Fernseh-Moderatorin Böttinger: Frauen hatten die Klappe zu halten - epd medien

07.07.2026 03:40

Frauen sollten sich im Fernsehen früher im Hintergrund halten. Auch, wenn auf ihre Kosten Witze gemacht wurden. Der Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" setzt sich mit der Rolle der Frau im deutschen Unterhaltungsfernsehen auseinander - zu Wort kommt unter anderem Bettina Böttinger.

Die langjährige WDR-Moderatorin Bettina Böttinger

Köln (epd). Für Frauen gab es nach Ansicht der früheren WDR-Moderatorin Bettina Böttinger in den 90er Jahren im Fernsehen wenig zu lachen. Frauen seien eher "passive Teilnehmerinnen des Witzekosmos" gewesen, sagte Böttinger dem epd. Moderatoren wie einst Hans-Joachim Kulenkampff und später Thomas Gottschalk hätten im doppelten Sinn Macht gehabt: "Sie waren nicht nur Männer, sie hatten in ihren Shows auch das Zepter in der Hand. Sie hatten das Sagen und waren diejenigen, die den weiblichen Mitwirkenden das Wort erteilten."

Die Journalistin kommt neben Maren Kroymann und anderen in dem vom ZDF koproduzierten Dokumentarfilm "Was haben wir gelacht" zu Wort. Der Film, der am 16. Juli in den Kinos startet, setzt sich mit der Rolle der Frau im deutschen Unterhaltungsfernsehen auseinander. "Die Frau hatte sich brav im Hintergrund und am besten die Klappe zu halten", sagte Böttinger. Das Fernsehen habe die geltenden Standards übernommen und in gesteigerter Form gespiegelt.

"Unglaublicher Tabubruch"

Eine Schlüsselszene des Dokumentarfilms ist eine Szene aus der "Harald Schmidt Show" bei Sat.1 von 1995: Schmidt hielt in dieser Show Fotos einer Ausgabe der Zeitschrift "Emma", einer Klobrille und von Bettina Böttinger in die Höhe und fragte, was diese Dinge gemeinsam hätten. Seine Antwort: "Die würde kein Mann freiwillig anfassen."

Das sei ein "unglaublicher Tabubruch" gewesen, sagte die heute 70-jährige Böttinger dem epd: "Anscheinend wollte Schmidt der Fernsehunterhaltung eine neue Dimension erschließen. Das ist ihm allerdings ziemlich um die Ohren geflogen. Der Vorfall hatte einen Paukenschlag in der gesamten Medienbranche zur Folge. Es gab keine Zeitung und keine Zeitschrift, die nicht darüber berichtet hat."

Große Anerkennung

Böttinger sagte, sie habe die Regel der Zurückhaltung gebrochen, als sie wenige Wochen nach dem Vorfall in der "Harald Schmidt Show" selbst Gast der Sendung war. Es sei ihr damals wichtig gewesen, sich öffentlich zur Wehr zu setzen: "Natürlich war ich zutiefst verletzt, aber vor allem war ich wütend. Schmidt wollte mich gleichzeitig outen und lächerlich machen. Er dachte, er könnte einen besonderen Coup landen, indem er offenbart, dass ich lesbisch bin. Daraus habe ich aber nie ein Geheimnis gemacht."

Sie habe Schmidt ihre Meinung gesagt und sei gegangen. Anschließend habe sie große Anerkennung erlebt: "Im Normalfall hätte eine Frau, der so etwas widerfahren ist, erst mal brav gewartet, bis Gras über die Sache gewachsen ist."

tpg



Zuerst veröffentlicht 07.07.2026 05:40

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Frauen, INT

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