17.07.2026 09:11
Frankfurt a.M. (epd). Der vom ZDF kurzfristig gestoppte Auftritt des Musikers Danger Dan in der Sendung "Die Anstalt" löst eine Debatte über die Grenzen von Kunst- und Meinungsfreiheit aus. Danger Dan sagte dem "Spiegel", es sei ein "furchtbares Zeichen", dass ZDF-Intendant Norbert Himmler "anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren". Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Mika Beuster sieht den Song, den Danger Dan gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit in der Sendung vortragen wollte, als von der Kunstfreiheit gedeckt.
Für die 100. Ausgabe von "Die Anstalt" war Danger Dan mit seinem Lied "Keine Angst" eingeladen, das sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus befasst. "Der Text des Liedes kann allerdings als Aufruf zu Gewalt verstanden werden", erklärte das ZDF. Ein solcher Aufruf stehe im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Daher sei der Auftritt abgesagt worden.
In dem Song wird dazu aufgerufen, sich im Widerstand gegen Rechtsextremismus zusammenzuschließen und zu organisieren. "Ruf' erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust", lautet eine Textzeile. "Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang", heißt es zudem. Oder: "Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n." Der Text schließt mit Grüßen "an Lina, Gucci, Maja und Nanuk" und nimmt damit offenbar Bezug auf militante Aktivisten aus dem linksextremen Spektrum, die mit gewaltsamen Angriffen auf Rechtsextremisten in Verbindung gebracht werden.
Danger Dan bestritt, in dem Lied zur Gewalt aufzurufen. "Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal", sagte er dem "Spiegel" in dem am Freitag online veröffentlichten Interview. In einem Post im Netzwerk Instagram schreiben Danger Dan und Igor Levit: "Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös." Eine offizielle schriftliche Begründung für ihre Ausladung hätten sie zunächst nicht erhalten, "aber natürlich hat dieses Auftrittsverbot einen politischen Hintergrund".
Der DJV-Vorsitzende Beuster erklärte im Netzwerk LinkedIn: "Man muss den Song und den Inhalt nicht gut finden." Aber er sei von der Kunstfreiheit gedeckt. "Wer die AfD ins Programm ein- und Igor Levit und Danger Dan auslädt, der hat wohl Angst. Oder ein Problem mit seinem Kompass", urteilte Beuster.
Danger Dan schilderte auf Instagram, "Die Anstalt" habe sich bis zuletzt sehr ins Zeug gelegt, den Auftritt möglich zu machen. "Sie haben sogar ihr ganzes Programm umgeschrieben, um das Lied in die Sendung einzubetten, und wollten die Sendung dann 'Antifanstalt' nennen." Die Intendanz habe dann ganz kurz vor knapp, "als wir mit unserem Team, Igor Levit und sechs weiteren Musikern schon in München angekommen waren, ihr Veto eingelegt".
kfr/fu
Zuerst veröffentlicht 17.07.2026 09:10 Letzte Änderung: 17.07.2026 11:11
Schlagworte: Medien, Fernsehen, NEU
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