23.07.2026 04:15
Bremen (epd). Die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema), Cornelia Holsten, zweifelt an der Wirksamkeit von Social-Media-Verboten für Jugendliche. Der Wunsch, Kinder vor problematischen Inhalten auf Plattformen wie TikTok und Instagram zu schützen, sei zwar absolut nachvollziehbar, sagte die Medienaufseherin dem Evangelischen Pressedienst (epd) mit Blick auf das in Frankreich beschlossene Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige. Ein solches Verbot sei jedoch nicht das "lang ersehnte Allheilmittel".
Frankreich hatte am Dienstag als erstes EU-Land ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren beschlossen. Es folgte damit dem Vorbild Australiens.
Holsten betonte: "Süchtig machende Algorithmen, ungesunde Körperbilder, Deep Fakes oder Cybergrooming haben im Kinderzimmer nichts zu suchen." Zugleich verwies sie darauf, dass Youtube und WhatsApp vom französischen Verbot ausgenommen seien. Es sei daher zu vermuten, dass Kinder die Inhalte, die sie bislang auf Instagram gesehen hätten, künftig auf WhatsApp-Kanälen anschauten: "Egal, ob diese Inhalte kindertauglich sind oder nicht".
Entscheidend sei, dass die Plattformen selbst mehr Verantwortung übernähmen, sagte Holsten. Auch wenn Anbieter die Nutzung oft erst ab 13 Jahren erlaubten, überwachten sie diese Altersgrenze bisher nicht. "Genau da sollte die Regulierung ansetzen." Plattformen dürften ihre Altersgrenzen nicht nur in ihren "ewig langen Nutzungsbedingungen" verstecken: "Sie müssen sie ernsthaft durchsetzen". Ihr Fazit: "Nicht die Eltern müssen ein Altersverifikationssystem erfinden, sondern TikTok und Co."
Technische Möglichkeiten zur Alterskontrolle gebe es grundsätzlich bereits. Die Kommission für Jugendmedienschutz habe in den vergangenen Jahren mehr als 100 solcher Systeme anerkannt. Streaming-Dienste, Mediatheken und Spielekonsolen nutzten sie schon. Bis es entsprechende Systeme für Smartphones gebe, bleibe Eltern nur, selbst die Einstellungen zum Jugendschutz zu aktivieren.
Ein Social-Media-Verbot allein könne Probleme wie Cybermobbing, Cybergrooming und die Beeinflussung junger Menschen nicht lösen. "Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen", sagte Holsten. "Und es braucht mehr als ein Gesetz, um Internet-Probleme aus der Welt zu schaffen."
Aufklärung bleibe der effektivste Schutz. Die Medienkompetenz müsse bei Kindern ebenso wie bei Eltern, Lehrkräften und anderen Erwachsenen gefördert werden. "Wir brauchen ein gutes Zusammenspiel aus Aufklärung, Medienbildung und konsequentem Jugendschutz", unterstrich Holsten. Dabei gelte: "Das Recht ist immer nur so gut wie seine Durchsetzung."
Frankreich müsse sich bei der Rechtsdurchsetzung noch beweisen, sagte die Medienaufseherin. Zudem sei fraglich, ob das Europarecht einen Alleingang eines Mitgliedstaates zulasse. Die EU-Kommission habe sich bereits im Vorfeld kritisch zum französischen Gesetzentwurf geäußert.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
Zuerst veröffentlicht 23.07.2026 06:15
Schlagworte: Medien, Internet, Jugend, INT
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