Wandelnde Klischees - epd medien

24.07.2026 07:28

Die ZDF-Komödie "Plötzlich Schwester" mit Andrea Sawatzki bringt viele Zoten und Proletten-Späße. Wer sie sieht, muss bis zum Schluss durchhalten, um den besten Gag mitzubekommen.

ZDF-Komödie "Plötzlich Schwester"

Sandra Giesinger (Klara Lange, links) und ihre Mutter Monika (Andrea Sawatzki) in "Plötzlich Schwester"

epd Der deutsche Fernsehfilm hat über die Jahrzehnte seinen ganz eigenen Humor entwickelt. Während die Österreicher oft feinsinnig-böse mit schwarzem Witz unterhalten, schwingen die traditionell weniger spaßbegabten Piefkes lieber den Humor-Holzhammer. Hat jetzt bitte jeder kapiert, dass das hier lustig sein soll?

Ja, haben wir kapiert! Die Komödie "Plötzlich Schwester" überzieht von Anfang an derart, dass man vor lauter Holzhammer-Schlägen die gelegentlich durchaus gelungenen Gags fast überhört. So knallt hier gleich zu Anfang mal wieder jemand mit dem Gesicht tot in die Schokoladentorte. Es gibt Gags, die einfach nicht veralten? Doch. Gibt es.

Schiere Lebenslust

Den plötzlichen Torten-Tod stirbt der Ehemann der kultiviert-seriösen Perlenkettenträgerin Monika (Andrea Sawatzki) und Vater der ebenso bieder-braven Sandra (Klara Lange). Er kam wegen Fesselspielen mit seiner Geliebten zu spät zum Familienkaffeetrinken. Bei seiner Beerdigung stellt sich heraus: Der Herr führte noch eine eheähnliche Beziehung. Die mit Sandra gleichaltrige Tochter aus dieser Liaison wurde der Einfachheit halber ebenfalls Sandra (Cosima Henman als Sandra/Sandy) getauft, damit der Erzeuger nicht durcheinander kommt.

Wie man sich unschwer denken kann, ist die Dauergeliebte Gabi Koslowski (Anita Vulescia) eine Prolette mit Raubtierprint-Leggings und die Tochter eine Prolette mit Raubtierprint-Ballonseidenanzug. Diese beiden Frauen sollen die schiere Lebenslust verkörpern, während Monika und Sandra, wie man in mehreren Varianten hört, angeblich Stöcke, Bäume oder auch ganze Wälder im Allerwertesten hätten.

Vorhersehbares Ende

Womit insinuiert wird, dass ja irgendwie verständlich sei, dass der Vater zum Ausgleich seit 30 Jahren nicht etwa, wie er zu Hause behauptet, einmal die Woche auf dem Golfplatz "einlocht", sondern … Lassen wir einmal dahingestellt, warum Vulgarität, schlechter Geschmack, esoterische Neigungen, geringe Bildung und zotiges Gerede bei Frauen für Lebensfreude stehen sollen.

Bis das vorhersehbare Ende eintritt, sehen wir zu, wie Gabi und Sandy den beiden Frauen der "legitimen" Familie nach und nach die bereits zitierten Stöcke aus den Allerwertesten ziehen und Sandy die Hochzeitsvorbereitungen von Sandra gründlich durcheinanderbringt.

Der beste Gag von allen

Wer nichts gegen Zoten hat und Proletten-Späßen etwas abgewinnen kann , wie gesagt, zwischendrin gibt es durchaus mal gute Pointen, und daher bis zum Ende durchgehalten hat, bekommt ganz zum Schluss mit dem letzten Willen des Verstorbenen den besten Gag von allen serviert.

Sawatzki hat man schon öfter in ähnlichen Rollen gesehen, sie liefert zuverlässig. Cosima Henman als Sandy ist das wandelnde Klischee. Klara Lange als Sandra verkörpert immerhin einen Typ, den man nicht alle Tage im Fernsehfilm sieht. Und Anita Vulescia als Gabi ist vollauf damit beschäftigt, die weibliche Wärme zu verströmen, die Monika angeblich fehlt.

infobox: "Plötzlich Schwester", Komödie, Regie: Tine Rogoll, Buch: Svenja Ingwersen, Kamera: Alexander Palm, Produktion: Good Humor und Brainpool TV (ZDF-Mediathek, seit 13.7.26, ZDF, 6.8.26, 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 24.07.2026 09:28

Andrea Kaiser

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KZDF, Komödie, Rogoll, Ingwersen, kai

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