10.08.2026 13:41
Frankfurt a.M. (epd). Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hat Bedauern über eine Frage ihres Balkan-Korrespondenten Michael Martens an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geäußert. Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Samstag in Belgrad hatte der Journalist Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, "mehr russische Soldaten zu töten". Die Frage sei "missverständlich formuliert" gewesen, "was wir bedauern", teilte eine Sprecherin des FAZ-Verlags dem epd am Montag auf Anfrage mit.
Martens habe sich auf aktuelle Debatten von Verteidigungsexperten bezogen, die sich um die Frage drehten, "wie die russische Armee in personelle Schwierigkeiten gebracht werden könnte, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bringen". Es sei nicht die redaktionelle Linie der FAZ, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten, sagte die Verlagssprecherin. "Die FAZ tritt ein für das völkerrechtlich garantierte Selbstverteidigungsrecht der Ukraine und für ein möglichst baldiges Ende des russischen Angriffskrieges."
Ein Video-Clip mit Martens Frage hatte sich über soziale Medien am Wochenende rasch verbreitet. Während manche den FAZ-Korrespondenten für "klare Worte" lobten, warfen ihm andere Hassrede oder eine für einen Journalisten unangemessene Parteilichkeit vor. Russlands staatliche Nachrichtenagentur Tass zitierte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die den FAZ-Korrespondenten mit Verweis auf die Zugehörigkeit seines Großvaters zum Wehrmachtsführungsstab zum "erblichen Nazi" erklärte.
Die FAZ-Sprecherin erklärte, im Zusammenhang mit der Pressekonferenz sei es zu Diffamierungen und Drohungen gegen Martens gekommen. "Das ist inakzeptabel. Zur Pressefreiheit gehört das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz." Die FAZ werde auf Bedrohungen ihrer Mitarbeiter mit juristischen Mitteln reagieren.
nbl/fst
Zuerst veröffentlicht 10.08.2026 15:41 Letzte Änderung: 10.08.2026 15:54
Schlagworte: Medien, Presse, Russland, Ukraine, NEU
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