18.06.2026 10:07
Nachrichtenhaus der "Tagesschau" auf dem Gelände des NDR in Hamburg Copyright: epd-bild/Stephan Wallocha
Hamburg (epd). Die Gewerkschaft ver.di hat ihren Arbeitskampf innerhalb der ARD ausgeweitet. Seit Donnerstag finden Streiks auch beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) und beim Bayerischen Rundfunk statt, wie ver.di Hamburg mitteilte. Der Warnstreik im NDR habe in der Nacht begonnen und solle am Freitag um 1.30 Uhr enden. Im "ARD-Morgenmagazin" sei eine "Tagesschau"-Ausgabe als "Havarie-Version ohne Sprecherin im Bild" gesendet worden. Bereits seit Mittwoch gebe es Streiks beim Westdeutschen Rundfunk und beim Südwestrundfunk.
Die "Tagesschau" wird von der beim NDR angesiedelten Redaktion ARD-aktuell produziert. Der nächste Tarifverhandlungstermin für den NDR ist laut ver.di Hamburg für den 26. Juni angesetzt.
Die Gewerkschaft fordert nach eigenen Angaben für die Beschäftigten im NDR unter anderem eine Erhöhung von Honoraren und Gehältern um sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Geschäftsleitung des NDR habe zuletzt eine Laufzeit von 35 Monaten vorgeschlagen mit jährlichen Steigerungen der Gehälter und Honorare von durchschnittlich 1,8 Prozent, teilte ver.di Hamburg mit.
NDR-Verwaltungsdirektorin Ulrike Deike sagte dem epd: "Mit der unveränderten Forderung nach einer siebenprozentigen Steigerung von Gehalt und Honoraren für nur zwölf Monate verlässt die streikende Gewerkschaft den Boden der wirtschaftlichen Vernunft." Hinzu kämen "noch weitere Forderungen, die für den NDR einfach nicht finanzierbar und umsetzbar sind".
Der NDR teilte mit, der Sender habe sein Angebot am 11. Juni erhöht und eine Steigerung in Höhe von insgesamt 5,32 Prozent bei 35 Monaten Laufzeit angeboten, das seien etwa zwei Prozent pro Jahr. Vor dem Hintergrund sehr schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen für den NDR sei das Angebot solide finanziert, erklärte Deike. NDR-Justitiar Michael Kühn wies auf die Verpflichtung des NDR hin, mit dem Geld der Beitragszahlenden verantwortungsbewusst umzugehen.
Der NDR versucht nach eigenen Angaben, die Auswirkungen des Warnstreiks auf seine Programme so gering wie möglich zu halten. Über Änderungen im Sendeablauf informiere der Sender in seinen Programmen, auf ndr.de und im Videotext.
Beim WDR war es bereits am 8. Juni wegen eines 24 Stunden dauernden Warnstreiks zu Programmausfällen gekommen. Nach Angaben des WDR gab es Ausfälle bei den Radiowellen 1Live, Cosmo, WDR2, WDR4 und WDR5. Nach Angaben von ver.di bleiben die Angebote für Tariferhöhungen überall in der ARD deutlich unter den Tarifabschlüssen für den öffentlichen Dienst. Im WDR werden die Gespräche zu den Tarifverhandlungen am 1. Juli fortgesetzt.
lnh/dir
Zuerst veröffentlicht 18.06.2026 12:07 Letzte Änderung: 18.06.2026 14:14
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Streiks, NDR, BR, NEU
zur Startseite von epd medien