30.07.2026 09:30
Dokumentation "Kryptokrieg - Wie Putin uns mit Bitcoins bekämfpt"
epd Mehr als vier Jahre währt bereits der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Obwohl man versuchte, Russland durch ein Netz von Sanktionen vom internationalen Zahlungsverkehr zu isolieren, geht den Streitkräften des Kremls das Geld für Rüstungsgüter nicht aus. Über die Finanzierung dieser Kriegsmaschinerie durch Umgehung der Sanktionen wurde zwar schon oft berichtet, die Dokumentation "Der Krypto-Krieg" aus der ARD-Reihe "Die Story" blickt nun auf digitale Schlupflöcher, welche die Finanzierung des russischen Militärapparates offenbar ermöglichen. Peter Kreysler, ein Spezialist für verdeckte Recherche, wendet ein altbekanntes Prinzip an: Follow the money.
Angeregt von dem Briten Tom Keatinge, einem Spezialisten für die Schnittstelle zwischen Finanzen und Sicherheit, gibt der Filmautor sich als Investor aus und reist nach Georgien, ein Land, "das seit dem Ukrainekrieg ein enormes Wirtschaftswachstum erlebt". Um nachvollziehbar zu machen, dass dieser Aufschwung mit der verbotenen Lieferung von Rüstungsgütern nach Russland zu tun haben könnte, macht er zunächst einmal darauf aufmerksam, dass auf den Straßen von Tiflis überall auf Bitcoin als gebräuchliches Zahlungsmittel hingewiesen wird. Diese Kryptowährung ist das Thema der investigativen Recherche.
Kreysler spricht mit einem auskunftsfreudigen Georgier, der in einem heruntergekommen anmutenden Verschlag eine erstaunliche Vielzahl von PCs laufen lässt, mit denen er Bitcoins generiert, im Jargon spricht man von "schürfen". Ein ganzes Jahr lang müssten seine Apparate rechnen, bis sie einen einzigen Bitcoin hervorgebracht haben. Beim gegenwärtigen Kurs der Kryptowährung wären das etwa 50.000 Euro. In Deutschland würde sich diese Kalkulation absolut nicht rentieren, denn die Rechner würden hierzulande mehr als das Vierfache an Stromkosten verschlingen. In Georgien jedoch gibt es Elektrizität gefühlt zum Nulltarif. Daher muss der Georgier zum Schürfen eines Bitcoins nur etwa 30.000 Dollar Energiekosten einkalkulieren. Das lohnt sich.
Die Gasimporte Georgiens aus Russland seien "um 40 Prozent gestiegen", berichtet die Dokumentation. Russisches Gas, das dank der Sanktionen nicht mehr auf dem Weltmarkt verkauft werden darf, wird hier offenbar im großen Stil "zu Strom verheizt". Die Produktion von Bitcoins in gigantischen Fabriken sei "der zweitgrößte Stromverbraucher des Landes". Kreysler fragt: Werden aus diesem "Dumping-Strom" Bitcoins quasi zum Nulltarif generiert? Verwandelt Putin in Georgien "Gas zu Geld", um dadurch das Morden in der Ukraine zu finanzieren?
Wie das Verfahren der Bitcoin-Generierung funktioniert, wird in dieser Dokumentation nicht erklärt. Auch sind die Erkenntnisse nicht völlig neu, seriöse Medien haben schon vor Jahren darüber berichtet, wie sich mithilfe von Kryptowährungen die Sanktionen gegen Russland umgehen lassen. Neu an Kreyslers Recherche ist, dass einige dieser Bitcoin-Fabriken mit versteckter Kamera aus der Nähe gezeigt werden. Der Film zeigt auch die endlose Kolonne von Lastwagen, in denen möglicherweise sanktionierte Rüstungsgüter nach Russland gebracht werden.
Der Film verfolgt noch eine zweite Spur: Werden mit Kryptogeld von Russland rekrutierte "Wegwerfagenten" entlohnt? Um zu demonstrieren, wie das funktioniert, begibt der Reporter sich zusammen mit dem Ex-Agenten Zach Tvarozna nach Warschau, wo er mit Bargeld ein Smartphone kauft, um anschließend ohne Vorlage von Ausweispapieren im Internet-Café ein Krypto-Konto herunterzuladen. Die Doku will vor Augen führen, dass man in der Europäischen Union mit der sanktionierten russischen Kryptowährung "A7A5" zahlen kann wie mit Bargeld.
Was der Film zeigt, ist nicht ganz falsch, aber dieses Verfahren funktioniert nur für kleine Beträge. Die tatsächliche Schattenfinanzwelt ist möglicherweise komplizierter und risikoreicher. Interessanter wäre es gewesen, auf den konkreten Fall eines von Russland entlohnten Wegwerfagenten hinzuweisen.
Die Dokumentation bereitet die präsentierten Fakten zuweilen reißerisch auf. Kreysler inszeniert sich als rasender Reporter, der zwischen London, Tiflis, Warschau und den USA hin und herjettet. Der Einsatz von Split Screens wirkt zuweilen manieriert. Grafiken, in denen die Köpfe der zu Wort kommenden Gesprächspartner jeweils kreisförmig markiert werden, lassen an ein Zielfernrohr denken. Bei der Gestaltung wäre weniger mehr gewesen. Sehenswert ist die Dokumentation dennoch, denn sie bereitet ein relevantes Thema nachvollziehbar auf.
infobox: "Kryptokrieg - Wie Putin uns mit Bitcoins bekämpft", Dokumentation, Regie und Buch: Peter Kreysler, Kamera: Ulf Behrens, Produktion: Filmfreunde Friedl (ARD-Mediathek/SWR, seit 22.7.26, ARD, 29.7.26, 23.05-23.50 Uhr)
Zuerst veröffentlicht 30.07.2026 11:30
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KSWR Dokumentation, Kreysler, Riepe
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