Medienforscher: Mehr Berichte aus dem globalen Süden nötig - epd medien

23.06.2026 09:27

Dass die Medien so wenig über Menschen in ärmeren Ländern berichten, sei "fatal", sagt der Frankfurter Medienforscher Ladislaus Ludescher. Er fordert, Medienhäuser sollten die Angebote von Reporter-Netzwerken besser nutzen.

Landau (epd). Der Frankfurter Medienforscher Ladislaus Ludescher hat beklagt, dass es zu wenig Berichterstattung über Länder des globalen Südens gebe. Die Folgen der medialen "Nichtbeachtung" seien für viele Menschen "fatal", sagte der Mitinitiator des Netzwerkes "Der Globale Süden in den Medien" am Dienstag bei den Südwestdeutschen Medientagen in Landau. Thema der Tagung war der Umgang der Medien mit Gewalt.

Viele Menschen in ärmeren Ländern hätten das Gefühl, ihre Konflikte spielten keine Rolle, sagte Ludescher. Sie litten, weil oft Hilfe ausbleibe. Medien in Deutschland legten ihren Fokus auf den reichen globalen Norden, weshalb viele Probleme untergingen. Dies erzeuge bei den Betroffenen ein Misstrauen gegenüber "dem Westen, der seine Glaubwürdigkeit verkauft", sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Frankfurter Goethe-Universität.

Erfolgsberichte aus ärmeren Ländern wichtig

Medienhäuser müssten kein zusätzliches Geld ausgeben, um ihren Anteil an der Berichterstattung über den globalen Süden von derzeit zehn auf 30 Prozent zu erhöhen, machte Ludescher deutlich. Sie könnten Netzwerke von Reportern nutzen, die aus diesen Weltregionen berichten.

In den deutschen Medien überwögen negative Berichte über den globalen Süden, etwa über Kriege, Krisen und Katastrophen, sagte Ludescher. Dies führe letztlich zu einem Desinteresse bei den Mediennutzern, die sich fragten: "Warum soll ich mich denn engagieren, wenn es nicht hilft?" Deshalb seien auch "Erfolgsberichte" wichtig, die ärmere Länder aus einem positiven Blickwinkel betrachteten.

Medienkonsum nur eine Ursache für Gewalttätigkeit

Die Düsseldorfer Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Astrid Zipfel mahnte einen differenzierten Blick auf die Wirkungen von Gewaltdarstellungen in den Medien an. Medienkonsum sei "weder komplett harmlos, noch eine zentrale Ursache von Gewalt in der Gesellschaft", sagte Zipfel, die über den Zusammenhang von Medien und Gewalt forscht.

Studien zeigten, dass der Einfluss von Medien nur eine von vielen Ursachen für das Aggressionsverhalten sei. Unklar sei, wie stark sich etwa Computerspiele oder Social Media auf die Gewalttätigkeit der Nutzer auswirkten. "Mediengewalt ist ein kleiner Faktor, der unter bestimmten Bedingungen eine Rolle spielen kann", sagte Zipfel. Wichtig sei ein kritischer Umgang der Gesellschaft mit dem Medienkonsum vor allem junger Menschen.

Veranstalter der Medientage war die Evangelische Akademie der Pfalz in Kooperation unter anderem mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, der Evangelischen Akademie Frankfurt, dem Journalistischen Seminar der Universität Mainz sowie dem Medienreferat der pfälzischen Landeskirche.

lmw



Zuerst veröffentlicht 23.06.2026 11:27 Letzte Änderung: 23.06.2026 15:48

Schlagworte: Medien, Gesellschaft, Kongresse, NEU

zur Startseite von epd medien