Wer stellt sich diese Fragen? - epd medien

15.07.2026 08:09

Wie bringt man jungen Menschen Nachrichten nahe? Viele Medien suchen derzeit nach Antworten auf diese Frage und probieren unterschiedliche Formate aus. Im April hat Arte das Format "Warum?" gestartet und wirbt so dafür: "Wir liefern dir die Fakten, damit du in der Schule, in Diskussionen oder online glänzt. Wir erklären alles - in unter fünf Minuten."

Das neue Arte-Format "Warum?"

Das neue Arte-Nachrichtenformat "Warum?" wird unter anderem von Stefanie Hintzmann (links) und Dorothée Haffner (rechts) präsentiert

epd Eine "tägliche Dosis Wissen", die fünfmal in der Woche in rund fünf Minuten "eine wichtige Frage zum Weltgeschehen" beantwortet. So verkauft Arte das Format "Warum?" in einem Trailer. Jede Folge ist ein kleiner Erklärfilm mit aktuellem Bezug, randvoll mit klar eingeordneten Informationen in animierten Grafiken, O-Tönen und Fernsehbildern. In fünf Minuten nicht zu oberflächlich zu bleiben, aber auch nicht so sehr in die Tiefe zu gehen, dass man aussteigt, ist immer eine Gratwanderung. Aber den meisten Filmen dieses neuen Arte-Formats gelingt sie.

Die Hosts Dorothée Haffner, Stefanie Hintzmann und Lucia Bramert sitzen abwechselnd in einem Set, das an ein Büro angelehnt ist, und sprechen direkt in die Kamera, wie man es aus Youtube-Essay-Formaten kennt. Mehr als private "Creator" und "Newsfluencer" stehen die Journalistinnen von "Warum?" allerdings vor dem Spagat, gleichzeitig journalistisch abgeklärt und menschlich nahbar zu wirken.

Echt kein leichtes Thema.

Das ist nicht immer einfach, zumal sie dabei auch noch sehr viele Fakten vermitteln müssen, aber es gelingt meistens. Manchmal, wenn zum Beispiel nach fünf Minuten Druckbetankung über Pädokriminelle noch ein "Echt kein leichtes Thema heute" hinterhergeschoben wird, wirkt das Format zwar etwas ratlos, aber es ist richtig, im Zweifelsfall lieber kühler und journalistischer zu bleiben, statt sein Publikum zu sehr anzukumpeln.

"Warum?" entstand bei Arte in Straßburg, läuft seit Mitte April und existiert parallel auch auf französisch ("Pourquoi?" verspricht "une analyse ultra-claire et sans bla-bla"). Wer diesen Hintergrund nicht kennt und auf die Themen der Beiträge schaut, den dürfte der starke Frankreich-Bezug in dem deutschsprachigen Format wundern. So werden zu manchen Fragen französische Experten interviewt und dann synchronisiert, für die es sicher auch deutschsprachige Stimmen gegeben hätte. Und immer wieder werden frankreich-spezifische Themen aufgegriffen, zu denen es wenig deutschen Bezug gibt, etwa: "Wieso hat Frankreich noch rassistische Gesetze?" oder "Wieso wollen Städte in Frankreich keine Fast-Food-Läden mehr?" Aber das ist eben Arte. Und immerhin: Das deutsche Thema Wehrpflicht kommt auch vor.

Kein eigener Kanal

"Warum?" kennt also sein Medium und vermittelt kompetent Wissen. Eine schlechte Entscheidung war es aber, es als Format zu positionieren, das Fragen beantwortet. Fragen, die "uns und vielleicht auch euch beschäftigen", wie die Moderatorinnen immer wieder sagen. Das Wörtchen "vielleicht" ist dabei entscheidend, denn die meisten Fragen, die in den Titeln der Videos auftauchen, wirken eher, als wären sie dem von der Redaktion recherchierten Thema im Nachhinein übergestülpt worden.

Das fängt schon bei der ersten Folge an: Was der Kampf der Indigenen Brasiliens mit uns zu tun hat, haben sich vermutlich erst sehr wenige Menschen aus eigener Motivation heraus gefragt. Das Gleiche gilt bei Fragen wie "Warum eröffnen französische Museen Filialen im Ausland?" - vor allem für eine junge, deutsche Zielgruppe. "Warum?" hat keinen eigenen Kanal, sondern ist Teil des Youtube-Angebots "Arte Info". Es lässt sich also nicht direkt abonnieren und muss sich folglich immer wieder neu in der Aufmerksamkeitsökonomie behaupten. Das heißt: Das Format muss über Suchen gefunden werden oder anders auf sich aufmerksam machen.

Das Spiel der Plattformen

Für journalistische Formate ist das hart. Einige entscheiden sich daher dafür, das Spiel der Plattformen mitzuspielen und ihre Titel und Thumbnails maximal zuzuspitzen, wie etwa beim Funk-Format "Atlas". "Warum?" hat sich mit seiner Fragen-Rahmung und seiner thematischen Mission, über den Tellerrand zu blicken, anders entschieden. Dafür wird es bestraft. Viele "Warum?"-Videos haben auf Youtube nur drei- bis vierstellige Abrufzahlen. Selbst wenn man die Zahlen für die französische Version verdoppelt, bei einigen Videos auf einen "Long Tail" setzt und noch einen Bonus aus der Arte-Mediathek draufrechnet, wo das Format ebenfalls zu sehen ist, dürften die Macherinnen damit nicht zufrieden sein.

Doch es gibt in dieser Statistik durchaus Ausreißer. Die Folge zur Frage "Warum ist die WM für Fans so teuer?" hatte bis Ende Juni bei Youtube mehr als 300.000 Abrufe, "Warum ist es in diesem Jahr schon so früh so heiß?" mehr als 21.000. Der Redaktion sollte das zu denken geben. Es gibt Fragen, die Leute sich tatsächlich stellen. Auch zur aktuellen Nachrichtenlage.

infobox: "Warum?", Online-Videoformat mit Lucia Bramert, Dorothée Haffner und Stefanie Hintzmann, Regie: Elio Acar, Louise Lavergne (Arte.tv, seit 13.4.26 jeweils Montag bis Freitag und auf dem Youtube-Kanal ArteInfoDE)



Zuerst veröffentlicht 15.07.2026 10:09

Alexander Matzkeit

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Internet, Kritik.(Fernsehen), KArte, Bramert, Haffner, Hinzmann, Nachrichten, Matzkeit

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