Techno Love - epd medien

07.08.2026 08:09

Die 19-jährige Linda zieht vom Land nach München und taucht ein in die Münchner Technoszene der 90er Jahre: Die Miniserie "München Beats" erzählt von der Faszination der Techno-Bewegung, neuen Freiheitsräumen und wirtschaftlichem Umbruch.

Miniserie "München Beats" im ZDF

Linda (Jule Hermann) taucht ein in die Technoszene in München

epd Der Blick zurück auf die heimische Geschichte ist Dreh- und Angelpunkt eines Großteils deutscher Serien und immer häufiger nimmt man sich dabei - passend zur allgemeinen Nostalgie für die 1990er und frühen 2000er Jahre - auch die jüngere Vergangenheit vor. Während in "Kleo" oder "Sam - Ein Sachse" die unmittelbare Nachwendezeit im Fokus stand, blickt "München Beats" nicht auf Berlin oder den Osten des Landes, sondern auf die bayerische Landeshauptstadt.

Für die 19-jährige Linda Bierwirth (Jule Hermann) ist München Mitte der 90er Jahre so etwas wie das gelobte Land, denn die Welt des ländlichen Ismaning fühlt sich viel zu beengt an. Auf dem elterlichen Bauernhof ist Stallausmisten angesagt statt Selbsterfüllung, und die junge Frau träumt nicht von Lehre in der örtlichen Zahnarztpraxis, sondern von Technopartys und einer Karriere als DJ. Als sie schließlich Reißaus nimmt, kommt sie als Aushilfe in der traditionsreichen Schwulen-Gaststätte Deutsche Eiche unter und findet bald Zugang zur lokalen Partyszene.

Mitreißende Darstellung

Dass parallel Marius Meinhardt (Klaus Steinbacher), der Sohn ihres Patenonkels, aus New York zurück nach München kommt, stellt nicht nur den Beginn einer Liebesgeschichte dar, sondern hat letztlich weitreichende Folgen für das Nachtleben und die Kulturszene der Stadt. Denn seinem Vater Theo Meinhardt (Tobias Moretti) gehört das Traditionsunternehmen Pfanni, für das auch Lindas Eltern Kartoffeln liefern. Und als das Unternehmen sich gezwungen sieht, sein großes Werksgelände nahe dem Ostbahnhof zu schließen, entwickeln Linda und Marius die Idee, dort einen Ort für Raves und alternative Kunstprojekte entstehen zu lassen. Dass Meinhardt senior von diesem Plan wenig hält, ist nicht die einzige Schwierigkeit, mit der das junge Paar umgehen muss.

Dafür, dass die von Mimi Kezele inszenierte Serie gerade einmal vier Folgen umfasst, fährt sie einiges auf an Figuren und Konflikten. Fast ein wenig zu viel, denn so zügig eilt die von Christian Schnalke, Stefani Straka und Julie Fellmann geschriebene und von wahren Begebenheiten rund um den Kunstpark Ost inspirierte Geschichte durch ihren Plot, dass die stärksten Aspekte nie ganz den Raum bekommen, den man ihnen wünschen würde.

Aus dem bislang eher schwachen deutschen Serienjahr sticht "München Beats" dennoch aus mehreren Gründen weit heraus. Vor allem ist Linda in der mitreißenden Darstellung durch Ex-Kinderstar Jule Hermann ("Wendy - Der Film"), eine großartige Protagonistin, sowohl dem damaligen Zeitgeist entsprechend als auch aus heutiger Sicht glaubwürdig. Von ihrer Technobegeisterung und den wachsenden Erfolgen hinter dem Mischpult hätte man gerne mehr gesehen. Dasselbe gilt auch für die berührende Geschichte ihres Bruders Andi (Ben Münchow), dem zwar deutlich mehr am elterlichen Hof liegt, der aber bei Besuchen in München immer weniger die eigene Homosexualität ignorieren kann.

infobox: "München Beats", vierteilige Miniserie, Regie: Mimi Kezele, Buch: Christian Schnalke, Stefani Straka, Julie Fellmann, Kamera: Holly Fink, Produktion: Network Movie FFP (ZDF-Mediathek, seit 7.8.26, ZDF, 26. und 27.8.26, jeweils 20.15-21.45 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 07.08.2026 10:09

Patrick Heidmann

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), Miniserie, KZDF, Kezele, Schnalke, Straka, Fellmann

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