Auswärtiges Amt sieht Visa-Pläne der USA für Journalisten mit Sorge - epd medien

25.08.2026 15:02

Die US-Regierung will Visa für ausländische Medienschaffende nur noch für 240 Tage ausstellen statt wie bisher für fünf Jahre. Organisationen und Medienhäuser üben Kritik, das Auswärtige Amt sieht die Entwicklung mit Sorge.

Berlin/Frankfurt a.M. (epd). Die Bundesregierung zeigt sich besorgt über Pläne der US-Regierung, die Visa-Laufzeiten für ausländische Journalistinnen und Journalisten zu verkürzen. Man nehme die angekündigte Verkürzung der Aufenthaltsdauer mit Sorge zur Kenntnis, hieß es aus dem Auswärtigen Amt auf epd-Anfrage am Dienstag in Berlin. Das Amt habe seine Besorgnis darüber hochrangig gegenüber US-Partnern zum Ausdruck gebracht, das Thema wiederholt angesprochen und stehe dazu auch weiterhin im Austausch mit der US-Seite. "Die Bundesregierung setzt sich weltweit dafür ein, dass Journalistinnen und Journalisten frei und möglichst ohne Einschränkungen arbeiten können."

Nach dem Willen des US-amerikanischen Heimatschutzministeriums werden die Visabestimmungen unter anderem für Korrespondenten deutlich geändert. Bisher war das sogenannte I-Visum für Journalisten bis zu fünf Jahren gültig. Künftig werden die Visa für Medienschaffende nur noch für maximal 240 Tage ausgestellt. Die US-Regierung will damit nach eigenen Angaben Betrug reduzieren. Die neuen Regeln, die bereits im Spätsommer 2025 bekannt wurden, sollen zum 15. September 2026 in Kraft treten.

Präzedenzfall verhindern

ARD, ZDF, Deutschlandradio, ProSiebenSat.1, RTL Deutschland, Deutsche Welle sowie der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP) hatten die Pläne am Montag erneut kritisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul (beide CDU) müssten politische und diplomatische Mittel ergreifen, "um die weitere ungehinderte, freie Berichterstattung aus den USA zu gewährleisten und einen bedenklichen Präzedenzfall für den Umgang demokratischer Staaten mit ausländischer Berichterstattung zu verhindern", hieß es in einem gemeinsamen Schreiben.

Der geplante Schritt sei "insbesondere angesichts der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA" problematisch, die für Deutschland und Europa von großer Bedeutung seien. Dauerhafte journalistische Präsenz vor Ort ermögliche erst eine kontinuierliche und fundierte Berichterstattung, argumentierten die Organisationen und Verbände.

Nach Angaben des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) sollen zwar Verlängerungen nach 240 Tagen möglich sein. Diese seien jedoch "mit zusätzlichen Verfahren und erheblichen Unsicherheiten verbunden", kritisierte der Verband am Dienstag. Berlin müsse "unmissverständlich deutlich machen, dass freie und unabhängige Berichterstattung aus den USA nicht durch bürokratische Hürden und unsichere Aufenthaltsbedingungen erschwert werden" dürfe, erklärte der DJV- Bundesvorsitzende Mika Beuster.

rid/ema



Zuerst veröffentlicht 25.08.2026 15:26 Letzte Änderung: 25.08.2026 17:02

Schlagworte: Medien, NEU

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