Wüst: "Urteilskraft und Gewissen lassen sich nicht automatisieren" - epd medien

05.08.2026 14:31

Die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, betont die Rolle konfessioneller Medien beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Ethische Leitlinien für den Umgang mit KI gehörten zu den zentralen Zukunftsfragen, sagt sie.

Dorotehee Wüst ist seit 2021 Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz

Berlin (epd). Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat die Rolle konfessioneller Medien beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus betont. Gerade diese Medien könnten technologische Innovation mit ethischer Reflexion verbinden, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche der Pfalz, die auch Aufsichtsratsvorsitzende des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) ist, in einem Interview der Zeitschrift "MVFP impuls" des Medienverbands der freien Presse.

"Aus christlicher Sicht muss immer der Mensch im Mittelpunkt stehen. Verantwortung, Urteilskraft und Gewissen lassen sich nicht automatisieren", sagte Wüst. Zugleich sprach sie sich für klare Leitlinien aus. Dazu gehörten Transparenz über den Einsatz von KI, sorgfältige Kontrolle aller Inhalte, Schutz von Persönlichkeitsrechten und die Vermeidung von Diskriminierung durch algorithmische Verzerrungen. "KI kann ein hilfreiches Werkzeug sein, aber sie darf journalistische Verantwortung nicht ersetzen", sagte Wüst.

Konfessionelle Presse oft unterschätzt

Grundsätzlich werde die Relevanz der konfessionellen Presse in der heutigen deutschen Medienlandschaft oft unterschätzt. Gerade weil viele Menschen auf der Suche nach Orientierung seien, gewännen Medien an Bedeutung, die nicht nur über Ereignisse berichten, sondern sie auch einordnen: "Die konfessionelle Presse bringt eine Perspektive in den öffentlichen Diskurs ein, die von Menschenwürde, Verantwortung und Solidarität geprägt ist. Das ist eine wichtige Ergänzung und Akzentsetzung im medialen Spektrum."

Die Herausforderungen seien groß. Wie alle Medienhäuser stünden auch konfessionelle Redaktionen und Verlage unter wirtschaftlichem Druck. "Entscheidend wird sein, journalistische Qualität mit neuen digitalen Formaten zu verbinden, ohne die eigene Identität zu verlieren", sagte Wüst.

Freie Medien gehörten für sie zu den großen Errungenschaften einer offenen Gesellschaft. "Sie ermöglichen es, unterschiedliche Stimmen zu hören, Macht kritisch zu hinterfragen und gesellschaftliche Debatten offen und konstruktiv zu führen." Damit gehörten sie zu den tragenden Säulen der Demokratie und verdienten Schutz und Wertschätzung - gerade in unruhigen Zeiten.

koe



Zuerst veröffentlicht 05.08.2026 16:31 Letzte Änderung: 05.08.2026 16:37

Schlagworte: Medien, Kirchen, Internet, Wüst, koe, NEU

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