03.08.2026 10:41
Bonn (epd). Die Deutsche Welle (DW) sieht eine Zunahme von gefälschten Nachrichtenvideos, die vor den anstehenden Wahlen im September gezielt deutsche Kandidatinnen und Kandidaten verleumden. Das ergab ein Faktencheck, bei dem 180 vom Recherchekollektiv Antibot4Navalny gesammelte Posts untersucht wurden, wie die DW am Montag mitteilte.
"Wir haben beobachtet, dass die Desinformationskampagne zuletzt an Fahrt aufgenommen hat, sowohl quantitativ als auch hinsichtlich der Narrative", sagte Joscha Weber, Leiter von DW Faktencheck. "Auffällig ist, dass die Verleumdungen immer heftiger werden: Mord, sexueller Missbrauch oder Korruption werden den unterschiedlichsten Kandidaten vorgeworfen, um sie zu diskreditieren."
Die Videos richten sich gegen Kandidatinnen und Kandidaten der vier Wahlen, die im September in Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen stattfinden. Betroffen sind CDU, SPD, Linke, FDP und Grüne. Zu AfD und BSW finden sich laut DW hingegen keine Fakes. Experten rechneten die Posts der russischen Einflussoperation "Matrjoschka" zu.
Die Urheberschaft der Fakes einwandfrei festzustellen, sei jedoch schwierig, da vor allem geklaute Social-Media-Accounts für die Kampagne genutzt würden, die längere Zeit inaktiv gewesen seien und selten Rückschlüsse auf die wahren Hinterleute zuließen, räumt Weber ein. "In einem Fall können wir durch einen Übersetzungsfehler aber davon ausgehen, dass die Autoren des Fakes russischsprachig sind."
Unter den Posts auf X, TikTok und Bluesky befänden sich 20 Fälle, die Beiträge der DW imitierten und ihr Logo missbrauchten. In weiteren Posts werde die DW als Quelle von Falschinformationen genannt oder sogar ein erfundenes Zitat des DW-Chefredakteurs verbreitet. Die DW habe alle Posts unmittelbar an die Plattformen gemeldet. Während Tiktok und Bluesky die Beiträge meist rasch entfernten, bleiben sie auf X mitunter wochenlang online.
Meldung aus dem epd-Basisdienst
koe
Zuerst veröffentlicht 03.08.2026 12:41
Schlagworte: Medien, Internet, Wahlen
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