Regisseurin Strietmann: "KI verändert die Spielregeln" - epd medien

19.06.2026 08:14

Künstliche Intelligenz (KI) verändert derzeit die Fernsehproduktion. Die Regisseurin Pia Strietmann findet KI sinnvoll, wenn es darum geht, Arbeitsabläufe effizienter zu machen. Doch die eigentliche Herausforderung sei, "etwas Eigenes zu erzählen".

Frankfurt a.M. (epd). Die Regisseurin Pia Strietmann (48) sieht in Künstlicher Intelligenz ein nützliches Hilfsmittel für visuelle Effekte oder um Arbeitsabläufe effizienter zu machen. Dennoch steht sie dem unbedachten Einsatz von KI in der Fernsehproduktion auch skeptisch gegenüber: "Die eigentliche Herausforderung bleibt, etwas Eigenes zu sagen", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Wer noch nicht weiß, was er erzählen möchte, bekommt von KI zwar sehr viele Antworten - aber nicht unbedingt Hilfe bei der Suche nach der eigenen Frage."

"KI verändert gerade die Spielregeln", sagte Strietmann. Die KI könne ein "nützlicher Gesprächspartner" sein, um Feedback zu geben. Aber sie mache sich manchmal Sorgen um junge Regisseurinnen und Regisseure: "Es wäre schade, wenn ausgerechnet der Umweg, auf dem man seine eigene Stimme findet, plötzlich übersprungen würde." Die interessante Frage sei für sie nicht, was KI kann, sondern welche menschlichen Fähigkeiten dadurch plötzlich besonders wertvoll würden: "Vielleicht wird uns diese Entwicklung vor allem daran erinnern, worin der eigentliche Wert von Kunst liegt: In einer menschlichen Perspektive auf die Welt."

"Ich wollte herausfinden, was ich erzählen kann"

Strietmann, die im vergangenen Jahr für die Regie der Serie "Herrhausen - Der Herr des Geldes" den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis und den Bayerischen Fernsehpreis erhielt, führte gemeinsam mit Otto Bathurst Regie bei der internationalen Koproduktion "Prisoner - Auf der Flucht", die seit Freitag in der ARD-Mediathek steht.

Sie habe Lust gehabt, das Genre "Action-Thriller" einmal auszuprobieren, sagte Strietmann dem epd. Und es habe sie gereizt, international zu arbeiten. Nach ihrem Abschluss an der Hochschule für Film und Fernsehen in München habe sie viele unterschiedliche Genres ausprobiert: "Ich wollte erst mal herausfinden, was ich alles erzählen kann, bevor andere entscheiden, was ich erzählen soll."

Die Regisseurin, die 2011 für ihren Debütfilm "Tage, die bleiben", beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit dem NDR Filmpreis für den Nachwuchs ausgezeichnet wurde, machte 2020 durch den "Tatort: Unklare Lage" aus München auf sich aufmerksam. Sie finde es in Polizeigeschichten spannend, "wenn die Ermittler Fehler machen und Situationen falsch einschätzen", sagte sie. Es sei ihr in dem "Tatort" darum gegangen, "Polizeiarbeit anders zu erzählen, als sie uns seit Jahrzehnten in Deutschland erzählt wird".

Meldung aus dem epd-Basisdienst



Zuerst veröffentlicht 19.06.2026 10:14

epd-Gespräch: Diemut Roether

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Serien, INT

zur Startseite von epd medien