Social Media ist Familiensache: Studie zur Mediennutzung von Kindern - epd medien

28.07.2026 14:54

Social Media gehört längst zum Alltag vieler Kinder, oft schon bevor sie das vorgesehene Mindestalter für die Plattformen erreicht haben. Eltern kommt bei der Mediennutzung eine besondere Rolle zu, zeigt eine neue BLM-Studie.

Kinder nutzen Social Media häufig in familiären Zusammenhängen

München (epd). Laut einer Studie der Universität Augsburg mit dem Titel "Social Media im Kinder- und Familienalltag" sind digitale Medien bei Grundschulkindern kein Randphänomen, sondern gehören längst zum Alltag der Familien. Die Forschungsarbeit, die von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) in Auftrag gegeben wurde, stellt jedoch heraus, dass die Nutzung in Bayern überwiegend kurz, stark von Youtube geprägt und eng in bestehende Routinen von Familien eingebettet ist.

"Eltern spielen dabei eine zentrale Vermittlerrolle", sagte Professor Jeffrey Wimmer, der die quantitativ-qualitative Studie leitete, am Dienstag. Befragt wurden 378 Eltern mit Kindern im Alter von drei bis zehn Jahren. Familien- sowie vier Gruppeninterviews mit mehreren Kindern ergänzten die Daten.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit zeigten bei den befragten Familien ein Modell der "begrenzenden Ermöglichung", sagte Wimmer. Eltern erkennen demnach zwar die Chancen digitaler Medien an, insbesondere im Bereich des Lernens und der Kreativität, gewichten aber mögliche Risiken stärker und reagieren mit Zeitregeln, Inhaltsauswahl und begleiteter Nutzung.

Eltern sind sensibilisiert, brauchen aber Informationen

Rund 80 Prozent der Eltern legten zudem ein tägliches Nutzungslimit fest. Erlaubt wurden im Schnitt 30 Minuten pro Tag, erläuterte Wimmer. Social Media sei in Familien ein "Anker im Alltag" geworden, werde in Tagesroutinen eingebaut, in Wartesituationen, beim Autofahren oder Zähneputzen.

Als zentrale Herausforderung benannte Wimmer nicht das "Ob", sondern das "Wie" der Nutzung sozialer Medien. Entscheidend seien altersgerechte Rahmenbedingungen, Orientierung und Begleitung. "Für Familien bedeutet dies, Mediennutzung im Alltag zu regeln, im Gespräch zu deuten und im Verhältnis zu Routine, Beziehung und Erziehung auszubalancieren."

Medienerziehung, Mindeststandards und gesündere Geschäftsmodelle

Besser als pauschale Verbote seien "formatsensible Regeln", die Eltern aufstellen sollten. Für Kitas und Schulen forderte Wimmer eine alltagsnahe Medienbildung und für Plattformen kindgerechte Voreinstellungen mit weniger Werbung und mehr Kontrolle. Die Politik müsse "klare Mindeststandards" für den Schutz von Kindern in digitalen Umgebungen setzen, sagte Wimmer.

Die Verbotsdebatte für Social Media bräuchte es nicht, wenn die Plattformen sicher wären und ihrer Verantwortung gerecht würden, sagte der Kognitions- und Hirnforscher Christian Montag. Das Ziel der kommerziellen Plattformen sei aber, die Online-Zeiten zu verlängern. Bei 11 Prozent der Jugendlichen sei eine suchtähnliche Nutzung zu beobachten. Montag forderte "gesündere Geschäftsmodelle".

BLM-Präsident Thorsten Schmiege plädierte für eine gezielte Kontrolle und Regulierung der Plattformen. Die Medienanstalten könnten soziale Netzwerke beaufsichtigen und Verstöße melden.

lbm



Zuerst veröffentlicht 28.07.2026 16:54

Schlagworte: Medien, Kinder, Social Media, Medienforschung

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