Journalistenzentrum Herne meldet vorläufige Insolvenz an - epd medien

10.07.2026 08:37

Erneut steht eine Aus- und Weiterbildungsinstitution für Medienschaffende vor dem Aus: Das Journalistenzentrum Herne ist zahlungsunfähig.

Herne (epd). Das Journalistenzentrum Herne ist vorläufig insolvent. Einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Bochum bestätigte am 3. Juli auf epd-Nachfrage Katrin Kroemer, die Vorstandsvorsitzende des gemeinnützigen Trägervereins Neue Gesellschaft für publizistische Bildungsarbeit. In dem Verein arbeiten eigenen Angaben zufolge Journalistinnen mit Wissenschaftlerinnen und Branchenexperten zusammen.

"Mir sind rechtlich enge Grenzen gesetzt, was Auskünfte an die Presse betrifft", erklärte Kroemer, die im Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) als Schatzmeisterin tätig ist. Für weitere Informationen sei der Insolvenzverwalter zuständig. Als Hauptgrund für die wirtschaftlichen Probleme nannte sie das veränderte Buchungsverhalten der Verleger, trotz durchweg positiver Bewertungen der Teilnehmer und guter Referenzen. Von einem Boykott wollte sie aber nicht sprechen.

Grenzen des Machbaren

Der ehrenamtliche Vorstand habe alles versucht, sei aber an die Grenzen des Machbaren gestoßen. "Es ist sehr bedauerlich, dass das Zentrum unter diesen Bedingungen nicht zu retten war", sagte Kroemer. Derzeit beschäftigt das Zentrum noch eine festangestellte Mitarbeiterin, die Insolvenzgeld bezieht. Die Einrichtung hatte zum Jahresbeginn 2020 den Betrieb aufgenommen, doch bereits kurz danach traf die Corona-Pandemie das Haus schwer.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Hassan Ben Djemia aus Herdecke erklärte auf epd-Anfrage am 7. Juli, er habe "den Ausführungen von Frau Kroemer nichts hinzuzufügen". Konkrete Fragen zum Lehrbetrieb und zu möglichen Zukunftsperspektiven ließ er unbeantwortet.

Begleitung durch Beirat und Kuratorium

Die Arbeit des Journalistenzentrums Herne wurde von einem Beirat und einem Kuratorium begleitet. Die Einrichtung bot Volontärskurse, Weiterbildungen und Inhouse-Seminare für Journalismus, PR und Öffentlichkeitsarbeit an und verstand sich als "unabhängige Medien-Akademie im Ruhrgebiet". Bis zu 50 Dozentinnen und Dozenten waren in die Aus- und Weiterbildung eingebunden.

Die Leitung des Zentrums lag zuletzt bei Yasmin Schulten-Jaspers. Sie führte das Zentrum gemeinsam mit Martin Liebig auf freiberuflicher Basis. Das Journalistenzentrum war im Shamrockpark in Herne untergebracht, auf dem Gelände der ehemaligen RAG-Zentrale. Der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda arbeitete im Beirat mit.

fbi



Zuerst veröffentlicht 10.07.2026 10:37

Schlagworte: Medien

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