Der Fragmentierung entgegenwirken - epd medien

09.06.2026 07:10

Medienwissenschaftler und der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung fordern eine lokale Kommunikationsinfrastruktur, die der Information, dem Diskurs, dem Austausch und der Vernetzung lokaler Gemeinschaften dient. In einem Anfang Juni veröffentlichten gemeinsamen Appell werden Politik und die Zivilgesellschaft aufgefordert, neue lokale Plattformen als Kommunikationsinfrastruktur zu fördern und rechtlich und organisatorisch zu verankern. Der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren beschreibt, welche Rolle solche "Local Public Open Spaces" für die lokale Kommunikation spielen können.

Ein "Local Public Open Space" als lokale Kommunikationsinfrastruktur

Bundeskanzler Friedrich Merz im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze beim Tag des Lokaljournalismus am 30. April in Salzwedel

epd Im Monat Mai waren Lokalmedien und Lokaljournalismus plötzlich ein öffentliches Thema: Am 5. Mai wurde der "Tag des Lokaljournalismus" unter Schirmherrschaft der Unesco-Kommission begangen. Zwei Tage später fand im Deutschen Bundestag eine "vereinbarte Debatte" über die Situation der lokalen Demokratie und ihrer Medien unter dem Titel "Meinungsvielfalt und Bürgerbeteiligung" statt. Mit Ausnahme der AfD betonten alle Fraktionen und die Regierung die große Bedeutung von Lokalmedien und Lokaljournalismus für die Demokratie: Lokale Medien seien in der Krise, es müsse etwas getan werden.

Wenn auch mehrheitlich Handlungsnotwendigkeit gesehen wird, so bestehen bezüglich geeigneter Maßnahmen unterschiedliche Vorstellungen. Es überwog die Meinung, man benötige Geld, um etwas gegen das "Artensterben" und den "Mediazid" (Staatsminister Weimer), zu unternehmen. Gefordert wurde, das Geld solle von den Plattformen (Digitalabgabe oder Digitalsteuer) kommen, die Europäische Union müsse diese zudem zum Schutz der Medien wirksamer regulieren. Nur die AfD sprach sich gegen Förderung aus.

Ungeklärte Kompetenzfragen

Dritte sollen also in die Pflicht genommen werden. Was der Bund selbst tun könnte, blieb im Dunkeln. Ebenso blieb unklar, wie und wer staatsfern gefördert werden kann, sollte es Geld von Dritten geben. Eine Diskussion über medienpolitische Konzepte für die lokale Kommunikation fand in der allein aus Statements bestehenden "vereinbarten Debatte" nicht statt. Ist das nun ein Symptom für eine intellektuell-programmatische Schwäche der demokratischen Parteien?

Wohl auch. Es ist aber zudem der widersprüchlichen Transformationssituation, fehlenden ordnungspolitischen Vorstellungen und rechtlichen Grundlagen wie ungeklärten Kompetenzfragen geschuldet. Eine auf die lokale Ebene, auf die Kommunen und die Öffentlichkeitsnotwendigkeiten der lokalen Demokratie ausgerichtete digitale Kommunikationspolitik existiert nicht. Der dynamische Digitalisierungsprozess aber zwingt und führt zu neuen Kommunikationsaktivitäten - bei der Kommunalverwaltung, bei Vereinen, bei Medien.

Zentrale Bedeutung der Lokalzeitungen

Das erfolgt unkoordiniert, ohne Bezug aufeinander und zieht vielfältige rechtliche Konflikte zwischen Medienhäusern und Kommunen nach sich. Wie weiter?

Über lange Zeit bestimmten allein Lokalzeitungen über das, was unter lokaler Öffentlichkeit verstanden wurde, welche Themen, Meinungen und Akteure als relevant anzusehen sind. Sie bildeten die Infrastruktur der Öffentlichkeit. Ihnen wird heute noch eine zentrale Bedeutung für die Lokalkommunikation zuerkannt, sie verfügen über ein hohes Maß an Akzeptanz und Vertrauen. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch büßten sie schleichend ihre dominante Rolle im Leser- und im Werbemarkt und ihre zentrale Position in der lokalen Öffentlichkeit ein.

