WDR will Cosmo in Hip-Hop-Welle umbauen - epd medien

01.06.2026 12:44

Der WDR will mit seinen Radiowellen mehr junge Menschen in Nordrhein-Westfalen erreichen. Dafür soll die interkulturelle Welle Cosmo in eine Hip-Hop-Welle weiterentwickelt werden. Aus 1Live Diggi soll der "stressfreie Alltagsbegleiter" 1Live Lounge werden.

Der WDR bündelt seine jungen Radiowellen unter der Marke 1Live

Köln (epd). Die interkulturelle ARD-Radiowelle Cosmo soll zum 1. April 2027 in 1Live Street umbenannt und "zu einem jungen Programm mit Fokus auf die weltweit größte und verbindende Jugendkultur Hip-Hop weiterentwickelt werden". Wie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am 29. Mai mitteilte, sollen die 20- bis 29-Jährigen Hauptzielgruppe sein.

Die muttersprachlichen Angebote von Cosmo will der WDR in einer gemeinsamen Fachredaktion mit WDRforyou zusammenführen. Grund ist eine nach Ansicht des Senders zu geringe Nutzerzahl. Neben den Angeboten von WDRforyou in Arabisch und Farsi soll es in Zukunft "ein weiterentwickeltes digitales Angebot in türkischer Sprache geben". Zurzeit bietet Cosmo Programme in den Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Russisch, Kurdisch, Polnisch, Arabisch und Bosnisch/Serbisch/Kroatisch an.

Kooperationsprojekt von WDR, RBB und Radio Bremen

Cosmo ist ein Kooperationsprojekt von WDR, RBB und Radio Bremen, die redaktionelle Gesamtverantwortung liegt beim WDR. Laut Media-Analyse (MA Audio 2026/I) erreichte Cosmo zuletzt bundesweit täglich 254.000 Hörerinnen und Hörer (Marktanteil 0,4 Prozent). In Nordrhein-Westfalen (NRW) waren es nach Angaben des WDR 195.000 Hörer (Marktanteil 1,3 Prozent).

Eine Sprecherin von Radio Bremen teilte dem epd am Montag mit, der Sender sei mit dem WDR über die Veränderungen bei Cosmo im Gespräch, "auch darüber welche Auswirkungen das auf die Zulieferungen von Radio Bremen haben wird". Konkret könne der Sender dazu aber noch nichts sagen. Aktuell liefere Radio Bremen das Radioprogramm am Samstag und Sonntag, Podcasts sowie Social-Media-Inhalte zu. Die 20 festen und freien Mitarbeitenden, die in Bremen für Cosmo arbeiteten, seien teilweise auch in anderen Redaktionen beschäftigt.

Stressfreie Alltagsbegleitung mit konstruktiven Lösungsansätzen.

Wie der WDR mitteilte, will der Sender mit der Neuaufstellung der Wellen in Zukunft "mehr junge Menschen in NRW erreichen als bisher". Wie der WDR bereits im März mitgeteilt hatte, sollen dafür die drei jungen Programme 1Live, 1Live Diggi und Cosmo mit ihren digitalen Angeboten unter dem Dach der WDR-Marke 1Live gebündelt werden.

Neben Cosmo wird auch 1Live Diggi umbenannt. Die Welle soll mit dem Namen 1Live Lounge laut WDR "der erste Radiosender Deutschlands" werden, "der in Zeiten von Multikrisen das Bedürfnis junger Erwachsener nach einer unaufgeregten Medienumgebung aufgreift und ihnen in einer digital überreizten Welt eine stressfreie Alltagsbegleitung mit konstruktiven Lösungsansätzen anbietet".

In NRW hätten mehr als 40 Prozent der unter 30-Jährigen eine internationale Biografie, erklärte Schiwa Schlei, Programmchefin von 1Live und Cosmo: "Um diese Menschen zu erreichen, stellen wir uns neu und differenziert auf." Kulturelle Vielfalt sei für das WDR-Publikum "Teil der Normalität - künftig wird diese Perspektivenvielfalt noch stärker unsere Programme prägen". Andrea Schafarczyk, WDR-Programmdirektorin für NRW, Wissen und Kultur, sagte: "Wir denken unsere jungen Programme konsequent vom Publikum her, von den Menschen unter 30 in NRW. Unser Ziel ist es, deren Lebensrealitäten zeitgemäß abzubilden."

Proteste gegen Abschaffung muttersprachlicher Redaktionen

Die Initiative Save Cosmo Radio, die vor einem Jahr im Zuge der Diskussion über die Umsetzung des Rundfunkstaatsvertrags knapp 70.000 Unterschriften für den Erhalt des interkulturellen Senders gesammelt hatte, bezeichnete die WDR-Pläne als "Mogelpackung". Sie forderte den WDR auf, "die Abschaffung muttersprachlicher Redaktionen zu stoppen - und Cosmo als das zu erhalten, was es ist: ein öffentlich-rechtliches Programm, das seinen gesetzlichen Auftrag ernst nimmt".

Für den Erhalt von Cosmo setzt sich nach Angaben der Initiative auch die frühere Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) ein. Wenn im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespart werden müsse, treffe es "als erstes die, die ohnehin zu selten vorkommen", sagte sie. Die Politikerin forderte den WDR-Rundfunkrat auf, die Entscheidung stoppen. Das Gremium muss dem Vorhaben in seiner Sitzung am 3. Juni zustimmen.

tgr



Zuerst veröffentlicht 01.06.2026 14:44

Schlagworte: Medien, Hörfunk, WDR, Radiowellen, Cosmo, 1Live, tgr

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