Jugendschützer fordert Tempo beim Schutz von Kindern im Netz - epd medien

27.06.2026 03:55

Die Empfehlungen der Expertenkommission reichen von Social-Media-Beschränkungen bis zu Verboten im Schulalltag. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz dringt auf schnelle Schritte.

Bonn (epd). Der Direktor der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ), Sebastian Gutknecht, spricht sich für eine zügige Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen im Netz aus. "Wir müssen schnell in die Umsetzung kommen", sagte der Jurist mit Blick auf die in dieser Woche vorgestellten Empfehlungen der von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzten Expertenkommission dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nicht für jeden der 56 Vorschläge sei ein Gesetzgebungsverfahren notwendig, sagte Gutknecht, der dem Gremium selbst angehörte.

"Es ist gut, wenn auf die für die Plattformregulierung zuständige EU-Ebene nochmal aktiv zugegangen wird, um in der Debatte über Altersgrenzen für Social Media eine schnelle Einigung herbeizuführen und deren Überwachung sicherzustellen", sagte Gutknecht.

Begleitung durch Schulsozialarbeit

Für Schulen dringt Gutknecht auch auf eine enge Begleitung durch die Schulsozialarbeit. Hierfür seien nicht zwingend mehr Mittel nötig. "Helfen würde auch eine andere Schwerpunktsetzung, weg von Einzelprojekten, hin zu einer dauerhaften Daseinsvorsorge in diesem Bereich", so der BzKJ-Direktor.

Gutknecht appellierte auch an die Verantwortung der Erwachsenen. "Wir müssen uns bei dem Thema ehrlich machen", sagte er. Als Vorbilder seien Erwachsene dazu aufgerufen, selbst dem "Reiz der riskanten Nutzung" zu widerstehen. "Damit meine ich nicht, dass wir in einem digitalen Bullerbü leben müssen. Gefragt ist ein verantwortungsvoller, reflektierter Umgang mit dem Thema", erläuterte der BzKJ-Direktor. "Dazu gehört auch die Frage, wie wir in digitalen Diskussionen füreinander einstehen und jungen Menschen Orientierung und Vorbild geben."

"KI-Seepferdchen" für Grundschüler

Familienministerin Prien hatte die aus 18 Personen bestehende Expertenkommission im vergangenen Herbst eingesetzt. Zum Umgang mit Social-Media-Plattformen macht das Gremium zwei Vorschläge. Als Alternative zu einer gesetzlichen Altersgrenze von 13 Jahren bringt es die Beschränkung konkreter Accounts, Dienste oder einzelner Funktionen für bestimmte Altersgruppen ins Spiel, "sofern von ihnen besondere Wirkungs- oder Nutzungsrisiken ausgehen". Beides müsste nach Auffassung der Kommission im europäischen Digital Services Act (DSA) geregelt werden.

Zu den weiteren Vorschlägen der Kommission gehören unter anderem eine Altersgrenze von 13 Jahren für sogenannte KI-Chatbots, ein "KI-Seepferdchen" für Grundschüler und ein Verbot privater Handynutzung bis zur siebten Jahrgangsstufe im Unterricht und in den Pausen. Insgesamt enthält der Abschlussbericht Empfehlungen, die sich an Gesetzgeber und Verwaltung, Eltern, Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen und die Plattformen selbst richten.

nbl



Zuerst veröffentlicht 27.06.2026 05:55 Letzte Änderung: 27.06.2026 17:16

Schlagworte: Medien, Internet, Kinder, INT, NEU

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