Der soziale Wandel (Individualisierung, Wertewandel) hatte Folgen: Die Erwartungen veränderten sich, die Lokalzeitungen weiteten ihr Angebot zwar partiell aus, konnten aber den vielfältigen Erwartungen der unterschiedlichen Milieus immer weniger entsprechen. Die zunehmende soziale Vielfalt konnte auch deshalb nicht mehr eingefangen werden, weil das renditegetriebene Verlagsmanagement eine Konzentrationspolitik verfolgte. Die Folge: Einzeitungskreise und oligopolistische Strukturen reduzierten den publizistischen Wettbewerb, es bildeten sich größere Verbreitungsgebiete, die regionale und lokale Differenzierung nahm ab, Ausgaben wurden eingestellt. Die Qualität der publizistischen Grundversorgung im lokalen Raum nahm ab.

Neue lokale Informationsanbieter

Mit dem beginnenden sozio-technischen Wandel, für den zunächst das Internet stand, mit der Marktdurchsetzung von Suchmaschinen und Social Media, gab es für immer mehr lokale Informationsanbieter und Nutzer Alternativen. Das Informationsvolumen wuchs und wächst weiter: Unternehmen, kommunale Stellen, Verkehrsbetriebe, Parteien, Vereine etc. verfügen über Websites, setzen Social Media ein. Hyperlokale Online-Only-Anbieter kamen dazu.

Zahllose lokale Informationen sind jederzeit kostenfrei und auf Nachfrage verfügbar. Über Social Media werden Meinungen verbreitet, wird Wissen ausgetauscht, finden Debatten statt. Sie ermöglichen im lokalen Raum vielfältige Informations-, Kommunikations-, Vernetzungsmöglichkeiten. Die Verlage erkannten die grundlegenden Marktveränderungen nicht: mehr Informationsanbieter und den Wechsel zum Pull-Modus bei den Nutzern.

Wer in der lokalen Gesellschaft etwas erreichen oder über sie wissen will, ist auf Lokalmedien kaum noch angewiesen. Die gezielte begleitende wie vertiefende Informationsbereitstellung für Debatten findet auf Websites, Plattformen oder in Messenger-Diensten statt. Die Nutzer suchten, wurden aktiver. Nun bedienen sie sich mehr und mehr der KI.

Abhängigkeit der Lokalmedien von Social Media

Über Facebook-Gruppen werden Sozial- und Freizeitinteressen, über Plattformen wie "nebenan.de" Tauschplätze vor Ort organisiert. Für die Lösung von Alltagsproblemen, für ein offenes Wort oder die Organisation von Interessen bedient man sich sozialer Netzwerke. Das ist einfach, macht Spaß, man wird im lokalen Raum sichtbar, kann Selbstwirksamkeit erlangen. Sozial und kulturell haben nun Plattformen im lokalen Raum die Nase vorn, allenfalls für politische Themen weiß man um die Bedeutung der Lokalmedien. Doch welches Bild von Politik liefert der Lokaljournalismus?

Lokalmedien und lokaler Journalismus erfuhren Kritik, auch in Social Media. Je größer die Plattformen wurden, desto deutlicher wurde die Abhängigkeit der Lokalmedien von Social Media: Sie sind für die Distribution ihrer Inhalte auf Plattformen angewiesen, lassen dort Journalisten agieren. Sie lagern aus an immer mehr Plattformen. Inhaltlich haben sie an eigenständiger Sichtbarkeit und vor allem an Agenda-Setting-Kraft für Themen und an Deutungshoheit eingebüßt.

Jüngere nutzen digitale Kanäle

Die Verluste im Werbe- und Publikumsmarkt sind erheblich, die Verluste an Aufmerksamkeit und Reichweite nicht zu stoppen, weil immer weitere lokale Anbieter und Angebote verfügbar sind. Das kann durch eigene digitale Angebote, die zudem zu einer Marktausweitung führen, kaum ausgeglichen werden. Mit digitalen Push-Angeboten müssen die Lokalmedien versuchen, ihr (älteres) Stammpublikum zu halten. Zugleich gilt es, junge Zielgruppen mittels (neuer) Pull-Angebote zu erschließen. Mehr als nur ein Spagat.

