02.06.2026 07:42
München (epd). Die Einführung des neuen TV-Standards DVB-I in Deutschland soll im September 2026 beginnen. Das geht aus dem "DVB-I Book Germany" hervor, das der Runde Tisch DVB-I im Mai verabschiedet hat und das dem epd vorliegt. Am Runden Tisch sind Rundfunkanbieter, TV-Gerätehersteller und die Regulierung vertreten. Vorsitzender des Gremiums ist der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Thorsten Schmiege.
DVB-I (Internet) soll dazu führen, dass Streaming und klassisches Fernsehen noch stärker verschmelzen. Laut DVB-I-Book sollen Fernsehsender künftig direkt über die Senderliste des TV-Geräts ausgewählt werden können, ohne für jeden Sender eine eigene App starten zu müssen. Ein DVB-I-fähiger Fernseher wird dann Inhalte aus den Verbreitungswegen Satellit (DVB-S/S2), Kabel (DVB-C), Antenne (DVB-T2) und Internet in einer gemeinsamen Senderliste zusammenführen.
Hintergrund der Einführung ist, dass sich die TV-Nutzung zunehmend ins Internet verlagert. ARD, ZDF, RTL oder auch ProSiebenSat.1 wollten verhindern, dass ihre Programme nur noch über die Oberflächen großer Plattformen oder einzelner Apps gefunden werden, heißt es im DVB-I-Book. BLM-Präsident Schmiege erklärte laut Mitteilung vom 28. Mai: "DVB-I soll Reichweite und Auffindbarkeit von klassischen Rundfunkinhalten und linearem TV absichern - zukunftsorientiert und unabhängig von den Geschäftsinteressen einzelner Gatekeeper."
Die BLM-Tochter Bayerische Medien Technik (BMT) koordiniert das Projektbüro DVB-I in Deutschland. Ab Mitte Juni 2026 können Gerätehersteller ihre DVB-I-Geräte zertifizieren lassen. Ältere Geräte können laut DVB-I-Book meist nicht per Software-Update nachgerüstet werden, in vielen Fällen werden neue TV-Modelle erforderlich sein. Dies könnte auch für Set-Top-Boxen und Streaming-Sticks gelten. Bei PCs, Tablets oder Laptops könnten hingegen Softwarehersteller DVB-I-Clients anbieten, so dass hier keine neue Hardware erforderlich wäre.
Technisch basiert DVB-I auf internationalen DVB- und HbbTV-Standards. Das DVI-Book betont, dass DVB-I ein hybrides System und kein Ersatz für die bisherigen Empfangswege sei. Ein Sender könne mehrere Empfangswege gleichzeitig anbieten, das Gerät wähle automatisch die passende Quelle aus.
Auch Pay-TV-Angebote sind in Deutschland in der Senderliste enthalten: Werden diese angewählt, prüft das System zunächst, ob eine Berechtigung für den Dienst vorliegt. Das DVB-I-Book legt fest, dass für verschlüsselte oder zugangsbeschränkte Inhalte vor allem HbbTV und DRM-Systeme (Digital Rights Management) verwendet werden sollen.
Die Entwicklung von DVB-I in Deutschland begann mit ersten Tests im Jahr 2019. Nach erfolgreichen Pilotprojekten ab 2021 gründeten öffentlich-rechtliche und private Rundfunkveranstalter, Herstellerverbände, Landesmedienanstalten und weitere Marktteilnehmer 2024 den Runden Tisch DVB-I.
Neuseeland ist das weltweit erste Land, das eine landesweite Free-TV-Plattform auf Basis des DVB-I-Standards einführt. Der Dienst mit dem Namen "Freeview NextGen" soll im dritten Quartal 2026 starten. Für Haushalte, die sowohl eine Antenne als auch einen Breitbandanschluss nutzen, werde der Dienst Rundfunk- und IP-Signale "intelligent in einem einzigen TV-Programmführer zusammenführen und dabei automatisch doppelte Kanäle entfernen", wie es auf der internationalen DVB-I-Projektseite heißt. Zum Start sind die Gerätehersteller TLC und Hisense dabei.
rid
Zuerst veröffentlicht 02.06.2026 09:42
Schlagworte: Medien, Technik
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