Bürgermedien fordern weitere Förderung von NRWision durch LfM - epd medien

22.07.2026 09:15

Die Bürgermedienplattform NRWision steht vor einer ungewissen Zukunft. Die nordrhein-westfälische Landesanstalt für Medien stellt Ende 2026 die finanzielle Förderung ein. Das sorgt für Kritik.

NRWision bietet Bürger und Bürgerinnen seit 17 Jahren eine Medien-Plattform, um gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen

Düsseldorf (epd). Das angekündigte Ende der finanziellen Förderung der Bürgermedienplattform NRWision durch die nordrhein-westfälische Landesanstalt für Medien stößt auf Kritik. Es handele sich um "einen kultur- und demokratiepolitischen Fehler von erheblicher Tragweite", schreibt der Landesverband Bürgermedien NRW (LVBM) in einem offenen Brief vom 8. Juli. Nordrhein-Westfalen schaffe damit als erstes Bundesland eine klassische, redaktionell betreute Bürgermedienplattform vollständig ab.

Nach mehr als 17 Jahren droht der Bürgermedienplattform NRWision das Aus: Die nordrhein-westfälische Landesanstalt für Medien (LfM) stellt ihre Förderung zum Jahresende ein. NRWision wurde 2009 ins Leben gerufen - damals noch als "TV-Lernsender.NRW". Seit 2017 strahlt das am Institut für Journalistik der Technischen Universität Dortmund angesiedelte Projekt nicht nur im Fernsehen und online Videobeiträge aus, sondern veröffentlicht auch Audiobeiträge in der gleichnamigen Mediathek. Projektleiter ist Michael Steinbrecher, Professor für Fernseh- und Crossmedialen Journalismus und unter anderem ehemaliger Moderator des "ZDF-Sportstudios".

Begleitet von professioneller Redaktion

Im Jahr 2025 zählte die Plattform mit rund 46.000 Beiträgen in der Mediathek so viele Seitenaufrufe wie noch nie. Damit sei sie "eine der erfolgreichsten Bürgermedienplattformen Deutschlands", teilte die TU Dortmund im April mit. "Das Ziel von NRWision ist es, Bürgerinnen und Bürgern einen sicheren Raum zu geben, um sich medial auszuprobieren - frei von Hassrede und begleitet von einer professionellen Redaktion. Dies ist in den aktuellen Zeiten besonders wichtig", sagte Chefredakteurin Leonie Krzistetzko. Auch deshalb sucht das Medienprojekt nach Perspektiven über 2026 hinaus.

Die Landesanstalt für Medien nennt für das Ende der Förderung auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen sehe das Landesmediengesetz keine institutionelle Dauerförderung einzelner Angebote vor. NRWision sei bereits über 17 Jahre beim Aufbau und der Entwicklung begleitet worden. Zudem hätten sich die Nutzungsgewohnheiten und Verbreitungswege für Medieninhalte deutlich verändert. "Die Reichweite von NRWision beschränkt sich zunehmend auf einen Kreis bereits besonders Interessierter", sagte ein LfM-Sprecher. Zu diesem Ergebnis komme auch eine externe Evaluation aus dem Jahr 2025.

LfM bekräftigt Förderung von Partizipation

Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, wie Angebote zur medialen Partizipation künftig mehr Menschen erreichen können. "Die Förderung von Vielfalt und Partizipation bleibt unverändert Teil des gesetzlichen Auftrags der Landesanstalt für Medien NRW", sagte der Sprecher. Über die konkrete Ausgestaltung künftiger Förderansätze sei noch nicht entschieden.

Die Verwaltung der LfM habe der Medienkommission der Landesmedienanstalt am 12. Juni bereits ein Konzept und den Entwicklungsstand zur medialen Vielfaltssicherung vorgestellt, das einen Youtube-Kanal und perspektivisch eine europäische Plattform vorsehe, heißt es in dem offenen Brief. Damit verlagere sich die Bürgermedienarbeit in NRW strukturell in die Abhängigkeit einzelner, nicht in Europa ansässiger Technologiekonzerne. "Ausgerechnet eine Regulierungsbehörde, die für die Begrenzung der Macht globaler Tech-Konzerne zuständig ist, treibt die regionalen Bürgermedien damit in die vollständige Abhängigkeit genau dieser US-Intermediäre und gibt die digitale Souveränität des Medienlandes NRW leichtfertig auf."

Youtube für den LVBM keine Alternative

Der Landesverband Bürgermedien NRW (LVBM) erklärte, der Wegfall treffe vor allem Schulen und Bildungseinrichtungen, die aus guten Gründen nicht auf privatwirtschaftlichen Intermediären veröffentlichen wollen oder dürfen. Sie würden mit NRWision ihre einzige Plattform verlieren, denn ein Ausweichen auf Youtube, Instagram oder vergleichbare Angebote sei für diese Einrichtungen häufig keine Option.

Gerade in Zeiten von Desinformation, wachsender gesellschaftlicher Spaltung und sinkendem Vertrauen in etablierte Medien brauche man mehr Räume wie Bürgermedien für unabhängigen Austausch. "Wir fordern Sie nachdrücklich auf, die Entscheidung, NRWision nur noch bis Ende 2026 zu fördern, zurückzunehmen und sich aktiv für eine Fortsetzung der Förderung von NRWision einzusetzen", erklärte der LVBM in dem offenen Brief an die Medienkommission der LfM, ihren Vorsitzenden Werner Schwaderlapp sowie an LfM-Direktor Tobias Schmid.

Projektleiter Steinbrecher von der TU Dortmund erklärte, man sei trotz der Einstellung der Förderung zutiefst davon überzeugt, dass NRWision der geschützten Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern diene. "Wir werden deshalb Gespräche mit anderen möglichen Kooperationspartnern führen, um Wege zu finden, dieses Projekt in möglichst vielen Facetten fortzusetzen", kündigte er an.

koe



Zuerst veröffentlicht 22.07.2026 11:15

Schlagworte: Medien, NRW, Landesanstalt, NRWision

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