Lokalmedien zehren noch vom Image ihrer Relevanz für lokale Themen. Immerhin: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt lokaljournalistische Angebote täglich, mehr als vier Fünftel immerhin noch wöchentlich. Doch die unter 50-Jährigen erhalten ihre lokalen Informationen überwiegend indirekt, über digitale Kanäle. Die fragmentierte Anbieter- und Nutzungsstruktur wird zur zentralen Herausforderung für den Lokaljournalismus. Die zunehmende Vielfalt kann zudem immer weniger beobachtet und für die unterschiedlichen Zielgruppen stimmig reduziert werden.

Viele Akteure im lokalen Raum

Unternehmen, alle kollektiven und korporativen Akteure des lokalen Raums, von den Vereinen bis zu sozialen Gruppen, können mittels eigener Angebote ihre Klientel direkt, ungefiltert erreichen, Öffentlichkeit herstellen. Und sie tun dies im wachsenden Maß. Die Medienunternehmen schelten dafür nur die Kommunen als Konkurrenz, übersehen aber die vielen anderen Akteure. Die aber sind viel wichtiger: Dort geht es um Service, Vereinsleben, Veranstaltungen, große wie kleine Ereignisse, Bilder von Anlässen, um Alltag und Menschen. Auch kleine lokale Räume oder soziale Gruppen werden so sichtbar.

Engagieren sich Regional- und Lokalmedienhäuser zu wenig in den lokalen Räumen? Als mittelständische Unternehmen agierten sie zunächst verhalten auf den sozialen Wandel. Und auf den mit der Digitalisierung einsetzenden soziotechnischen Veränderungszwang reagierten sie nicht mit technischen Innovationen, sondern mittels Angebotsdifferenzierung: gedruckte Zeitung, E-Paper, Apps, Newsletter, Podcasts, Web- und Online-Angebote. Sie setzen auf eine inhaltliche Produktstrategie, näherten sich dabei aber den überlokalen Medien an. Nun machen sie sich mit vielen Produkten selbst Konkurrenz. Und zur Verbreitung und Vermarktung dieser Produkte geraten sie immer tiefer in die Abhängigkeit von Plattformen, von deren Geschäftsmodellen (Finanzierung) und Bereitstellungslogiken (Algorithmen).

Warum zahlen?

Da Lokalmedien sich mangels eigener Infrastrukturen diverser Plattformen zur Ausspielung bedienen müssen, müssen sie verstärkt in Zulieferarbeiten investieren. Sie selbst haben zur Fragmentierung des Lokalmarkts beigetragen, an Profil eingebüßt. Ihre Leistung wird sowohl für individuelle Nutzerinnen als auch professionelle Marktakteure immer weniger beobachtbar und zurechenbar (Media Planung). Ihnen droht unter diesen infrastrukturellen Marktbedingungen die ökonomische und kulturelle Marginalisierung.

Die von allen Medienhäusern verfolgte Strategie hat Folgen: Es reicht Nutzern aus, die vielen aktuellen Angebote vor der Paywall irgendwo zu nutzen, um sich ein Bild über die Nachrichtenlage zu machen. Warum abonnieren oder zahlen? Viele Inhalte sind zudem ähnlich (more of the same), Aktualisierungen können nicht nachvollzogen werden, der Eindruck eines Überangebots kommt auf, News Avoidance wird zum Problem.

Vielfältige Konkurrenz

Unter diesen Bedingungen stehen insbesondere Lokalangebote vor der Herausforderung, ob und wie sie eigenständig verkauft werden können. Zwar besteht für Lokalthemen grundsätzlich ein großes Interesse, doch ändert sich das, wenn es um konkrete Themenbereiche geht. Die aktuelle lokale Nachrichtenlage ist bekanntlich eher wenig dynamisch: Wer ist für lokalpolitische Themen dauerhaft zu gewinnen? Für soziale, kulturelle oder ökonomische Themen interessieren sich bestimmte Gruppen vor allem dann, wenn diese für die persönliche Lebensgestaltung relevant sind. In diesen Segmenten aber gibt es vielfältige Konkurrenz durch spezialisierte Anbieter.

Bindung, Abonnement und Zahlungsbereitschaft für lokaljournalistische Angebote wird zur zentralen publizistischen Herausforderung für den Lokaljournalismus - und das betrifft die soziale Gemeinschaft und die lokale Demokratie.

