Die wunden Punkte - epd medien

15.08.2026 10:50

In dem Netflix-Film "Mein bester Freund, seine Freundin und ich", spielen Kostja Ullmann und David Kross zwei unzertrennliche Freunde, die sich weigern, erwachsen zu werden. Doch dann tritt eine Frau in ihr gemeinsames Leben.

Komödie "Mein bester Freund, seine Freundin und ich"

Olli (Kostja Ullmann, Mitte) ist wenig begeistert davon, dass Matze (David Kross) sich in Rebecca (Janina Uhse, links) verliebt hat

epd Das Peter-Pan-Syndrom ist, wie schon der Name sagt, ein männliches Phänomen. Natürlich gibt es auch Frauen über 30, die sich nicht den Herausforderungen des Daseins stellen wollen, aber in der Literatur und im Film sind es in der Regel Männer, die sich weigern, erwachsen zu werden. Spätestens in der sogenannten Midlife-Crisis folgen viele dem Kind, das sie in sich spüren. Doch so alt sind Olli und Matze (Kostja Ullmann und David Kross) noch lange nicht und von Krise kann bei ihnen auch keine Rede sein. Die beiden Freunde sind seit Grundschultagen unzertrennlich und wohnen in einer gemeinsamen WG, der Traum aller freiwilligen Junggesellen.

Tisch an Tisch arbeiten sie für eine Immobilienmaklerin, aber viel wichtiger ist ihr gemeinsames Ziel: Demnächst werden sie sich ein Sabbatical gönnen und ein Jahr lang auf Weltreise gehen. Doch dann passiert die Liebe. Koautorin des Films von Marco Petry war seine Gattin Janina, womöglich ist es ihrem Einfluss zu verdanken, dass der Film die Antagonistin nicht dämonisiert: Die bezaubernde Rebecca (Janina Uhse) ist eine Frau zum Verlieben.

Spätpubertäre Vollidioten

Doch Olli ist in höchstem Maß alarmiert, das liegt wohl am warnenden Beispiel eines Freundes: Schmitti (Ferdinand Hofer) war früher der Dritte im Bunde der fröhlichen Kifferrunde, bis er geheiratet, Karriere gemacht und ein Reihenhaus gekauft hat. Seither steht er unter der Fuchtel von Antje (Mira Huber), die ihm alles verbietet, was Männern Spaß macht. Nach einem mittleren Eklat inklusive Polizeieinsatz untersagt sie ihm jeden weiteren Umgang mit den beiden "spätpubertären Vollidioten". Dieses Schicksal, fürchtet Olli, wird auch Matze drohen, wenn er nun eine Beziehung eingeht. Eine Menage à trois, lehrt die Erfahrung, funktioniert nicht: Erst ändert sich der Lebenswandel des Freundes, dann sagt er die Weltreise ab.

Manchmal gleitet "Mein bester Freund, seine Freundin und ich" in Pipi-Kacka-Scherze ab. Dass der Film der gelegentlichen Deftigkeit zum Trotz nie niveaulos wird, liegt an der Kombination aus Übertreibung und Realitätsnähe: Petry hat den Unfug, den Olli und Matze treiben, lustvoll auf die Spitze getrieben. Beziehungen können nun mal zu einer echten Belastung für eine Freundschaft werden, weil es den Freund oder die Freundin nur noch mit Anhang gibt.

Kontrahentin auf Augenhöhe

Als Olli der Widersacherin den Krieg erklärt, um die gemeinsame Weltreise zu retten, bleibt der Tonfall zwar heiter, aber ernst wird es trotzdem. Zum Glück entpuppt sich Rebecca als Kontrahentin auf Augenhöhe, die mit ihren Sabotageaktionen zielsicher Ollis wunde Punkte trifft.

Großen Spaß macht die Sorgfalt im Detail. Selbst die liebevoll gestaltete Illustration des Vorspanns ist einen zweiten Blick wert, weil sie das bisherige Leben der beiden Freunde, als Achtjährige noch Außenseiter, im Stil eines Fotoromans schildert. Die jungen Alter Egos sind perfekt ausgesucht, die rockige Musik passt zum Lebensgefühl der beiden Männer.

Kostja Ullmann (Jahrgang 1984) ist zwar knapp zehn Jahre zu alt für seine Rolle, aber er und David Kross verkörpern Olli und Matze mit so viel jugendlicher Spielfreude, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.

infobox: "Mein bester Freund, seine Freundin und ich", Komödie, Regie: Marco Petry, Buch: Marco Petry, Janina Petry, Kamera: Marc Achenbach, Produktion: Wiedemann & Berg Film (Netflix, seit 14.8.26)



Zuerst veröffentlicht 15.08.2026 12:50

Tilmann Gangloff

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Streaming, Kritik.(Streaming), KNetflix, Komödie, Petry, Gangloff

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