06.08.2026 08:15
"Gladiators - Die Show der Giganten" bei RTL
epd Gut 2000 Jahre nach der Gründung von Colonia am Rhein durch die Römer kam es auf dem Messegelände in Düsseldorf zu einer Neuauflage von Gladiatorenkämpfen. RTL machte das antike Kräftemessen im 21. Jahrhundert möglich und bediente sich dafür eines mehr als 35 Jahre alten Showformats aus den USA: "American Gladiators". Die Show erlangte ab 1989 nicht nur in den USA Kultstatus, auch RTLplus und der Sender DSF zeigten sie zwischen 1989 und 1996, damals ergänzt um deutschsprachige Moderationen einer an Arnold Schwarzenegger erinnernden Gummipuppe. 2024 hat die BBC das Format erfolgreich wiederbelebt, bald folgten in weiteren Ländern Neuauflagen, sogar in den USA selbst. Nun startet bei Amazon Prime die erste deutsche Adaption der "Gladiators".
Die Grundidee ist die alte: Sportliche Herausforderer, hier "Contender" genannt, treten in mehreren Spielrunden gegen einen oder mehrere der muskelbepackten "Gladiators" an. Dahinter verbergen sich meist professionelle Bodybuilder oder Kraftsportler, die in Duellen gegen die Contender antreten oder diesen in Gruppenstärke an der Absolvierung einer sportlichen Aufgabe hindern sollen.
Die "Gladiators" werden fast schon anachronistisch überspitzt inszeniert: Allesamt tragen sie enge ärmellose Bodysuits oder Sport-BHs, um keine Zweifel an ihren kräftigen Armen und Beinen aufkommen zu lassen, mit denen sie die Herausforderer aufzuhalten versuchen. Mit Posen wie vor den Spiegeln im Fitnessstudio knüpfen die Gladiatoren nahtlos am Prototypen eines Bodybuilders an. Dass jeder Gladiator eine eigene Persona mit Charakterzügen und Rollennamen ("Laser", "Titan", "Dynamite") spielt, lässt sie noch unnahbarer und unberechenbarer wirken, aber auch etwas lächerlich, weil aus der Zeit gefallen.
Insgesamt hat das Format etwas sehr US-Amerikanisches: Die rot-blaue Ästhetik der Outfits wie der gesamten Show erinnert stark an den Ursprung des Formats. Die vielen Nahkämpfe und die unmittelbare Körperlichkeit der Duelle versprechen Kräftemessen in Reinform. Selten werden Menschen in Gameshows heutzutage noch so radikal auf ihr Dasein als Muskelprotz reduziert. Ein Wunder, dass McDonald's noch keine Actionfiguren der insgesamt 17 verschiedenen Gladiatoren als Spielzeugbeilage eingeführt hat. Das würde gut zu dem gekünstelten Plastik-Ambiente dieser Adaption passen.
Typisch deutsch ist dagegen die Länge der Show-Adaption von RTL: Jede Ausgabe dauert knapp 70 Minuten und lässt sich damit deutlich mehr Zeit als die US-Neuauflage, die mit nur rund 45 Minuten auskommt, dafür aber doppelt so viele Folgen in einer Staffel unterbringt. Doch die Längen in der RTL-Adaption sind nicht zu übersehen: Zwischen den meist sehr kurz geratenen, manchmal nur wenige Sekunden langen Duellen mit überdimensionierten Wattestäbchen und Ballspielen auf hohen Plattformen, in denen allenfalls kurzzeitig wirkliche Spannung aufkommt, vergeudet die Show sehr viel Zeit damit, die Gladiatoren vorzustellen, sowie mit Vor- und Nachgesprächen. Hinzu kommen Zeitlupen und überflüssige Blicke in die Umkleidekabine der Gladiatoren. Handgestoppte knapp zwölf Minuten Sendezeit einer Folge werden tatsächlich zum Spielen genutzt. Das ist frustrierend wenig.
Dass der über mehrere Spielrunden gesammelte Vorteil für den finalen Parcours oft gar nicht entscheidend ist, trübt den Spaß im Sendungsverlauf zusätzlich. Schade auch, dass durch die strikt geschlechtergetrennten Runden jedes Spiel doppelt bis vierfach zu sehen ist. So leidet die Show gravierend an repetitiven Momenten.
Bestens eingespielt sind die beiden Moderatoren Laura Wontorra und Jan Köppen sowie der Kommentator des Geschehens, Frank Buschmann. Das aus zehn gemeinsamen Staffeln "Ninja Warrior Germany" bekannte Trio moderiert die Spiele unfallfrei und pointiert an, kommentiert sie mitreißend laut und sorgt sich in den richtigen Momenten um den Gesundheitszustand manch eines verletzten Kandidaten. Dass sie den ausgeschiedenen Contendern bei all der Härte der Show auch eine tröstende Umarmung anbieten, ist erfreulich.
Wer nun aber am Ende der als Turnier aufgebauten Staffel zum "Gladiators Champion" gekrönt wird, dürfte wohl nur die Zuschauer fünf Folgen lang interessieren, die sich für das Kräftepotenzial gestählter Körper begeistern oder solche, die in 90er-Jahre-Fernsehnostalgie schwelgen möchten.
infobox: "Gladiators - Die Show der Giganten", fünfteilige Wettkampf-Gameshow mit Jan Köppen, Laura Wontorra und Frank Buschmann, Regie: Knut Fleischmann, Buch: David Flasch, Produktion: RTL Studios (Prime Video, seit 6.8.26, RTL+, ab 4.9.26)
Zuerst veröffentlicht 06.08.2026 10:15
Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Streaming, Kritik.(Streaming), KRTL, Gameshow, Flasch, Fleischmann, Wontorra, Köppen, Buschmann, Respondek
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