Der Bedeutungsverlust der Lokalmedien und der Markterfolg rein kommerziell orientierter Plattformen haben Folgen für das Selbstverstehen und das Selbstverständnis lokaler Gemeinschaften, die Stabilität und Resilienz lokaler Gesellschaften als soziale Handlungsgemeinschaften und für die Verfasstheit der lokalen politische Ebene für die demokratische Gesellschaft.

Direkter politischer Austausch

Die lokale Ebene ist eine eigenständige politische Ebene im föderalen demokratischen Staat. Ihr kommt für den Einbezug der Gesellschaftsmitglieder in die Gesellschaft und ihre demokratische Teilhabe und Teilnahme eine besondere Bedeutung zu: Hier werden politische Entscheidungen erfahrbar, hier findet ein direkter politischer Austausch statt, hier erfolgt die Sozialisation in die Gesellschaft. Viele politische Maßnahmen müssen lokal umgesetzt werden, erfordern Wissen und Mitwirkung der Menschen vor Ort: Integration, Klimawandel, Umweltschutz. Das kann nur auf der Basis von gemeinschaftlichen Vorstellungen, einem gemeinsam getragenen common ground, geschehen, und der setzt gleiche und gleich zugängliche Informations- und Wissensbestände voraus.

Dazu tragen nun unter digitalen Bedingungen diverse Akteure bei, nicht mehr allein der Journalismus. Ihm aber kommt für die Gestaltung der gemeinsamen Agenda, für die Bewertung und kritische Analyse von geplanten wie realisierten Projekten und Maßnahmen eine wichtige intermediäre Rolle als unabhängige, als eine macht- und entscheidungskritische Instanz zu. Diese Leistung gilt es zu erhalten. Sie wird neu aber nur wirksam im größeren Konzert der vielen eigenständig kommunizierenden Akteure im lokalen Raum. Wissen bereitstellen, Zusammenhänge aufzeigen, Debatten anstoßen, Dialoge initiieren, Prozesse begleiten oder Moderationen übernehmen sind neue Aufgaben für den Journalismus. Er muss sich verändern.

Gemeinsame öffentlich zugängliche Plattform

Viele Akteure kommunizieren, stellen Teilöffentlichkeiten her. Es ist notwendig, diese Vielfalt auf einer lokalen und von allen Akteuren gemeinsam geteilten, öffentlich zugänglichen Plattform bereitzustellen: Angebote aus der Zivilgesellschaft, von Vereinen oder Parteien, sozialen, kirchlichen wie karitativen Organisationen, der Kommune - und des Lokaljournalismus. Für alle Angebote sollten allgemeine Gemeinschaftsstandards gelten, aber sonst können die Anbieter ihre jeweiligen Zielsetzungen verfolgen.

Der Local Open Public Space als ein dezidiert lokales, lebensweltnahes Angebot, das sich durch die lokale Orientierung und soziale Einbettung von anderen Plattformen unterscheidet. Der Local Open Public Space als ein Content-Hub für verschiedene Kanäle und Anbieter, zugleich als ein offener Ort, auf dem in strukturierter Weise lokale Angebote gebündelt, sichtbar und leicht zugänglich präsentiert werden. Bündelung, Auf- und Wiederfindbarkeit, Navigierbarkeit und Vernetzung als Aufgaben. Eine Plattform, die nicht in Konkurrenz zu kommerziellen Konkurrenten steht. Mittels der Plattform soll der Fragmentierung der lokalen Öffentlichkeit entgegengewirkt werden.

Seriöses lokales Angebot

Gesellschafts- und demokratiepolitisch ist bedeutsam, dass bei einer schwächer werdenden journalistischen Vermittlungsleistung nicht automatisch eine digitale Ersatzöffentlichkeit entsteht, sondern es zirkulieren nebeneinander zahlreiche Ströme von Informationen und Meinungen in Messenger-Gruppen, auf Vereinskanälen, in Facebook-Gruppen oder in Instagram-Profilen. Das erhöht die Vielfalt, zugleich aber nimmt die Beobachtbarkeit ebenso ab wie der wechselseitige Bezug aufeinander. Zufällige Beobachtungen unter Viel-Kanal-Bedingungen lassen den Eindruck von überkomplexen, undurchschaubaren Verhältnissen ebenso entstehen wie die Annahme, dass Prozesse beliebiger oder konflikthafter sind als gedacht. Das verändert die politische Kultur, beeinflusst Verhalten.

