Untersuchung: ARD und ZDF berichten weniger über Klimakrise - epd medien

17.07.2026 08:05

Trotz jüngster Rekordtemperaturen kommt die Klimakrise in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern seltener vor als noch 2023. Das geht aus einer Untersuchung der Initiative "Klima vor acht" hervor.

Logo der Initiative "Klima vor acht"

Berlin (epd). Die Berichterstattung über den Klimawandel in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern hat laut einer Studie deutlich abgenommen. Der Anteil der Sendeminuten, in denen es um das Thema Klima geht, sei im ersten Halbjahr 2026 auf unter ein Prozent gefallen, heißt es in der am 9. Juli veröffentlichten Untersuchung der Initiative "Klima vor acht". Im Ersten lag der Anteil demnach bei 0,95 Prozent des Gesamtprogramms, im ZDF bei 0,82 Prozent. Das seien die niedrigsten Werte seit Beginn der kontinuierlichen Messungen Mitte 2021.

Im Vergleich zu 2023 habe sich die Berichterstattung zum Klima damit mehr als halbiert. Damals habe der Anteil der Klima-Sendeminuten im Ersten bei 2,2 und im ZDF bei 1,95 Prozent gelegen. Der Rückgang trifft das Halbjahr, in dem laut der Initiative die Klimakrise mit zwei Rekord-Hitzewellen im Mai und Juni "so unmittelbar spürbar war wie selten zuvor".

Hitzewelle ohne Auswirkungen auf Klima-Berichterstattung

Auch während der Hitzewellen im Frühsommer hat die Klimaberichterstattung demnach nicht zugenommen. In der Juni-Woche, in der Hitzerekorde verzeichnet wurden, sei die Summe der Klimaberichterstattung im Ersten sogar auf einen Tiefpunkt von nur 52 Klima-Minuten gefallen.

Die Initiative kritisierte, dass die 20-Uhr-"Tagesschau" den Zusammenhang zwischen Hitze und Klimakrise erst am 24. Juni benannt habe, also sechs Tage nach Beginn der Warnperiode des Deutschen Wetterdiensts. Das ZDF habe früher eingeordnet, sei aber nicht konsequent geblieben.

Politische Konflikte erhalten Aufmerksamkeit

Alle großen Ausschläge des Halbjahres gehen laut der Studie auf Berichterstattung über den politischen Betrieb zurück: Der Report nennt unter anderem den Koalitionsstreit um das Heizungsgesetz im Februar, den Kabinettsbeschluss zum Klimaschutzprogramm im März und den Petersberger Klimadialog im April.

Für die Analyse wurde den Angaben zufolge das Programm von Das Erste und ZDF mitgeschnitten und automatisiert ausgewertet. Erfasst wurde die Nennung des Begriffs "Klima" als einzelnes Wort oder in zusammengesetzten Wörtern. Begriffe wie "Investitionsklima", die nicht mit der Erderwärmung zusammenhängen, wurden herausgefiltert.

Der gemeinnützige Verein "Klima vor acht" setzt sich für eine umfangreichere Berichterstattung der deutschen Medien über die Klimakrise ein und misst seit 2021 durchgehend das Programm des Erstne und des ZDF. Der Verein finanziert sich nach eigenen Angaben ausschließlich durch Spenden.

fu



Zuerst veröffentlicht 17.07.2026 10:05 Letzte Änderung: 17.07.2026 10:29

Schlagworte: Medien, NEU

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