16.06.2026 13:49
Straßburg, Brüssel (epd). Die Europäische Union (EU) will sogenannte Nudifier-Apps und andere Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) zum Erstellen sexualisierter Deepfakes künftig verbieten. 423 Abgeordnete des Europäischen Parlaments stimmten am Dienstag in Straßburg für entsprechende Änderungen am europäischen KI-Gesetz (AI Act), 57 stimmten dagegen und 174 enthielten sich. Verboten werden auch Systeme, die Material zu sexuellem Kindesmissbrauch generieren.
Hintergrund der neuen Regeln sind unter anderem Vorfälle um den KI-Chatbot Grok der Plattform X. Nutzer hatten die Software verwendet, um Frauen auf Fotos digital zu entkleiden. Die Debatte über sexualisierte digitale Gewalt bekam zuletzt auch in Deutschland neue Aufmerksamkeit. Die Schauspielerin Collien Fernandes wehrte sich gegen Deepfake-Videos von sich mit pornografischen Inhalten und machte die Bedrohung durch digitale Gewalt an ihrem eigenen Beispiel öffentlich.
Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss es noch vom Rat verabschiedet werden. Dies gilt als Formsache. Unternehmen haben laut EU-Parlament bis zum 2. Dezember Zeit, ihre Systeme anzupassen.
Auch die deutsche Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) plant ein Gesetz gegen digitale Gewalt in Deutschland. Nach einem im April vorgelegten Entwurf soll die unbefugte Herstellung und Veröffentlichung von Bildern, die die Intimsphäre verletzen, verboten werden. Frauen, die von der Veröffentlichung demütigender Bilder oder Videos betroffen sind, sollen demnach mehr Möglichkeiten bekommen, zivilrechtlich gegen Plattformbetreiber vorzugehen, bei denen solche Aufnahmen veröffentlicht werden. Das Gesetz soll neben pornografischen Deepfakes auch das heimliche Filmen oder Fotografieren intimer Körperstellen an öffentlichen Orten unter Strafe stellen.
mab
Zuerst veröffentlicht 16.06.2026 15:49
Schlagworte: Medien, EU, Internet, Kriminalität
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