30.07.2026 08:10
Salzburg (epd). Im Rückblick auf die sogenannte Mailbox-Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff sieht Ex-"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann Einflussversuche von Politikern auf die journalistische Berichterstattung gelassen. Es gehöre dazu, dass man als "Bild"-Chef damit zu tun habe, dass "Leute versuchen, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen", sagte der Mitgründer und -gesellschafter der PR-Agentur Storymachine im Vodcast "Blickwechsel" des österreichischen Privatsenders Servus TV. Dies täten nicht nur Politiker, sondern auch andere Prominente. "Dafür ist man Chefredakteur, dafür wird man bezahlt, dass man diesem Druck dann auch standhält und mit diesem Druck umgeht."
Anfang 2012 hatte Wulff "Bild" zufolge versucht, Diekmann und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner von kritischer Berichterstattung abzubringen und mit juristischen Konsequenzen gedroht. Wulff hatte eine Nachricht auf Diekmanns Mailbox hinterlassen, in der er sich empört über die Recherchen von "Bild" zu seinem Hauskredit zeigte. Die Staatsanwaltschaft Berlin stellte Ermittlungen gegen den später zurückgetretenen Wulff ein, da sie keinen Anfangsverdacht einer versuchten Nötigung oder eines anderen strafbaren Verhaltens erkannte.
Auf einer Pressekonferenz teilt ein Politiker nur das mit, was er gedruckt sehen will mit seinem Namen.
"Journalismus ist immer auch ein Teppichhandel", sagte Diekmann im Vodcast. "Warum hatten die Kollegen aus dem Sport immer die Aufstellung der Nationalmannschaft vor entscheidenden Spielen? Weil sie im Zweifelsfall mit dem Bundestrainer gedealt haben." Relevante Informationen seien nicht auf Pressekonferenzen zu erfahren. "Auf einer Pressekonferenz teilt ein Politiker nur das mit, was er mitteilen will, was er gedruckt sehen will mit seinem Namen", so Diekmann. "Und Journalismus ist eben das, was gedruckt wird, was Politiker im Zweifelsfall nicht wollen."
Der ehemalige "Bild"-Chefredakteur äußerte sich wohlwollend zur Reformdebatte beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es gebe eine ganze Reihe von Intendanten in Deutschland, etwa Florian Hager vom Hessischen Rundfunk, die sehr genau wüssten, dass sie viele Dinge ändern müssen, wenn sie die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Dauer sichern wollen. "Und insofern wird da eine Diskussion geführt, die richtig ist und die notwendig ist."
Diekmann hatte den Medienkonzern Axel Springer Ende Januar 2017 verlassen. Von 2001 bis 2015 war er "Bild"-Chefredakteur und danach Herausgeber der gesamten Bild-Gruppe.
nbl
Zuerst veröffentlicht 30.07.2026 10:10
Schlagworte: Medien, Politik, Diekmann, Wulff, Servus TV, nbl
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