Durch die Bündelung und Bereitstellung auf dem Local Open Public Space steigen die Beobachtungs- und Wahrnehmungschancen für alle Akteure, können die Mitglieder der Gesellschaft besser erreicht und neue Formen des Einbezugs und der Anschluss- und Folgekommunikation etabliert werden. Es geht um ein zuverlässiges, seriöses lokales Angebot, das durch Bündelung, Moderation, Einbezugs- und Beteiligungsformate und durch die Verknüpfung von realen Vorgängen und Events mit Aktivitäten auf der digitalen Plattform zur lokalen Gemeinschaftsbildung beiträgt.

Neue Aufgaben für Lokaljournalismus

Die Plattform macht lokaljournalistische Angebote allgemein bekannt und dürfte zur Steigerung der Reichweite beitragen. Sie dient dem Lokaljournalismus, weil dieser seine Leistungen in einem bekannten, vertrauenswürdigen und von persönlichen Austauschmöglichkeiten geprägten Umfeld anbietet. Über Berichterstattung, Analyse und Kommentierung hinaus kann er hier neue Aufgaben für die lokale Lebenswelt übernehmen: bei der Vernetzung von Angeboten auf der Plattform, der Moderation in Diskussionsprozessen, durch die Erstellung von fachlichen Dossiers oder wissensbasierten Beiträgen.

Unter digitalen Öffentlichkeitsbedingungen bedarf es aus funktionalen wie normativen Gründen einer integral konzipierten lokalen Kommunikationsinfrastruktur als Maßnahme der Daseinsvorsorge, die zudem der Förderung der Digitalkompetenzen für Organisation und Menschen in der (lokalen) Lebenswelt und der Ermöglichung sozialer Innovationen sowie der Weiterentwicklung der lokalen Demokratie dienen kann.

Förderung der Infrastruktur

Blickt man auf die Debatte um Medien- und Journalismusförderung, so wird deutlich, dass hier nicht ohne weiteres rechtlich tragfähige Förderansätze - sieht man einmal von temporär wirkenden Erhaltungssubventionen ab - gefunden werden können. Die Bereitstellung öffentlicher Mittel für eine technische Infrastruktur für alle Anbieter als Ausgangspunkt für soziale Innovationen aber ist möglich. Mit dem soeben von der Europäischen Union vorgelegten Programm "AgoraEU -programme for culture, media and civil society" wird die Plattformförderung ermöglicht. Erste deutsche Bundesländer sind aktiv.

Der lokalen Ebene kommt eine große Bedeutung für die Revitalisierung der Demokratie zu, hier können auch neue (digitale) Kommunikations- wie Beteiligungsformen etabliert werden. Für die lokale Ebene machen Erhaltungssubventionen für die Lokalmedien keinen Sinn, weil sich die kommunikativen Bedingungen bereits grundlegend gewandelt haben und unter dem Einfluss Künstlicher Intelligenz weiter verändern werden.

Der Local Public Open Space kann als Ansatzpunkt für die Neuverhandlung von Aufgaben der intermediären Akteure gesehen werden: die Plattform als Maßnahme zur Stärkung der lokalen Ebene, zur Stärkung der sozialen Gemeinschaft und kommunalen Demokratie und damit auch des Lokaljournalismus. Das sollte und kann, wie auch immer finanziert, rasch geschehen. Es gilt, die mit der Entwicklung der Digitalisierung verbundenen Risiken von Fragmentierung, Personalisierung und Ökonomisierung des lokalen Raums durch eigene digitale Infrastrukturen zu minimieren.

Otfried Jarren Copyright: Foto: Frank Bruederli Darstellung: Autorenbox Text: Otfried Jarren ist emeritierter Professor für Kommunikationswissenschaft der Universität Zürich und Honorarprofessor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Er ist an der Initiative für einen "Local Public Open Space" beteiligt.



Zuerst veröffentlicht 09.06.2026 09:10 Letzte Änderung: 09.06.2026 12:19

Otfried Jarren

Schlagworte: Medien, Journalismus, Lokaljournalismus, Internet, Plattformen, Jarren, NEU

zur Startseite von epd medien