Bavaria will aus Studiobetrieb aussteigen - epd medien

28.07.2026 13:04

Die Bavaria Film will aus dem Geschäft mit Studios und Immobilien aussteigen. Die öffentlich-rechtlichen Gesellschafter der Produktionsgesellschaft wollen sich auf das Geschäft mit Inhalten konzentrieren. Die Bavaria hatte in den vergangenen Jahren Verluste gemacht.

Eingang zum Gelände der Bavaria Film in Geiselgasteig

München (epd). Die Aufspaltung der Bavaria Film in zwei Unternehmen soll den öffentlich-rechtlichen Sendern den Ausstieg aus dem Geschäft mit den Studios und Immobilien ermöglichen. Ein Sprecher der Bavaria Film sagte dem epd, es habe sich herausgestellt, dass "die Sendergesellschafter WDR, BR, MDR und SWR kein strategisches Interesse mehr an der Liegenschaft Geiselgasteig" hätten. Dies gelte auch für den Studiobetrieb. Das entspreche "in der Konsequenz den veränderten medienpolitischen Vorgaben". Dies sei auch "ein Zeichen aktiver Reformfähigkeit".

Das Content-Geschäft werde weiter unter "Bavaria Film" geführt, sagte der Sprecher, Studios und Immobilien unter der Marke "Bavaria Studios". Beide Bereiche sollen sich dann "unabhängig voneinander zukunftsfähig entwickeln können". Die Entscheidung, den Produktionsbereich von den Studios und Immobilien zu trennen, wurde bereits vor einem Jahr getroffen. Die Bavaria Film betreibt neben dem Produktionsgeschäft auch einen umfangreichen Immobilienbestand mit Studios, Büro- und Gewerbeflächen im Süden von München. Zu diesem Geschäftssegment gehören auch Immobilientransaktionen und Vermietungen. Der Verkaufsprozess für den Geschäftsbereich Studios und Immobilien sei eingeleitet, sagte der Sprecher.

Bavaria Media will sich an ARD Plus beteiligen

Derzeit sind die ARD-Anstalten WDR, BR, MDR und SWR über Tochterfirmen an der Dachgesellschaft Bavaria Film beteiligt. Fünfter Anteilseigner ist der Freistaat Bayern über die ihm gehörende LfA Förderbank. Laut Organigramm gibt es derzeit drei Geschäftsbereiche in der Bavaria Film: Content, Studios & Services und Immobilien. Den Bereich Content verantwortet die Bavaria Film Content GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Bavaria Film. Diese wiederum hält 51 Prozent der Anteile an der Bavaria Fiction GmbH. Die anderen 49 Prozent an der Bavaria Fiction hält das ZDF über seine Tochtergesellschaft ZDF Studios.

Eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Bavaria Content GmbH ist die Bavaria Media GmbH. Diese wiederum verhandelt derzeit über die Übernahme ihrer Verwertungsaktivitäten im Filmrechtebereich durch die ARD Plus GmbH, die von der WDR Mediagroup betrieben wird, der Werbetochter des WDR. "Im Rahmen der Transaktion würde Bavaria Media eine Beteiligung an der ARD Plus GmbH erhalten", sagte der Sprecher der Bavaria Film dem epd. Mehrheitsgesellschafterin bleibe jedoch die WDR Mediagroup.

Die Gesellschafter sähen "die Zusammenführung ihrer Verwertungsaktivitäten als strategische Entscheidung, die einen wichtigen Schritt in der Entwicklung beider Unternehmen markiert und ihre Ambitionen im Markt für audiovisuelle Inhalte unterstreicht", sagte der Sprecher. Da ein Anteilserwerb zwischen 25 und 50 Prozent geplant ist, muss der Zusammenschluss vom Kartellamt genehmigt werden.

