FAZ: Fahndung Russlands nach Korrespondent "Einschüchterungsversuch" - epd medien

22.08.2026 09:06

Russland hat den FAZ-Korrespondenten Michael Martens wegen seiner umstrittenen Frage zum Ukraine-Krieg zur Fahndung ausgeschrieben. Die Zeitung weist das Vorgehen als "Einschüchterungsversuch" zurück.

Frankfurt a.M. (epd). Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hat das Vorgehen Russlands gegen ihren Balkan-Korrespondenten Michael Martens als Einschüchterungsversuch gewertet. Man weise diesen Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern, hieß es in der Samstagsausgabe der Zeitung. Laut FAZ haben die russischen Behörden Martens nach seiner umstrittenen Frage zum Krieg in der Ukraine zur Fahndung ausgeschrieben. Es gebe einen Eintrag unter seinem Namen in der Fahndungsdatenbank des russischen Innenministeriums, schrieb die FAZ unter Berufung auf die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass.

Bei einer Pressekonferenz am 8. August in der serbischen Hauptstadt Belgrad hatte Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, "mehr russische Soldaten zu töten". Der FAZ-Verlag erklärte später, die Frage sei "missverständlich formuliert" gewesen und äußerte Bedauern.

Es drohen bis zu sechs Jahre Haft

Tass hatte bereits Mitte August berichtet, dass gegen Martens in Russland wegen öffentlicher Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit ermittelt werde. Bei einer Verurteilung drohen dem Journalisten laut FAZ bis zu sechs Jahre Haft. Nach Angaben der Zeitung gibt es widersprüchliche russische Medienberichte dazu, ob auch ein internationaler Haftbefehl gegen den Korrespondenten ausgestellt wurde.

Die russische Botschaft in Berlin hatte sich zu dem Fall an die Staatsanwaltschaft Berlin gewandt und um eine rechtliche Einschätzung gebeten. Angesichts der Äußerungen "bezüglich der Möglichkeit einer 'Beihilfe zum Mord an Russen' sowie des Fehlens einer öffentlichen Entschuldigung" scheine es, dass die von Martens verwendeten Formulierungen "bewusst und vorsätzlich gewählt wurden". Die Staatsanwaltschaft Berlin erklärte, sie habe nun zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliege.

Kohler: Westen muss sich entschiedener wehren

FAZ-Mitherausgeber Berthold Kohler kommentierte am Samstag im eigenen Blatt, die Fahndung drohe die Bewegungs- und Berufsfreiheit des Korrespondenten massiv einzuschränken: "Angesichts der Diffamierungen und Drohungen aus Moskau könnten sich nicht nur Justizbehörden dazu aufgerufen fühlen, ihn zu bestrafen."

Der Kreml weite seinen "hybriden" Krieg gegen die Unterstützer der Ukraine auf immer mehr Felder aus, kritisierte Kohler. Der Westen müsse sich gegen diese eskalierenden Angriffe entschiedener als bisher zur Wehr setzen. "Zu seiner Freiheit gehört unabdingbar auch die Freiheit der Presse."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte Außenminister Johann Wadephul (CDU) unterdessen auf, den russischen Botschafter einzubestellen. Wadephul müsse "unmissverständlich klarstellen, dass Deutschland die freie und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten schützt".

nam/rid



Zuerst veröffentlicht 22.08.2026 11:06 Letzte Änderung: 24.08.2026 09:58

Schlagworte: Medien, Presse, Russland, Ukraine, NEU

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