformationen verzerren den öffentlichen Diskurs, beschädigen unsere Demokratie und verunsichern viele Menschen zutiefst." Der Verband stellte eine Umfrage vor, nach der es vielen Menschen schwerfällt, im Internet zu erkennen, ob Informationen verlässlich sind.

In der von Bitkom in Auftrag gegebenen Umfrage hatten 63 Prozent der Befragten angegeben, es falle ihnen sehr schwer oder eher schwer, die Zuverlässigkeit von Informationen einzuschätzen. 91 Prozent sagten, sie seien schon einmal auf Fake News gestoßen, bei 36 Prozent war dies "eher selten" der Fall. Nur vier Prozent aller Befragten sagten, ihnen seien noch nie Fake News begegnet.

Desinformation zu aktuellen Themen

87 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass diejenigen, die Desinformation wissentlich verbreiten, bestraft werden sollten. Die Hälfte der Befragten hat aber schon einmal Inhalte geteilt oder weitergeleitet, obwohl sie sich nicht sicher waren, ob die Informationen stimmten. Für die Umfrage wurden zwischen dem 13. März und dem 25. April 1006 Personen ab 16 Jahren befragt. Von diesen nutzten 93 Prozent das Internet.

Die Falschinformationen begegnen den Menschen häufig im Zusammenhang mit aktuellen Nachrichtenthemen. Drei Viertel derjenigen, die schon einmal mit Fake News in Kontakt gekommen sind, nahmen falsche Informationen zu den Themen USA, US-Politik und Donald Trump wahr. Zwei Dritteln begegnete sie bei den Themen Krieg und internationale Konflikte. 40 Prozent nahmen Desinformation in Zusammenhang mit den Themen Migration und Flucht wahr.

Neue Qualität der Täuschung

Mit den mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) generierten sogenannten Deepfakes komme eine "neue Qualität der Täuschung hinzu", sagte Rohleder: "Inhalte wirken immer authentischer, obwohl sie es nicht sind." Ein "Deepfake" ist ein mithilfe von KI erstelltes oder verändertes Foto, Video oder Audio, das echt wirkt. 61 Prozent der Befragten sagten, ihnen seien schon einmal Deepfakes begegnet, nur 34 Prozent trauten sich laut Umfrage aber zu, einen Deepfake zu erkennen. 89 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Deepfakes gefährlich seien. Er selbst traue sich nicht zu, Deepfakes immer zu erkennen, räumte der Bitkom-Geschäftsführer ein.

Die sozialen Netzwerke sind laut der Umfrage für viele Internetnutzer fast nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken: 89 Prozent der befragten Internetnutzer nutzen soziale Medien, 64 Prozent gaben an, sie könnten sich "ein Leben ohne soziale Netzwerke nicht mehr vorstellen". Allerdings sagten auch 25 Prozent, sie empfänden die Nutzung als "stressig oder belastend", 60 Prozent stimmten der Aussage zu, in sozialen Netzwerken werde "zu viel gestritten".

Woher stammen Nachrichteninhalte?

Für 82 Prozent der Befragten ist das klassische Fernsehen der bevorzugte Einstieg für Nachrichten und aktuelle Information. Nur 34 Prozent der Befragten kamen über soziale Netzwerke erstmals mit Nachrichten in Berührung. Bei den unter 30-Jährigen waren es 47 Prozent. 50 Prozent sagten, ihnen sei "manchmal nicht so richtig klar", von welchen Absendern die Nachrichteninhalte stammten, die sie in sozialen Medien wahrnehmen.

Bitkom forderte, um den Schaden durch Desinformation einzudämmen, müsse die Politik Medienkompetenz durch dauerhaft finanzierte Programme in Schule, Aus- und Weiterbildung fördern. Wichtig seien auch "klare, praktikable Regeln für Plattformen und Anbieter". Eine weitere Möglichkeit sei, mehr sogenannte Trusted Flagger einzusetzen, also anerkannte Gruppierungen, die Hinweise auf illegale Inhalte geben. Solche Inhalte müssten schnell "bearbeitet" werden. Die Branche selbst sieht der Verband bei der schnellen Reaktion auf illegale und schädliche Inhalte in der Pflicht.

dir



Zuerst veröffentlicht 28.05.2026 11:00 Letzte Änderung: 28.05.2026 12:16

Schlagworte: Medien, Internet, Umfragen, Bitkom, Soziale Netzwerke, Desinformation, Roether, NEU

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