Suche nach Investoren

Für den Verkauf des Geschäftsbereichs Studio und Immobilien sollen im Sommer potenzielle Investoren angesprochen werden, sagte der Sprecher. Infrage kämen strategische Investoren, Immobilienentwickler, aber auch Family Offices oder eine Mischung aus mehreren Investorengruppen. Die LfA Förderbank Bayern sei bereit, nach der Aufspaltung an beiden Unternehmen beteiligt zu bleiben.

Für das Produktionsgeschäft würden derzeit keine neuen Gesellschafter oder Investoren gesucht, sagte der Sprecher von Bavaria Film: WDR, SWR, MDR und BR betrachteten den Content-Bereich "als strategische Beteiligung". Grund für die Aufspaltung sind laut der Bavaria Film die "disruptiven Veränderungen sowohl in der Medien- als auch in der Immobilienbranche". Der Konzern sei mit einer historisch gewachsenen Management-Holding und vielen Geschäftsfeldern zu komplex aufgestellt. In den vergangenen Jahren seien Konzernaktivitäten gestrafft worden, die Aufspaltung sei der letzte konsequente Schritt. Es sei heute kein Vorteil mehr, über "weite Teile der Wertschöpfungskette einer Filmproduktion" zu verfügen, allenfalls vielleicht bei global agierenden Medienhäusern.

Schwierige Marktsituation

Die Marktsituation für die gesamte Produzentenbranche beschreibt die Bavaria Film bereits seit drei Jahren als herausfordernd und schwierig. Das gelte auch für die Bavaria Film. Doch die Produktionsfirma habe sich "in diesem Umfeld gut geschlagen", sagte der Sprecher: Die Bavaria Film gehöre weiter zu den Top Fünf der Produktionsunternehmen in Deutschland und sei "unverändert solide finanziert".

Die Ergebnisse der drei Geschäftsjahre 2022/23 bis 2024/25 zeigen eine negative Entwicklung: Gab es erst noch einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro, folgten darauf zwei Jahre mit Verlusten (minus 5,5 Millionen Euro und minus 7,7 Millionen Euro). Außerdem ging die Liquidität massiv zurück, auf nur noch knapp 800.000 Euro zum Ende des Geschäftsjahres 2024/25. Bavaria Film verwies darauf, dass diese Jahresabschlüsse "umfassende Maßnahmen der Restrukturierung enthalten, insbesondere einen sozialverträglichen Stellenabbau". Die Liquidität habe sich im Geschäftsjahr 2025/26 deutlich verbessert. Sie belief sich zuletzt auf 24 Millionen Euro.

Kein weiterer Stellenabbau geplant.

Um die eigene wirtschaftliche Lage zu beurteilen, ist für die Bavaria Film nach Angaben des Sprechers der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) wichtiger. Dieser habe sich 2024/25 auf 16,8 Millionen Euro belaufen. Im Geschäftsjahr 2025/26 seien es 29,6 Millionen Euro gewesen. Die Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr bezifferte die Bavaria Film auf insgesamt 303,6 Millionen Euro. Der Konzernjahresüberschuss belief sich demnach auf rund sieben Millionen Euro. Dabei kam auch ein Einmaleffekt zum Tragen: Ein Erbpachtgrundstück wurde für 8,4 Millionen Euro verkauft.

Nach Angaben des Sprechers ist mit der Aufspaltung kein weiterer Stellenabbau verbunden. Derzeit gebe es zwischen 550 und 600 fest angestellte Beschäftigte. Die Zahl der Festangestellten werde sich künftig hälftig auf beide Bereiche verteilen.

Die Geschichte der Bavaria Film reicht bis ins Jahr 1919 zurück. Unter ihrer Verantwortung entstanden Kinofilme wie "Eins, zwei, drei", "Das Boot" oder "Die unendliche Geschichte" sowie zahlreiche Fernsehproduktionen. Schlagzeilen machte der Konzern 2005 mit dem Schleichwerbeskandal um die ARD-Serie "Marienhof", der von epd medien aufgedeckt wurde.

vnn



Zuerst veröffentlicht 28.07.2026 15:04

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Film, Produktion, Bavaria, ARD, n vnn, NEU

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