16.07.2026 08:05
ZDF-Komödie "Die Abräumer"
epd Vor fünfzig Jahren prägte Herbert Achternbusch mit seinem Film "Die Atlantikschwimmer" ein Zitat, das seither regelmäßig Verwendung findet, wenn im Sport David und Goliath aufeinandertreffen: "Du hast keine Chance, aber nutze sie!" So gibt es auch entsprechend viele Filme über Teams, deren Abschneiden mindestens überraschend, wenn nicht gar sensationell ist. Meist werden diese Erfolgsgeschichten als Komödie erzählt, zum Beispiel in dem Film "Cool Runnings" (1993) über eine Bobmannschaft aus Jamaika, die sich "against all odds", wie es im Englischen heißt, für die Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary qualifizierte.
Ein Film dieser Art schwebte wohl auch dem Regisseur Torsten Wacker vor. Die Handlung ist überschaubar, hat jedoch Potenzial: Seit Jahrzehnten betreiben Karo (Bettina Lamprecht) und ihre dauernörgelige Mutter Gabi (Hedi Kriegeskotte) in Wuppertal ein eher schlecht als recht besuchtes Bowling-Center. Als das Haus den Besitzer wechselt, steht "Wupper-Bowling" vor dem Aus: Herr Wong (Thomas Chaanhing), ein berüchtigter Immobilien-Hai, will das Gebäude abreißen. Die beiden Frauen haben zwar ein Vorkaufsrecht, aber nicht genug Eigenkapital, um einen Kredit aufzunehmen.
Karos einziger Angestellter, Djamal (Mido Kotaini), wüsste einen Ausweg: In einigen Wochen findet ein mit 100.000 Euro dotiertes Turnier statt. Dummerweise gibt es drei Probleme: Karo, eine begnadete Bowlerin, hat seit einem Trauma als Teenager keinen Ball mehr geworfen, ihr Team ist eifrig bemüht, aber wenig begabt und die talentierte Shu (Jing Xiang) ist Wongs Tochter und soll das Projekt von innen sabotieren.
Etwas Tiefgang gibt es auch im Buch von Volkan Isbert, Helena Lucas und Julia Alina Kessel: Die beiden Töchter entpuppen sich allen Unterschieden zum Trotz als Schwestern im Geiste, weil sie bereits ihr ganzes Leben lang an den Erwartungen der Eltern scheitern. Vermutlich macht die verwitwete Gabi ihre Tochter auch für den Tod des Vaters verantwortlich. Kalle ist einst nach dem Scheitern von Karos hoffnungsvoller Karriere, in die ihre Eltern eine Menge Geld investiert hatten, einem Herzinfarkt erlegen.
Damit birgt die Geschichte jenen tragischen Handlungskern, der allen großen Komödien innewohnt. Großen Spaß machen kleine Verbeugungen wie die vor Joel und Ethan Coens Bowling-Klassiker "The Big Lebowski": Eines der Teams beim "Big Battle Bowl" nennt sich "Die Dudes", die Mitglieder tragen den gleichen Bademantel wie Jeff Bridges. Kurz vor dem Finale hält Filmfreund Djamal eine flammende Motivationsrede, die er sich aus "Bravehart" mit Mel Gibson als schottischem Freiheitskämpfer geborgt hat. Natürlich darf auch die Titelhymne aus "Rocky" nicht fehlen, die Verbeugung vor einem sportlichen Underdog schlechthin.
Zwar funktionieren nicht alle Gags und einige Dialoge klingen allzu bemüht originell, aber dass das ZDF "Die Abräumer" nicht donnerstags um 20.15 Uhr im Zweiten, sondern an einem Mittwoch um 21.45 Uhr in ZDFneo zeigt, hat möglicherweise andere Gründe als die vom Sender genannten "programmstrategischen Entscheidungen": Angeblich passt der Stoff "als Hybrid aus Drama und Komödie" nicht auf den Komödien-Sendeplatz. Das klingt aber eher wie ein Vorwand. Tatsächlich könnte die Abschiebung in den Spartenkanal qualitative Gründe haben.
Die größte Schwäche des Films sind die beiden Hauptdarstellerinnen, deren Rollen eher Karikaturen als komplexe Figuren sind; Kettenraucherin Gabi hört selbst im Schlaf nicht auf zu meckern. Außerdem liefern sich Hedi Kriegeskotte und Bettina Lamprecht einen auf Dauer nervigen Verkniffenheitswettbewerb. Unnötig dick trägt auch der sonst gern als friesisches Original besetzte Uke Bosse in den Rückblenden als Karos Vater auf. Immerhin muss Hans-Joachim Heist hier, anders als Gernot Hassknecht in der "Heute-Show", nicht schreien. Sehenswert ist wie stets Tristan Seith als weiteres Mannschaftsmitglied Axel, der das Turnier, bei dem Karo und Konsorten schließlich gegen ein von Wong finanziertes All-Star-Team antreten müssen, als Klassenkampf betrachtet.
Die Bildgestaltung von Timo Schwarz ist dank der Bowlingszenen recht dynamisch, die um viele Oldies ergänzte Musik von Vera Marie Weber ist ebenfalls flott. Trotzdem hätte dem Film in Anlehnung an ein Bowling-Lehrvideo von Kalle ("Das Ding mit dem Swing") deutlich mehr Schwung gutgetan.
infobox: "Die Abräumer", Komödie, Regie: Torsten Wacker, Buch: Volkan Isbert, Helena Lucas, Julia Alina Kessel, Kamera: Timo Schwarz, Produktion: Network Movie (ZDF-Mediathek, seit 13.7.26, ZDFneo, 26.8.26, 21.45-23.15 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 16.07.2026 10:05
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Komödie, Wacker, Lucas, Isbert, Kessel, Gangloff
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