Wille: SRG-Angebot soll zur "digitalen Heimat" der Schweiz werden - epd medien

12.08.2026 09:21

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille mahnt, dass Schweizer Medienunternehmen den digitalen Raum nicht den globalen Internet-Plattformen überlassen dürften. Die SRG wolle mit ihrem Angebot zur "digitalen Heimat" der Schweiz werden.

Susanne Wille ist seit 2024 Generaldirektorin der SRG SSR

Zürich (epd). Die Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR, Susanne Wille, will das Angebot der SRG zur "digitalen Heimat" der Schweiz machen. Die SRG werde dafür im kommenden Jahr die Live- und Streamingplattform "Play+" lancieren, über die das gesamte SRG-Angebot zu finden sein werde, sagte Wille der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ, 9. August).

"Wenn wir den digitalen Raum den globalen Tech-Firmen überlassen, verlieren wir ein Stück demokratische Öffentlichkeit", sagte Wille. Da müsse die Schweiz als Medienplatz gegensteuern. Die Geschäftsleitung der SRG SSR habe darum auch entschieden, "den unkontrollierten Datenabfluss" an große Tech-Firmen nicht länger zu tolerieren. Unternehmen, die Bots und Crawler einsetzten, um ihre auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierenden Programme zu trainieren, würden auf den Webseiten der SRG abgewiesen.

Das SRG-Archiv gehört dern Schweizerinnen und Schweizern.

Stattdessen wolle die SRG ihre Daten dem Schweizer KI-Modell Apertus zur Verfügung stellen, sagte Wille. Apertus ist ein sogenanntes großes Sprachmodell (Large Language Model. LLM), das von Forschern in der Schweiz entwickelt wurde. Es wurde im September 2025 vorgestellt und ist als "Open Source" verfügbar, das heißt, die Quellcodes und Trainingsdaten sind offengelegt. Es gilt als erstes LLM, das die Transparenzpflichten der KI-Verordnung der Europäischen Union vollständig erfüllt.

"Das SRG-Archiv ist der größte audiovisuelle Datensatz unseres Landes", sagte Wille: "Es gehört den Schweizerinnen und Schweizern, sie haben es finanziert."

Künstliche Intelligenz bringe einen Technologiebruch mit sich, "der uns als audiovisuelles Medium stark trifft", sagte Wille: "Im digitalen Raum kann man seinen Augen oft nicht mehr trauen. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Arbeit sauber und transparent machen. Dass die Menschen wissen, dass sie sich auf unsere Inhalte verlassen können." Die SRG engagiere sich auch, indem sie in Schulen den Umgang mit Medien aufzeige.

Wir müssen als Medienplatz größer denken.

Glaubwürdige, zuverlässige Informationen seien die Voraussetzung dafür, "das unsere demokratische Debatte funktionieren kann", sagte Wille. Die SRG sei auch bereit, ihre Plattformen für die Inhalte anderer Medien zu öffnen: "Wir müssen als Medienplatz größer denken. Nur mit vereinten Kräften schützen wir die Informations- und Technologiesouveränität unseres Landes".

Zentral sei die Frage: "Wie werden wir digital gefunden, wenn wir gar nicht mehr gesucht werden?", sagte Wille. Die SRG, aber auch die privaten Medien müssten sich gegenüber internationalen Plattformen, Algorithmen und KI-Oberflächen behaupten: "Wie gelingt es, dass Schweizer Inhalte mit gesellschaftlichem Wert im digitalen Raum auffindbar bleiben?" Sie verwies darauf, dass große Plattformen in Frankreich mit einer sogenannten Must-be-found-Regel dazu verpflichtet würden, öffentlich-rechtliche Inhalte prominent sichtbar und leicht auffindbar zu machen.

dir



Zuerst veröffentlicht 12.08.2026 11:21

Schlagworte: Medien, Schweiz, Rundfunk, Internet, Plattformen, SRG, Wille

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