"Süddeutsche Zeitung" definiert Leitlinien für KI-Einsatz - epd medien

23.07.2026 11:07

SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer wirbt für einen offenen, aber begrenzten Umgang mit KI im Journalismus. Sie dürfe kein Ersatz für kreative Arbeit oder für Bild- und Videoproduktion sein. Die letzte Verantwortung bleibe bei der Redaktion.

SZ-Chefredakteurin Judith Wittwer (Archivbild)

München (epd). In der Diskussion über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus plädiert die Chefredakteurin der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), Judith Wittwer, für einen maßvollen Umgang. "Die Maschine darf die Autorinnen und Autoren im kreativen Schreibprozess nicht ersetzen", schreibt Wittwer im "Transparenz-Blog" der Zeitung. Auch Bilder oder Videos dürften grundsätzlich nicht mit KI erstellt oder verändert werden. Sie könne aber "ein Sparringspartner bei Recherchen oder eine Hilfe zur Meinungsbildung" sein.

"Die KI verändert nicht nur unser Leben, sie revolutioniert auch den Journalismus", schreibt die Chefredakteurin. Die SZ habe mit diesen Technologien seit Jahren Erfahrung. "Ihre Redaktion begegnet dem digitalen Wandel mit Initiative und Zuversicht." Ohne KI und Algorithmen hätte sie die riesigen Datenmengen für die Panama Papers nicht verarbeiten können. "KI hat die SZ schneller - und besser gemacht."

Letzte Verantwortung bei der Redaktion

Die Redaktion wolle die KI in Zukunft noch stärker einsetzen, etwa für das Auswerten umfangreicher Datensätze und Dokumente für investigative Recherchen. Interviews sollen zudem nicht mehr zeitaufwendig abgehört und abgetippt werden. "Wir lassen sie mit einem KI-Tool transkribieren", so Wittwer. Dramaturgie und sprachlicher Feinschliff blieben aber weiterhin Aufgabe des Interviewers, "am Ende trägt sowieso immer der Redakteur, die Redakteurin die Verantwortung für den Text".

Um den KI-Einsatz im Journalismus wird seit Wochen gerungen. Anfang Juni hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" einen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) aus dem Netz genommen, nachdem es Hinweise gegeben hatte, dass dieser mithilfe von KI entstanden sei. Wenig später musste der Editor-at-Large beim Berliner "Tagesspiegel", Stephan-Andreas Casdorff, seine Tätigkeiten ruhen lassen. Der ehemalige Herausgeber und Chefredakteur habe gegen redaktionelle Richtlinien verstoßen, weil er Meinungsartikel mit KI verfasst habe, so der "Tagesspiegel".

Meldung aus dem epd-Basisdienst

nbl



Zuerst veröffentlicht 23.07.2026 13:07 Letzte Änderung: 23.07.2026 13:55

Schlagworte: Medien, KI, Presse, Verlage, NEU

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