Lebensbejahend - epd medien

26.08.2026 08:10

Die Serie "Club der roten Bänder - Die neue Generation" von RTL knüpft an die Erfolgsserie "Club der roten Bänder" an, die ab 2015 bei Vox ausgestrahlt wurde. Die Macher erzählen neue Coming-of-Age-Geschichten und haben das Tempo deutlich angezogen.

Jugendserie "Club der roten Bänder - Die neue Generation"

Charlie (Greta Krämer, Mitte) und Nora (Mariama Jobe, rechts) besuchen Yannick (Yoran Leicher, links) nach der Operation

epd Ein Ball mit voller Wucht ins Gesicht - und plötzlich blind? Diese Schrecksituation erlebt Yannik (Yoran Leicher) in einem Streit mit Mitschüler Philipp (Jona Levin Nicolai) im Sportunterricht. Besorgt um sein fehlendes Augenlicht unterzieht er sich ärztlichen Untersuchungen. Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus beginnt.

Dass es dort von dramatischen Schicksalen junger Menschen nur so wimmelt, zeigte vor gut zehn Jahren die VOX-Serie "Club der roten Bänder". Die deutsche Adaption einer katalanischen Serie erzählte die Geschichte von sechs Jugendlichen, die in einem Kölner Krankenhaus mit unterschiedlichen, manchmal lebensbedrohlichen Diagnosen fertig werden mussten. Oft waren sie wütend, traurig, frustriert, nie aber waren sie allein, da sie sich als Freunde auch in schrecklichsten Situationen zu helfen wussten. 30 Folgen dieser bewegenden Serie sowie ein Prequel-Film entstanden zwischen 2015 und 2019.

Krankheit, Freundschaft und Feindschaft

Die Geschichte dieses "Clubs der roten Bänder", benannt nach den OP-Armbändern, die zu Freundschaftsbändchen umgedeutet wurden, inspiriert nun in Form eines Buchs eine neue Generation Jugendlicher im Krankenhaus. Yannik, dessen zunächst kurzzeitige Blindheit sich als ein Symptom einer kritischen Krankheit offenbart, verschlingt das Buch und kann der anfangs als kindisch abgestempelten Idee eines Clubs dann doch etwas abgewinnen. So verbündet er sich erst mit Charlie (Greta Krämer), die wegen ihrer bipolaren Störung in der Psychiatrie lebt, später auch mit Leukämiepatientin Nora (Mariama Jobe) und dem langjährig nierenkranken Elias (Voicu Dumitras).

Als dann auch noch Yanniks Mobber Philipp in die Psychiatrie kommt, wird aus dem Krankenhaus ein Schmelztiegel aus Krankheit, Freundschaft und Feindschaft, in dem sich schließlich auch noch zwei Liebesgeschichten anzubahnen scheinen.

Schwere Kost

Viel Stoff für eine Staffel, die nur aus sechs Folgen besteht. Tatsächlich wirkt "Die neue Generation" im Vergleich zur ersten Serie deutlich schneller erzählt. Nahm sich die "alte Generation" noch viel Zeit zu erzählen, wie die Jugendlichen ganz für sich mit ihrer Situation, ihren Ängsten und ihrem Leid hadern, gerät dieser Umgang mit Krankheiten nun viel kürzer. Da wirkt es leider wenig nachvollziehbar, wie schnell sich Nora nach langem Verstecken ihres chemobedingten Haarausfalls dann doch damit abfindet, dass ihr Kopf nun kahl ist. Derart langwierige Prozesse der Selbstakzeptanz kommen einem mitunter wie vorgespult vor.

Umso mehr stehen die Beziehungen der Patienten zueinander, aber auch zu ihren Schulfreunden und Familienangehörigen im Fokus. Die komplexen Verhältnisse zwischen Freund und Feind, Liebenden und Geliebten, Krankheiten, Patient und Therapeut oder auch Vater und Sohn verweben sich zu einem engmaschigen Netz aus Spannungen, in dem sich die Figuren bewegen. Schwerwiegende Entscheidungen wie die Beendigung einer lebenserhaltenden Dialysetherapie oder die riskante Behandlung eines Tumors prägen den Alltag der Teenager und machen aus der im Grunde lebensbejahenden Serie immer wieder schwere Kost.

Zeitgemäße "neue Generation"

Die Hauptdarsteller leisten hier Großartiges: Greta Krämer spielt die bipolare Charlie so gut, dass es fast schwerfällt, die Figur in ihrer manischen Sprunghaftigkeit zu mögen. Ob sie oder ihre Krankheit an dem in ihrer Manie entstandenen Schaden Schuld ist, ist nur eine der intelligenten Fragen, die die Serie aufwirft. Es dauert auch einige Zeit, bis einem der dauergrimmige Elias und Rüpel Philipp doch ans Herz wachsen. Die schönsten und rührendsten Momente geben den Freunden nicht nur die Gelegenheit zur Selbstakzeptanz, sondern auch zu Authentizität und Lebensfreude.

Nicht zuletzt kommt "Die neue Generation" weitaus zeitgemäßer daher als die Vorgängerserie. Ob "Keta und Krawall" der Rapperin Ikkimel als authentischer Track heutiger Jugend oder der Soundtrack des auch homoerotisch aufgeladenen Liebesfilms "Challengers - Rivalen" während einer Partyszene: Musik wird hier clever als ergänzendes Erzählelement eingesetzt. Das macht einen moderneren und glaubwürdigeren Eindruck als manche Szenen der alten Serie.

Der Neuauflage ist die Erzählung einer von der Vorgängerserie losgelösten Story gelungen, die noch mehr als Coming-of-Age-Geschichte funktioniert. Sie verhandelt diverse Aspekte des Erwachsenwerdens, darunter Männlichkeitsbilder, zusammen mit belastenden Fragen von Krankheit oder Gesundwerden, behält den optimistischen Grundton der Ursprungsgeschichte aber bei.

infobox: "Club der roten Bänder - Die neue Generation", sechsteilige Jugendserie, Regie: Felix Binder, Aki Wegner, Buch: Adrian Spring, Kirsten Loose, Produktion: Bantry Bay Productions (RTL+/Sky/WOW, seit 25.8.26, Vox, ab 8.9.26, jeweils dienstags, 20.15-22.05 Uhr)



Zuerst veröffentlicht 26.08.2026 10:10

Lukas Respondek

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Kritik, Kritik.(Fernsehen), KRTL, Streaming, Jugend, Serie, Binder, Wegner, Spring, Loose, Respondek

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