19.06.2026 10:18
Mainz (epd). ZDF-Intendant Norbert Himmler hat Vorwürfe zurückgewiesen, die US-Regierung könne über Sanktionslisten Einfluss auf die Berichterstattung des Senders nehmen. In der Fernsehratssitzung in Mainz bestätigte er am Freitag zugleich, dass sich die Sendeanstalt bei ihren wirtschaftlichen Aktivitäten auch vor amerikanischen Sekundärsanktionen schützen müsse. "Der freie und unabhängige Journalismus des ZDF ist davon nicht betroffen", versicherte er.
Himmler kündigte an, dass die in die Kritik geratenen Mitwirkendenverträge des ZDF möglicherweise überarbeitet werden: "Wir sind dabei, diese Klauseln noch einmal zu überprüfen." Dabei gehe es darum, ob "ein abgestufter Umgang mit dem Sanktionsregime" möglich sei. Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass Mitwirkende an ZDF-Sendungen, etwa Talkshow-Gäste oder Experten, sich verpflichten müssen, ihrerseits nicht mit Personen zusammenzuarbeiten, die auf internationalen Sanktions- oder Terrorlisten aufgeführt sind.
Dabei werde namentlich auch die Liste der US-Finanzaufsichtsbehörde OFAC erwähnt, schrieb die Zeitung. Der darin erfasste Personenkreis unterscheidet sich teilweise von jenen auf UN- oder EU-Sanktionslisten. So sanktionieren die US-Behörden beispielsweise eine Reihe von Richtern und Anklägern des Internationalen Strafgerichtshofs, die wegen Straftaten im Gaza-Krieg gegen Israel aktiv geworden waren. Eine am 17. Juni gestartete Online-Petition der Organisation Campact unter dem Titel "Entscheidet Trump mit, wer im ZDF reden darf?" wurde bereits mehr als 300.000 Mal gezeichnet.
Zu der vom US-Unternehmer Elon Musk durchgesetzten Unterlassungserklärung wegen der Berichterstattung über fremdenfeindliche Krawalle in Belfast erklärte Himmler, die Anmoderation des ZDF-Berichts sei "nicht angemessen" gewesen. In der Sendung "ZDF Heute Live" am 12. Juni hatte eine ZDF-Moderatorin in ihrer Anmoderation gesagt: "Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten: Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk." Der Intendant erklärte, auch Zuschauerinnen und Zuschauer hätten Anspruch auf sprachliche Präzision.
Musk hatte auf seiner Internetplattform X nach einem Messerangriff durch einen Flüchtling aus dem Sudan in Nordirland auf einen Beitrag des als rechtsextrem geltenden Aktivisten Tommy Robinson reagiert. Dieser hatte zu Protesten nach dem Messerangriff aufgerufen. Musk schrieb dazu am 9. Juni: "Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern." Nach dem Messerangriff kam es zu gewalttätigen Krawallen und rassistischen Ausschreitungen.
Der Unternehmer sah sich durch die Moderation diffamiert und forderte das ZDF auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Das tat der Sender am 12. Juni. Die entsprechende Passage wurde aus der im Internet abrufbaren Sendung entfernt.
lmw
Zuerst veröffentlicht 19.06.2026 12:18 Letzte Änderung: 19.06.2026 13:08
Schlagworte: Medien, Fernsehen, USA, NEU
zur Startseite von epd medien